Bern

Keine Furcht vor Zwangsräumung

Weil das öffentliche Interesse am Sans-Papiers-Camp etwas nachgelassen hatte, suchten die Aktivisten «bewusst» nach Papierlosen. Und sie kamen.

Ob man bleibt oder nicht, war gestern Abend noch nicht klar. (Manuel Zingg)

Ob man bleibt oder nicht, war gestern Abend noch nicht klar. (Manuel Zingg)

Die Sans-Papiers-Aktivisten auf der Kleinen Schanze sind sich uneinig: Ein Teil der rund 150-köpfigen Gruppe möchte heute die Zelte abbrechen. Das entsprechende Ultimatum des Berner Gemeinderats läuft heute Freitag aus. Andere Aktivisten wollen es auf eine Konfrontation mit den Behörden ankommen lassen: Zu verlieren hätten sie sowieso nichts mehr, heisst es. Definitiv entschieden für die eine oder andere Variante haben sich die Aktivisten noch nicht. Am Abend sagte Julia Bader vom Aktionskomitee aber auf Anfrage, man werde «sicher abziehen»: «Wir hätten bei einer Konfrontation keine Chance.»

Möglich ist, dass sich die Männer und Frauen eine neue Bleibe suchen. Am ehesten käme wohl eine Kirche infrage. Darin hatten sie sich schon einmal eingerichtet: Im Herbst 2001 besetzten Sans-Papiers und ihre Sympathisanten die Marienkirche in Bern und machten so auf ihre Anliegen aufmerksam.

Kräftig mobilisiert

So oder so hat das Kollektiv namens Bleiberecht das Camp definitiv als Plattform entdeckt. Noch in der Wochenmitte flaute das Interesse Betroffener am Camp plötzlich etwas ab, wie Julia Bader sagt. Danach wurde aber kräftig mobilisiert. «Wir sind bewusst auf die Suche nach Sans-Papiers gegangen», sagt Bader. Die Aktivisten fuhren in die Notunterkunftszentren und machten die Bewohner auf ihr Camp in der Bundesstadt aufmerksam. Ob die Aktivisten die Sans-Papiers dazu gedrängt haben, noch ins Camp zu kommen, oder ob die Sans-Papiers selber zum Schluss gekommen sind, das Camp vor Ablauf des Ultimatums noch dazu zu nutzen, auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen, ist unklar.

Männer im Hungerstreik

Und so finden sich im Camp nun neu ein Mann aus dem Iran, der in der Schweiz in Basel zu Hause ist, und ein Mann aus Aserbaidschan. Die beiden Männer befinden sich im Hungerstreik. Der Iraner isst seit 29 Tagen nichts mehr, der Aserbaidschaner seit 10 Tagen. Beide Männer stellten in der Schweiz ein Asylgesuch, welches abgelehnt wurde. Und beide legten gegen den Entscheid Rekurs ein. «Sie sehen im Camp eine Möglichkeit, sich etwas Publizität für ihre Anliegen zu verschaffen», sagt Bader. Und die lauten: Beide wollen nicht zurück in ihr Heimatland, aus Angst, erneut verfolgt zu werden, weil sie, wie sie sagen, Regimekritiker sind.

Da der Gesundheitszustand des Iraners nicht gut ist und er Bewusstseinsstörungen entwickelt hat, haben ihn die Aktivisten bereits zwei Mal in ein Spital gebracht. Infusionen lehnte er dort aber ab. Der Gesundheitszustand des Aserbaidschaners indes ist stabil. Wie und ob sich das Komitee nach Abbruch des Camps weiter um die beiden kümmern wird, konnte Bader (noch) nicht sagen. (Der Bund)

Erstellt: 02.07.2010, 10:11 Uhr

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