Keine Badi-Lounge im Marzili
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 15.04.2011 4 Kommentare
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Bern ist nicht Zürich. Das gilt auch für die Badi-Lounges. Was an der Limmat-stadt gang und gäbe ist, harrt in der Hauptstadt weiterhin der Umsetzung. Der Gemeinderat wäre zwar bereit, diesen Sommer den versuchweisen Betrieb eines Loungebetriebs im Marzili-Männerbad zuzulassen, wie es in der Antwort auf einen CVP-Vorstoss heisst. Bis im März dieses Jahres hatte sich dafür aber kein Betreiber gefunden. Fünf Wochen später nun gibt es zwar vier Interessenten, wie Sven Baumann, Generalsekretär der Direktion für Bildung, Soziales und Sport (BSS), auf Anfrage sagt. Dafür fehlt es aber an der Zeit. «Ein Loungebetrieb im Marzilibad ist 2011 nicht mehr realisierbar.» Zur Organisation von Anlässen, die an Wochenenden von Juli bis September von 20 bis 23 Uhr stattfinden sollen, müsse zwingend das Quartier mit einbezogen werden. Zudem müssten sich Stadt und Betreiber auf ein Konzept und Bedingungen einigen. Es gebe zahlreiche Punkte – von der Reinigung über die Kosten bis zur Sicherheit –, die es seriös zu prüfen gelte, sagt Baumann.
«Das ist halt einfach Bern»
Bonsoir-Betreiber Rolf «Bobby» Bähler hat sich nach eigenen Angaben um die Durchführung der Badi-Lounge beworben. Er habe ein Konzept eingereicht, das «vom Gewässerschutz bis zur Badeaufsicht» alle möglichen strittigen Punkte aufliste, sagt Bähler. Vor einigen Tagen habe ihm Roger Schnegg, der Leiter des städtischen Sportamtes, telefonisch eine Absage erteilt. Schnegg habe ihm zu verstehen gegeben, dass die Vorgaben derart streng seien, dass eine Durchführung des Loungebetriebs in diesem Sommer «aus betriebswirtschaftlicher und operativer Sicht» kaum zu bewerkstelligen sei. «Es gibt rasch zehn Gründe gegen, aber kaum je Gründe für eine gute Sache. Das ist halt einfach Bern», sagt Bähler. Letztlich fehle es dem Gemeinderat am politischen Willen, einen Loungebetrieb im «Bueber» zu ermöglichen. Die Bedingungen der Stadt seien in der Tat äusserst streng. «Es gibt keine Selbstverantwortung der Gäste mehr. Es muss immer alles 100-prozentig sicher sein», sagt Bähler.
In erster Linie gehe es immer um Befürchtungen wegen des Lärms, sagt Bähler. Dabei sei die Hintergrundmusik einer Lounge nicht das Hauptproblem. Aber 600 Gäste im Männerbad des Marzili produzierten an sich einen Lärmpegel, der «sämtliche Leiste auf die Palme brächte». In Zürich wiederum sei das offenbar weniger ein Problem. Rund um die Badi Oberer Letten, in der Sommer für Sommer die Strandbar stattfinde, wohnten auch viele Leute. Weitere Standardgründe gegen das Abhalten von Anlässen in Badeanstalten seien Sicherheit und Sauberkeit, wie Bähler ausführt. Wenn zig Leute um ein Becken stünden, brauche es eine Badeaufsicht. In Bern sei unklar, wer den Rettungsschwimmer bezahle. «Bei einem Stundenansatz von 85 Franken entstehen rasch einmal Fixkosten von über 10 000 Franken», sagt Bähler. Weitere Unklarheiten gebe es bezüglich Auf- und Abbau des Mobiliars, Reinigung und Alkohol. Der Aufwand für den abendlichen Abbau der Installationen, für die Reinigung des Terrains und den Abtransport des Mobiliars sei immens. Wenn zudem erst nach der Schliessung des Badebetriebs um 20 Uhr Alkohol ausgeschenkt werden dürfe, stelle sich die Frage der Rendite. Zudem sei unklar, ob bloss leicht alkoholhaltige Getränke oder auch Spirituosen über die Theke gehen dürften. Unter diesen Bedingungen rentiere der Betrieb erst nach zwei, drei Jahren. «Als Betreiber wäre man zumindest auf einen Fünfjahresvertrag angewiesen», sagt Bähler.
Bedenken aus dem Quartier
Sportamt-Leiter Roger Schnegg war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. BSS-Generalsekretär Sven Baumann weist die Vermutung von sich, dass es der Stadt am politischen Willen mangle und sie mittels restriktiver Bedingungen einen Loungebetrieb verunmöglichen wolle.
«Eine Freibadlounge ist neu für Bern. Da kann sich niemand ins gemachte Nest setzen.» Das Konzept und die Regelung des Loungebetriebes brauche daher Zeit. So sei in der Tat nicht geklärt, wer für die Sicherheitsmassnahmen aufkomme. «Wir verlangen ja nicht, dass ein Betreiber zehn Rettungsschwimmer vors Becken stellt, aber die Sicherheit muss gewährleistet sein», sagt Baumann. Die Abgabe von Alkohol wiederum sei in den städtischen Bädern verboten. Zur Lockerung dieses Verbotes brauche es einen Entscheid des Gemeinderates. Zudem liege das Marzilibad in einem dicht besiedelten Wohnquartier. In Briefen an die Sozialdirektion hätten Bewohner und Quartiervertretungen denn auch bereits ihre Befürchtungen bezüglich Lärm und Verkehr formuliert. «Die Stadt nimmt auf diese Bedenken Rücksicht», sagt Baumann. Das Gleichgewicht zwischen Freibadbetrieb und Quartierinteressen müsse erhalten bleiben.
Leist spricht von «Partymeile»
Einer der Brief-Verfasser war René Hell, Präsident des Marzili-Dalmazi-Leistes. «Wir wollen keinen Loungebetrieb im Marzilibad», sagt Hell. Zwischen Gaskessel und Matte gebe es eine «Partymeile», deren Anwohner schon genug unter Lärmemissionen und Parkplatz-Suchverkehr zu leiden hätten. (Der Bund)
Erstellt: 15.04.2011, 07:01 Uhr
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4 Kommentare
Warum müssen sich diese Quartier-Leiste immer wie kleine Stadtpräsidenten aufspielen?! Weshalb inszenieren sie sich bei jeder Gelegenheit als das "Gewissen des Quartiers" - als ob sie wüssten, was "das Quartier" will. Von einer "Partymeile" in der Matte zu sprechen, ist schlicht hanebüchen. Diese Quartier-Leiste sind konservative Verhinderer und Langweiler. Die Innenstadt ist nunmal kein Museum! Antworten
Aus welchem Grund gewisse Berner nach wie vor das Gefühl haben aus dieser Stadt ein Dorf ohne Lärm und ohne Autos machen zu können ist mir schleierhaft. Bern hat vor 500 Jahren aufgehört Dorf zu sein und wird es nie sein. Bern wird höchstens eine langweilige Stadt. Antworten
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