Bern

Käser will Geld von den Young Boys

Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 25.05.2010

Der kantonale Polizeidirektor will die Sicherheitskosten für Sportanlässe nicht länger tragen. Deswegen stellt er die Leistungsvereinbarung zwischen Stadt Bern und Kanton infrage.

600 Kantonspolizisten standen bei der Finalissima im Einsatz. (Keystone)

600 Kantonspolizisten standen bei der Finalissima im Einsatz. (Keystone)

Als wäre die Niederlage des BSC Young Boys im alles entscheidenden letzten Meisterschaftsspiel gegen den FC Basel nicht genug. Gezündete Pyros, Scharmützel und Sachschäden rund um die sogenannte Finalissima hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. Einmal mehr enden die negativen Begleiterscheinungen in Rechnungen über die Kosten für Sicherheit rund um Sportanlässe.

600 Polizisten seien am Sonntag im Einsatz gestanden, liess nun der kantonale Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) verlauten, obwohl sonst über solche Zahlen hartnäckig geschwiegen wird. Was dieser Einsatz in Frankenbeträgen ausmacht, ist nicht klar, er dürfte aber mindestens mit den seit längerem bekannten Kosten von einer Viertelmillion Franken für ein Hochrisikospiel zu Buche schlagen.

«Für die Grundversorgung stehen während eines Fussballspiels 25 Polizisten im Einsatz», sagt Käser. Würde man diese Zahl in die von der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) und den Fussballverbänden ausgearbeitete Mustervereinbarung eintragen, wären die restlichen 575 Polizisten oder knapp 240 000 Franken von YB zu bezahlen. «Für jede weitere Einsatzkraft stellt die Behörde dem Sportklub (...) Rechnung», steht in der Mustervereinbarung. Man kann es drehen und wenden, wie man will, die 60 000 Franken, die YB seit der vergangenen Saison jährlich an die Sicherheitskosten beisteuert, reichen nirgends hin.

Langenthal bezahlte Rechnung

Dass die KKJPD-Mustervereinbarung nicht in Kraft ist, müsste Käser nicht daran hindern, Rechnung zu stellen. Der Stadt Langenthal hat er beispielsweise bereits 2008 für die Unterstützung der Stadtpolizei durch die Kantonspolizei an einem einzigen Eishockeyspiel eine Rechnung über 60 000 Franken gestellt. «Die Rechnung wurde bezahlt», sagt Käser.

Seit es nur noch die Kantonspolizei gibt und die Städte polizeiliche Leistungen mit einem Ressourcenvertrag einkaufen, kann der Polizeidirektor aber für Leistungen der Kantonspolizei weder bei den Städten noch direkt bei den Klubs Rechnungen verschicken. Zuständige Behörde ist im Fall von YB die Stadt Bern, sie müsste die Rechnung stellen.

Doch die Stadt stellt weder Rechnungen, noch ist sie mit den Sportklubs die KKJPD-Mustervereinbarung eingegangen. Wenn die Mustervereinbarung nicht zumindest «im Sinn und Geist» umgesetzt werde und die Stadt keine Kosten weiterverrechnen werde, sind für Käser die vertraglich festgelegten Polizeileistungen aber nun infrage gestellt. «Den Ressourcenvertrag kann man künden», sagt er. Als letzten Hebel behalte er sich diesen Schritt vor.

Ausnahme: Kostenbeteiligung

«Das ist für mich neu», sagt Reto Nause, städtischer Sicherheitsdirektor (CVP). Für ihn sei der Ressourcenvertrag, der noch zwei Jahre gültig ist, nicht antastbar. «Auch die Leistungen der Polizei vor dem Stadion sind im Vertrag inbegriffen», sagt er. Ebenso wenig gedenkt er, den Vertrag mit den Sportklubs nicht einzuhalten, den er seinem Vorgänger Stephan Hügli (Mitte) zu verdanken hat und der insgesamt fünf Jahre dauert. Mit der Zusatzvereinbarung, die im letzten November unterzeichnet worden ist, seien materiell alle Punkte der KKJPD-Vereinbarung erfüllt. «Mit Ausnahme der Kostenbeteiligung», sagt Nause. In der Zusatzvereinbarung sei aber eine Klausel enthalten, die erlaube, auf die Kostenbeteiligung zurückzukommen.

Wenn die Sicherheitskosten nicht nachhaltig kleiner würden, müsse man über die 60 000 Franken reden, sagt Nause. Eine nachhaltige Reduktion entspreche mehr als einer Halbierung. Heute leiste die Polizei jährlich gegen 26 000 Stunden Arbeit rund um Sportveranstaltungen. 10 000 bis 12 000 Stunden wären anzustreben, sagt Nause. 2008 kostete die Sicherheit rund um Sportveranstaltungen im ganzen Kanton 2,8 Millionen Franken – selbst von der Hälfte dieses Betrags wären die 120 000 Franken, die YB und SCB heute gemeinsam leisten, ein bescheidener Beitrag.

Selbstverständlich halte YB am Vertrag mit der Kostenbeteiligung von 60 000 Franken fest, sagt YB-Mediensprecher Albert Staudenmann. «Es hat in dieser Saison im Stade de Suisse keine Ausschreitungen gegeben», sagt er. Zudem seien bereits viele Anstrengungen unternommen worden und weitere Investitionen geplant. Die Kosten für einen zusätzlichen Fanarbeiter und eine Verlängerung des Fantrennungszauns würden von YB getragen.

Auf die Fantrennung setzt der städtische Sicherheitsdirektor grosse Hoffnungen. Erste Erfahrungen wurden damit bereits in der vergangenen Saison gemacht. «Damit kann man den Aufwand erheblich reduzieren. Es braucht bis zu 100 Polizisten pro Spiel weniger», sagt Nause. Grundsätzlich ist er der Ansicht, dass der im letzten November unterzeichneten Vereinbarung noch mehr Zeit eingeräumt werden müsse. «Gewisse Massnahmen kann man rasch umsetzen, andere brauchen länger.» Kernpunkte der Vereinbarung waren etwa die verschärften Eintrittskontrollen, bei denen vor allem pyrotechnisches Material abgefangen werden soll, und der Alkoholausschank – zwei Massnahmen, die auch die KKJPD-Mustervereinbarung vorsieht.

FC Thun könnte Kosten steigern

Käser hingegen befürchtet, dass die Kosten in der kommenden Saison eher noch ansteigen könnten. Der FC Thun ist am letzten Wochenende in die höchste Liga aufgestiegen. Sicherheitstechnisch sei das Lachen-Stadion nicht vergleichbar mit dem modernen Stade de Suisse, spielen würden aber dort die gleichen Mannschaften wie in Bern, sagt er. (Der Bund)

Erstellt: 25.05.2010, 18:06 Uhr

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