Ist die Berner Politik auf dem gelb-schwarzen Auge blind?
Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 09.09.2010 2 Kommentare
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Ein Vertrag zur falschen Zeit
YB und SCB beteiligen sich mit je 60 000 Franken pro Jahr an den Sicherheitskosten. Kurz nachdem die Stadt die Vereinbarung getroffen hatte, folgte ein richtungsweisendes Urteil: Das Bundesgericht entschied, dass Klubs bis zu 80 Prozent der Sicherheitskosten in Rechnung gestellt werden können – aber nicht müssen. In Anbetracht dessen, dass das Polizeiaufgebot für ein Risikospiel bis zu eine Viertelmillion Franken kostet, stehen gerade die Young Boys sehr gut da. Die Vereinbarung wird erst im Sommer 2014 auslaufen. Sicherheitsdirektor Reto Nause hat heuer aber eine Zusatzvereinbarung mit den Klubs getroffen, die etwa Videoüberwachung vorsieht. Neu beteiligt sich YB bei europäischen Spielen mit zwei Franken pro Eintritt an den Sicherheitskosten. (jäg)
Die Sicherheitskosten rund um Sportveranstaltungen geben heute im Stadtrat wieder zu reden. Die Beteiligung von YB und SCB an den Kosten für Polizeiaufgebote, die in den letzten zehn Jahren massiv wuchsen, ist ein heisses Eisen. Dabei fragt sich: Wie unabhängig ist die Politik eigentlich von den Sportklubs – gerade gegenüber dem BSC Young Boys, der die meisten Kosten verursacht?
Was nämlich auffällt: Die Young Boys sind in der Berner Politik exzellent vernetzt. Das beginnt schon in der Exekutive: Nicht nur ist Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) ein erklärter Fan, auch sitzt Finanzdirektorin Barbara Hayoz (FDP) im YB-Beirat, der dem Verein beratend zur Seite steht. Für Aufsehen hat kürzlich gesorgt, dass die beiden auf Einladung der Klubführung im Privatjet nach London ans YB-Spiel flogen.
Doch auch im Parlament ist YB gut vertreten – und zwar von links bis rechts. Dem YB-Beirat gehören nämlich auch die zwei obersten Berner an: einerseits Parlamentspräsident Urs Frieden (GB), der auch im Vorstand der Fanarbeit Bern sitzt und für sein gelb-schwarzes Herz bekannt ist. Und andererseits die erste Vizepräsidentin, Vania Kohli (BDP), die auf ihrer Homepage kaum Bilder zeigt, auf denen sie ohne YB-Schal zu sehen ist. Aber auch in anderen Fraktionen gibt es Stadträte, die mit YB verbandelt sind: So sitzt etwa Su Elsener (GFL), die dazu auch SCB-Fanarbeiterin ist, im Vorstand der YB-Fanarbeit. Dort ist auch Stefan Jordi (SP) vertreten. Und bei der SVP outet sich etwa Peter Bühler gerne als eingefleischter Fan.
Diese Verbandelung stösst im Parlament auf Kritik: «Die Nähe ist problematisch», findet etwa die CVP-Rätin Edith Leibundgut. Sie habe den Eindruck, dass sich YB in der Politik «bödelet». «Es gibt keine andere Organisation, die fast in jeder Partei Fürsprecher hat.» Den Anteil, mit dem sich YB an den Sicherheitskosten beteiligt, stehe in keinem Verhältnis zu den effektiven Kosten (siehe Kasten unten links), sagt Leibundgut. Es sei eine Frage der Gerechtigkeit: Während Kulturveranstaltungen ihre Sicherheitskosten gänzlich übernehmen müssten, werde den Sportklubs viel Geld erlassen. Das sieht auch Luzius Theiler (GPB) so, der den gelb-schwarzen Frieden auch schon mit Vorstössen störte: «Es findet eine wahnsinnige Privilegierung des Kommerzsports statt.»
Mangelnder politischer Wille
Leibundgut und Theiler beklagen den fehlenden politischen Willen, die Klubs stärker in die Pflicht zu nehmen. Den Beleg dafür sieht Leibundgut zum Beispiel in der Reaktion auf ihre Motion, die im März in den Stadtrat kam. Die CVP-Politiker wandelte den Vorstoss, der eine Beteiligung der Vereine an den Sicherheitskosten von 30 bis 50 Prozent forderte, in ein unverbindliches Postulat um – nach anfänglichem Schulterklopfen von allen Seiten sei nämlich der Rückhalt abgebröckelt. Der Rat winkte das Postulat zwar durch, Leibundgut sieht darin aber auch den Versuch, eine Debatte zu vermeiden – damit man sich nicht exponieren muss. «YB-Fans stellen natürlich ein grosses Wählerpotenzial dar – man will niemanden vergrämen.» Demokratiepolitisch sei es aber problematisch, wenn Politiker nicht wagten, die Dinge beim Namen zu nennen.
Der linke YB-Fan Urs Frieden stellt die Lage anders dar: Der Vorstoss habe viele nicht ganz korrekte Angaben enthalten und sei deshalb als verbindliche Motion nicht ausgereift gewesen. Er sei aber ebenfalls klar der Ansicht, dass die 60 000 Franken zu wenig seien. Und Frieden ist überzeugt, dass eine Mehrheit des Parlament derselben Meinung sei – obwohl es bislang noch keinen Lackmustest gab, wie die Fronten in dieser Frage verlaufen. Wahrscheinlich ist, dass sie nicht entlang Parteigrenzen gehen.
Keine Mehrheit fände sich aber für einen Beitrag, der YB ans «Läbige» ginge, sagt Frieden. Dafür gäbe es zu viele Stadträte, die den Verein als Imageträger und wirtschaftlichen Faktor wichtig fänden – von einem Filz könne man aber keinesfalls reden. Auch dürfe der monetäre Beitrag nicht der einzige Aspekt sein, der betrachtet werde: In vielen Belangen leiste YB viel mehr als andere Klubs, im Bereich der Fanarbeit habe er etwa eine Pionierrolle inne – auch diese Ausgaben müssten einberechnet werden. Die gelb-schwarzen Parlamentarier betonen aber auch, dass ihre Einflussnahme relativ bescheiden sei. Su Elsener: «Schon nur in meiner Fraktion gibt es ziemlich viele YB-kritische Geister.»
Und welchen Einfluss haben im Gemeinderat das Beiratsamt von Hayoz und Tschäppäts Fantum? Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP), der letztlich mit den Sportklubs über Sicherheitsfragen verhandelt, versucht die Frage zu umdribbeln: YB und SCB seien mehr als nur Kostenfaktoren, die Vereine hätten etwa auch wirtschaftlich eine grosse Bedeutung für die Stadt. Sofern es aber nicht gelinge, bis zum Auslaufen der Vereinbarung 2014 das Polizeiaufgebot markant zu senken, werde über eine «deutlich höhere Summe» verhandelt werden müssen. Nause will die Wirksamkeit der eingeleiteten Massnahmen und die aufgewendeten Polizeistunden im Frühjahr nächsten Jahres überprüfen – dann wird er auch einen Postulatsbericht abliefern müssen. Auch Parteikollegin Leibundgut behält sich vor, je nach Bericht den Ball wieder aufzunehmen. (Der Bund)
Erstellt: 09.09.2010, 07:15 Uhr
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2 Kommentare
Immer die selben Diskussionen... Das Stadttheater Bern wird pro Jahr mit 14.9 Mio. Fr. (2009) subventioniert. Und das für ein par (10)-tausend Besucher pro Jahr. Wo bleibt da die Verhältnismässigkeit. Liegt es vielleicht daran dass die wenigen Besucher, welche sich noch dorthin verirren aus Berner Politik-Kreisen stammen? Antworten
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Christian Aeschlimann
Was ist das bloss für ein Profilierungstheater von Frau Leibundgut. Die Berner Bevölkerung unterstützt mit Millionen von Franken Kulturbetriebe für welche sich ein sehr kleiner Bruchteil der Bevölkerung interessiert. Ich denke diese Millionen sind noch viel fragwürdiger als die Sicherheitskosten welche zum Teil von der Bevölkerung getragen werden. Antworten