Kaffee trinken an der Hodlerstrasse
Von Dölf Barben. Aktualisiert am 30.07.2010
Die Vorgeschichte
«Progr» geht zurück auf «Proger», die Bezeichnung des ehemaligen Progymnasiums am Waisenhausplatz. Seit sechs Jahren ist der Progr ein Atelierhaus für weit über 100 Kunstschaffende sowie ein Veranstaltungsort. Zunächst handelte es sich um eine Zwischennutzung. Bis im Herbst 2008 sah es danach aus, als werde das Gebäude in ein Zentrum für Gesundheit, Bildung und Kultur umgewandelt. Das Stadtberner Stimmvolk entschied sich dann im Mai 2009 jedoch mit einer Zweidrittelmehrheit für das Vorhaben der Künstler, ihr Projekt weiterzuführen. Anfang August letzten Jahres hat die Stiftung Progr das ehemalige Schulgebäude für 2,4 Millionen Franken für 30 Jahre im Baurecht übernommen. Gleichzeitig hat sie sich verpflichtet, bis 2015 sämtliche notwendigen Renovationen zu erledigen. (db)
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Die Hodlerstrasse in der Stadt Bern ist keine Strasse, auf der man sich besonders gerne aufhält. Wer zu Fuss vom Waisenhausplatz zur Schützenmatte will und in Eile ist, schätzt sie als direkteste Verbindung. Dann eilt der Passant den abweisenden Sandsteinmauern entlang – womöglich ohne zu wissen, was sich hinter all den Fenstern befindet.
Bis in zwei Jahren könnte sich dies im oberen Teil der Strasse grundlegend ändern. Dem seit gestern vorliegenden Baugesuch für die Renovation des alten Progymnasiums ist zu entnehmen, dass der Progr nicht nur «behutsam renoviert» wird, wie es in der Mitteilung heisst: «In einigen Teilen» geht das Projekt über eine reine Renovation hinaus. Am augenfälligsten ist dabei die Öffnung der Café-Bar Turnhalle (die sich tatsächlich in der ehemaligen Turnhalle befindet) zur Hodlerstrasse hin. Geplant ist, die fünf bestehenden bogenförmigen Fenster bis auf Bodenhöhe «hinabzuschneiden», wie Architekt Viktor Hirsig sagt. Dadurch entstünde ein neuer Bezug zur Hodlerstrasse, «eine Anbindung». Damit werde eine «markante Aufwertung» des «heute recht unwirtlichen Strassenabschnitts» angestrebt. Die Gäste der Turnhalle könnten ebenerdig ein- und ausgehen. Auf dem Trottoir stünden Tische – unter Bäumen. Mit den Türen liesse sich zudem das Problem der Fluchtwege auf elegante Weise lösen, sagt Hirsig.
Allerdings ist es noch nicht ganz sicher, dass die Anbindung tatsächlich verwirklicht wird. Für die Renovation des Progr stehen bloss 8 Millionen Franken zur Verfügung. Würde sich zeigen, dass es bei diesem «knappen Budget» nicht für alles reicht, würden wohl als Erstes die Fenstertüren eingespart – «ausser wir fänden einen Sponsor», sagt Hirsig. Gefragt wären 150 000 Franken.
Biergarten-Atmosphäre im Hof
Augenfällige Veränderungen sind weiter im Hof vorgesehen, der an der Speichergasse liegt und vom Gebäude von drei Seiten her eingefasst wird. Die zwei Meter hohe Mauer, die den Hof teilt, soll abgebrochen werden. In der Mitte des Platzes ist ein Ausschankpavillon geplant, der im Sommer genutzt wird. Die Ahornbäume im Hof bleiben stehen, auf der westlichen Seite werden sogar zwei neue gepflanzt. Hirsig schwebt in diesem Teil des Hofes «etwas in Richtung Biergarten-Atmosphäre» vor. Der östliche Teil dagegen soll «Kulturallmend» sein – «ein Flecken in der Stadt», der für kulturelle Anlässe zur Verfügung steht. Generell soll der Hof öffentlich zugänglich sein. Er soll Raum bieten für Leute, die sich zum Beispiel ausruhen wollen oder ein Plätzchen suchen, um «ungestört und ohne Kaufzwang» ihr Picknick zu essen.
Am Gebäude selber ändert sich wenig. Den Hauptbrocken der Renovation bildet die Sanierung der Sandsteinfassade, sie beansprucht rund ein Drittel der Gesamtkosten. Das Dach dagegen wird lediglich repariert. Es habe sich gezeigt, dass eine Gesamterneuerung nicht nötig sei, sagt Hirsig. Die sanitären und elektrischen Anlagen werden nur soweit nötig renoviert. Die Aula und die Café-Bar Turnhalle erhalten eine neue, energiesparende Lüftung. Erneuert und etwas ausgebaut wird die Toilettenanlage. Auf Totalerneuerungen wird nicht nur aus Kostengründen verzichtet: «Wir wollen mit der Sanierung nicht die Geschichte dieses Gebäudes verdecken», sagt Hirsig. Einen weiteren «kostenträchtigen Posten» bildet schliesslich die Nachrüstung des Brandschutzes.
Die Bauarbeiten beginnen Ende September mit den Gerüstarbeiten für die Sanierung der Fassade. Diese sind nicht bewilligungspflichtig. Mit den übrigen Schritten wird gewartet, bis die Baubewilligung vorliegt – voraussichtlich Anfang 2011. Die Renovation erfolgt etappenweise und dauert bis Ende 2013. Die Turnhalle wird Mitte 2012 umgebaut. Sie bleibt in dieser Zeit geschlossen, im Hof ist allerdings Sommerbetrieb vorgesehen. Während des Umbaus läuft auch der Progr-Betrieb «normal weiter». Verantwortlich für die Renovation, die in engem Kontakt mit der städtischen Denkmalpflege geplant wird, ist die Stiftung Progr. Finanziert wird das Projekt mit Geld aus Schenkungen sowie über Privat- und Hypothekardarlehen. (Der Bund)
Erstellt: 30.07.2010, 08:02 Uhr
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