Jazzfestival Bern: Von individueller Klasse geprägter Auftakt

Von Georg Modestin. Aktualisiert am 15.03.2010

Für den Auftakt zur Jubiläumsausgabe kehrte das Festival dorthin zurück, wo alles begonnen hatte und bis zur Verlegung und dem «re-launch» in der Inneren Enge im Jahr 2003 auch stattfand: in den Kursaal.

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Nun, der Genius Loci schwebt immer noch über dem weiten Oval und rief den einen oder anderen – durchaus zwiespältigen – Gedanken an die Zeiten hervor, in denen der Anlass in «klassischer» Manier über die grosse Bühne ging.

Dass dabei die Erinnerungen mit einem Schlag präsent wurden, hat auch mit der Musik zu tun, die es an diesem ersten Festivalabend zu hören gab, in erster Linie diejenige einer All-Star-Band um den Kornettisten, Flügelhornisten und Trompeter Warren Vaché. Mit nicht weniger als sechs Bläsern und Rhythmusgruppe zelebrierte sie in allzu vertauter «Kursaal-Manier» eine Jam-Session, die kaum aufgrund der Tutti-Nummern im Gedächtnis bleiben wird: Sie waren in der bewährt voraussehbaren Formel «Thema – Soli – Thema» gehalten, wobei die Soli mit einfachen Riffs unterlegt wurden. Nein, wenn dieser Auftritt mehr war als ein musikalisches Strohfeuer, so ist dies vor allem den Features zu verdanken, in denen die einzelnen Protagonisten gleichsam in Cameo-Form ihr Bestes boten, so Vater und Sohn Bill und John Allred, die «Sweet Georgia Brown» zu einer halsbrecherischen Posaunen-Hatz werden liessen, der Trompeter Wendell Brunious, der auf «Embracable You» seine lyrischste Seite nach aussen kehrte, oder der Klarinettist Allan Vaché, Warrens Bruder, welcher «Just One of Those Things» in ein Schaustück für sein heutzutage selten gehörtes Instrument verwandelte.

Eingerahmt wurde der Auftritt der Band durch die Sängerinnen Catherine Russell, Tochter des 1963 verstorbenen Bandleaders und Begleiters von Louis Armstrong Luis Russell, der man den Kommentar «I like fun material, and music that swings» ohne Weiteres abnimmt, und Niki Harris.

Letztere, Tochter des Pianisten Gene Harris und kommunikatives Energiebündel, trieb die Stimmung zu später Stunde – zusammen mit den auf die Bühne gebetenen Warren Vaché und Bill Easley (ts) – noch einmal in die Höhe. (Der Bund)

Erstellt: 15.03.2010, 09:00 Uhr

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