Immer mehr Kunstschnee

Auch dieses Jahr investieren die Bergbahnen im Berner Oberland kräftig in die Beschneiung.

In den Skigebieten gibt es immer mehr Schneekanonen. (Keystone)

In den Skigebieten gibt es immer mehr Schneekanonen. (Keystone)

Während sich das Unterland nach Sonne verzehrt, packen die Bergbahnen im Oberland den Ausbau ihrer Beschneiungsanlagen an. Nach wie vor fliessen Millionen in den Kunstschnee: Die Männlichenbahn etwa will im Gebiet Ischlag einen neuen Speichersee, der 100000 Kubikmeter Wasser fassen kann, ausheben. «Damit könnten wir ab 2011 die Hälfte unserer Pisten beschneien», sagt Direktor Daniel Zihlmann. Heute seien es bloss 25 Prozent. Die entsprechende Überbauungsordnung müsse Ende Jahr von der Gemeindeversammlung Grindelwald bewilligt werden. «Zudem verlegen wir im Sommer drei Kilometer Leitungen für die Beschneiung vom Läger bis ins Tal.» Die Investitionen dafür beliefen sich auf 2,5 Millionen Franken, der See samt Leitungen koste rund 10 Millionen.

Beschneiung wird forciert

«Wir wollen bis in zwei Jahren 100 Prozent unserer Hauptpisten beschneien. Heute erreicht der Kunstschnee rund 40 Prozent», sagt Armon Cantieni, Direktor der Bergbahnen Gstaad. Im Rahmen des Projekts «Konzentration» werden die Bahnen in den nächsten Jahren 160 Millionen Franken in Transportanlagen und Beschneiung investieren. Nun wird die Beschneiung allerdings forciert, dieses Jahr fliessen zehn Millionen Franken mehr als vorgesehen in den Kunstschnee. Für 21 Millionen Franken werden 11,8 Kilometer Piste mit Beschneiungsanlagen ausgestattet. Es handelt sich um die Abschnitte Saanerslochgrat-Chübeli, Rinderberg-Spitz-Eggweid, das Horneggli sowie das Gebiet zwischen Pra Cluen und Chalberhörni.

Adelboden ist bescheidener: Für 1,5 Millionen Franken werden ein Pumpwerk auf dem Sillerenbühl und eine Ergänzungsleitung vom Sillerenbühl ins Hahnenmoos erstellt. Allerdings ist Adelboden auch zum Innehalten gezwungen, weil es für den weiteren Ausbau der Beschneiung eine neue Überbauungsordnung braucht. «Im Moment überlegen wir uns, wie viel Kunstschnee wir wo wollen», sagt Bergbahn-Direktor Markus Hostettler. Heute beschneiten die Skigebiete Adelboden und Lenk zusammen bereits 50 Prozent ihrer Pisten. «Die Kosten für die Pistenpräparation, in der die Beschneiung enthalten ist, belaufen sich auf 20 Prozent unseres Umsatzes.» Ohne Kunstschnee wäre aber nicht einmal der schneereiche vergangene Winter ein gutes Geschäft geworden, sagt Hostettler.

Auch die Jungfrau-Region bäckt nach den Millionen-Investitionen der letzten Zeit eher kleine Brötchen. Für 500000 Franken werden 600 Meter zwischen der Kleinen Scheidegg und dem Eigergletscher mit Schneelanzen ausgestattet. «Ungefähr 2010 wollen wir dann auch die fünf Kilometer Talabfahrt bis Grindelwald Grund beschneien», sagt Christoph Egger, Leiter Wintersport bei den Jungfraubahnen. «Dann erreicht der Kunstschnee alle unsere Hauptpisten.» Für mehr Kunstschnee im Haslital schliesslich braucht es Ende Jahr ein Ja der Gemeindeversammlung Hasliberg zur neuen Überbauungsordnung. «Unsere zehnjährige Ordnung erlaubt Beschneiung nur punktuell», sagt Hans Beeri, Direktor der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg. Heute würden 16 Prozent der Pisten beschneit, bald sollten es 25 sein.

Naturschützer wehren sich gegen den steten Ausbau der Beschneiung, Touristiker halten ihn für unabdingbar. Die Projekte der Bahnen zeigen auf jeden Fall eines: Vergessen sind die Zeiten, als der Berner Regierungsrat versprach, dem Kunstschnee enge Grenzen zu setzen. (Der Bund)

Erstellt: 09.06.2009, 07:54 Uhr

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