Bern

Keine Eisbahn ohne Steuergelder

Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 15.11.2010 3 Kommentare

Weil die Kosten höher waren als erwartet, musste die Stadt Bern über 80'000 Franken in die populäre Eisbahn einschiessen – sehr zum Ärger des Stadtrats. Nun muss bis 2012 ein neues Finanzierungskonzept her. Sonst droht daus Aus.

Damals noch steuerfrei: Energiedirektor Reto Nause (hinten) und Stadtpräsident Alexander Tschäppät (Mitte) eröffnen die Eisbahn. (Adrian Moser)

Damals noch steuerfrei: Energiedirektor Reto Nause (hinten) und Stadtpräsident Alexander Tschäppät (Mitte) eröffnen die Eisbahn. (Adrian Moser)

Der Eisbahn-Betrieb auf dem Bundesplatz soll ohne Steuergelder auskommen. So lautete einst das Versprechen des Gemeinderates vor der Eröffnung der Eisfläche. Anfang Jahr zeigte sich, dass dieses Versprechen nicht eingehalten werden kann: Sowohl für den Betrieb im Winter 2007/2008 wie auch im darauffolgenden Jahr musste die Stadt öffentliche Gelder aufwenden. Jetzt ist die Weiterführung der populären Eisbahn gefährdet. Dies geht aus der Antwort des Gemeinderats auf eine GLP-Interpellation über Ursachen und Folgen des Fehlbetrags hervor: Entweder müsse die Bahn ab 2012 vollständig privat finanziert werden, oder der Stadtrat müsse die nötigen Mittel bereitstellen. Ansonsten, so heisst es, werde der jährliche Betrieb eingestellt.

Eintritt zahlen ist keine Option

Der zuständige Gemeinderat, Umwelt- und Energiedirektor Reto Nause (CVP), bestätigt auf Anfrage den Sachverhalt: Ab 2012 sei die Eisbahn nicht mehr im Finanzplan der Stadt enthalten, sagt er. Bis dahin müsse eine Lösung gefunden werden – und die werde mit grosser Wahrscheinlichkeit den Einsatz von Steuergeldern beinhalten: «Die derzeitigen Sponsoren-Beiträge reichen einfach nicht aus», sagt er. Generell sei es schwierig, Projekte dieser Art auf rein privater Basis zu finanzieren.

Zur Erinnerung: Das Schlittschuhlaufen auf dem Bundesplatz an sich ist gratis. Nur die Miete der Eisen kostet etwas. Ob man den nicht einfach einen kleinen Eintrittspreis verlangen könne, um die Einnahmen etwas aufzupolieren? «Der Charme der Eisbahn besteht ja nicht zuletzt darin, dass sie kostenlos ist», meint Nause dazu. Die Gefahr sei gross, dass Eintrittspreise die Leute vergraulen würden. Bislang haben schon über 30?000 Menschen ihre Runde auf dem Eis gedreht. Ausserdem entstünden durch ein Kassenhäuschen samt Bedienung wieder neue Betriebskosten.

Böse Überraschung für Stadtrat

Ob sich der Stadtrat bereit erklären wird, öffentliches Geld in den Betrieb zu stecken, ist derzeit fraglich. Bereits im Mai 2010 weigerte er sich, einen Nachkredit für die Eisbahn zu bewilligen. Die Kosten wurden dem Wirtschaftsamt der Umwelt- und Energiedirektion belastet. Der Grund für das Finanzloch: Der Wasserbezug für den Winter 2007/2008 war anfänglich zu tief berechnet worden. Zudem stiegen die Betriebskosten im schneereichen Winter 2008/2009 an. Dadurch kosteten die ersten zwei Betriebssaisons 52?000 Franken mehr als geplant. Schliesslich war auch noch ein Sponsor kurzfristig abgesprungen. Gemäss Abschlussrechnung des Wirtschaftsamts musste die Stadt letztlich knapp 82?000 Franken beisteuern.

Im Stadtrat hatte die unerfreuliche Überraschung zu geharnischten Reaktionen geführt. Von «Schlamperei» und einem «undemokratischen und dreisten» Vorgehen des Gemeinderats war die Rede. Dass Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP), ein grosser Befürworter der Eisbahn, nicht an der Sitzung erschienen war, verstärkte den Unmut der Volksvertreter noch.

Zu den vehementesten Kritikern des Nachkredits gehört GLP-Parlamentarier Michael Köpfli, der Verfasser der eingangs erwähnten Interpellation. Er hält fest, dass er nichts gegen die Eisbahn als solche hat: «Falls demnächst die

KaWeDe schliesst, wäre die Eisbahn auf dem Bundesplatz kein schlechter Ersatz.» Es gehe aber nicht an, dass der Gemeinderat zuerst das Geld ausgebe und dann im Nachhinein den Stadtrat um Erlaubnis dafür bitte. «Die Kompetenz in Budgetfragen liegt beim Parlament. Das muss der Gemeinderat respektieren.» Köpfli unterstützt deshalb eine Motion von Ratskollege Luzius Theiler (GPB). Darin wird gefordert, dass Nachkredite künftig zwingend im Budget des darauffolgenden Jahres verrechnet werden.

Der Gemeinderat hat auf die Kritik des Parlaments reagiert: Die Kosten für die Eisbahn werden von nun an im regulären Budget verrechnet. Zudem hat die Stadt mit der Betreiberin BEA Bern Expo einen Zweijahresvertrag abgeschlossen. Der Betrieb der Saisons 2009/2010 und 2010/2011 wird demnach mit maximal 100?000 Franken jährlich durch öffentliche Gelder finanziert. Der Rest muss durch Sponsoring-Beiträge aufgebracht werden. Reto Nause: «Diesen Winter ist der Betrieb der Eisbahn gesichert.» (Der Bund)

Erstellt: 15.11.2010, 06:55 Uhr

3

Kommentar schreiben







 Ausland





Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

3 Kommentare

Henri-Charles Beuchat

15.11.2010, 11:48 Uhr
Melden

Finde es sehr schade, dass mangels Investitionsbereitschaft die Eisbahn auf dem Bundesplatz gefährdet ist. Wer für das Schlittschuhlaufen ist muss auch die Mittel dazu bereitstellen. Die vielen Besucherinnen und Besucher interessiert es doch nicht ob das Geld aus Nachkredit oder Budget stammt. Ich würde meinen: Im Grossen konsequent im Kleinen kulant. Ab auf die Kufen! Antworten


Nicole Meier

15.11.2010, 11:12 Uhr
Melden

Wer vor dem Bundesaus aufs Eis will, der soll auch dafür bezahlen, aber nicht wieder von den Steuergeldern. Eintrittspreise wie überall, wenn schon denn schon, für alle Eisbahnen die gleich langen Spiesse. Antworten




Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.