Im Paradies wird gegrillt

Der Berner Schrebergartenfilm «Unser Garten Eden» von Mano Khalil ist an den Solothurner Filmtagen begeistert aufgenommen worden.

Die Schrebergärten Bottigenmoos in Bümpliz werden im Film «Unser Garten Eden» zur Bühne für ein tragikomisches Welttheater. (zvg)

Die Schrebergärten Bottigenmoos in Bümpliz werden im Film «Unser Garten Eden» zur Bühne für ein tragikomisches Welttheater. (zvg)

Berns Westen, der lange Zeit bloss als Problemzone galt, wird derzeit von Film und Fernsehen neu entdeckt. Den Auftakt machte das Schweizer Fernsehen, das mit dem Stadttheater Bern Puccinis «La Bohème» im Gäbelbach inszenierte und grosse Opern-Gefühle ins Hochhaus-Leben brachte. Am Wochenende nun hatten an den Solothurner Filmtagen gleich zwei Berner Filme Premiere, die auf diesem Terrain entstanden sind: «Pizza Bethlehem» von Bruno Moll mit den jungen Fussballerinnen des FC Bethlehem (siehe «Der kleine Bund» vom letzten Mittwoch) und der Schrebergarten-Film «Unser Garten Eden» von Mano Khalil. Beide wurden vom Publikum begeistert aufgenommen, beide dürfen hoffen, dass sie dank diesen Reaktionen einen Verleih finden und vor ihrer TV-Ausstrahlung ins Kino kommen.

Es ist die grosse, multikulturelle Welt, die sich auf dem Areal der Schrebergärten Bottigenmoos in Bümpliz en miniature wiederfindet. Menschen aus über zwanzig Nationen verbringen ihre Freizeit auf den 150 Parzellen, einer unter ihnen ist Mano Khalil, ein Kurde aus Syrien, der 1994 in die Schweiz und nach Umwegen über das Tessin und Zürich nach Bern kam. Mit seiner Kamera hat Khalil das Schrebergarten-Leben seiner Mitgärtner während zweier Jahre beobachtet. «Unser Garten Eden» ist der Titel seines 97-minütigen Films, doch Khalil zeigt nicht bloss die Idylle zwischen Tomaten und Bohnen, er erzählt auch von den Konflikten in der eng parzellierten Welt mit den Nationalflaggen, die über den Gartenhäuschen wehen.

Ordnung im Gartenstaat

Die Freiheit ist akribisch reguliert, es herrschen Paragrafen und Bauvorschriften. Über diese wacht der Präsident des Familiengartenvereins, ein Coiffeur italienischer Herkunft, der sich gerne mit Berlusconi und Bush vergleicht. Mal mit diplomatischer Servilität, dann wieder mit präsidialer Autorität führt er einen Gartenstaat, in dem die Kühlung des Biers und der Bau eines Grills zum Politikum werden. Seine Auftritte zählen zu den heiteren Höhepunkten im Film: Die Diskrepanz zwischen seiner an grossen Staatenlenkern orientierten Rhetorik und der doch eher kleinteiligen Welt, über die er herrscht, erreicht realsatirische Dimensionen.

Unter dem Blick von Mano Khalil wird der Schrebergarten zum Mikrokosmos. Weil Khalil die Lebensfreude ebenso zeigt wie die Trauer, die Gemeinsamkeit wie die Einsamkeit, wächst sein Film darüber hinaus zu einem bunten, tragikomischen Welttheater. Stets trifft er dabei den richtigen Ton, findet er die passende Distanz: Mit Ironie schildert Khalil die nur allzu menschlichen Zwiste im Zusammen- oder Nebeneinanderleben der unterschiedlichen Kulturen; aus intimer Nähe hingegen schildert er einzelne Schicksale, so etwa jenes des polnischen Paares, das in der Fremde nie so richtig heimisch wurde und das sich nach Jahrzehnten trennt. Diesem stellt er das Eheglück von Marguerite und Mohammed Barka gegenüber, die seit über vierzig Jahren verheiratet sind. Sie stammt aus dem Berner Oberland, er, ein dunkelhäutiger Muslim aus Algerien, ist in Frankreich aufgewachsen. Gemeinsam leben sie eine Toleranz, die auch im Garten Eden im Bottigenmoos die Ausnahme ist – und die Mano Khalil seinerseits zur Leitidee seines Films macht: Am Ende ist die Gartengemeinschaft zum Fest versammelt, man schunkelt gemeinsam zu den Liedern der Berner Kummerbuben, und auf dem Grill dreht sich das Schaf der Muslime friedlich neben dem Schwein der Christen. (Der Bund)

Erstellt: 25.01.2010, 10:49 Uhr

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