Bern

Hechtenloch ist bereit für die Rückeroberung

Aus dem ehemaligen Seitenarm der Aare bei Rubigen soll ein Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen entstehen. Nach vollendeter Bauphase ist es nun an Kiebitz, Gelbbauchunke und Ringelnatter, das Gebiet in Beschlag zu nehmen.

Vom Maisfeld zum Naturreservat: Das neu gestaltete Hechtenloch bei Rubigen. (Franziska Scheidegger)

Vom Maisfeld zum Naturreservat: Das neu gestaltete Hechtenloch bei Rubigen. (Franziska Scheidegger)

Stichworte

Pünktlich zum UNO-Jahr der Biodiversität ist das Hechtenloch südlich der Mühle Hunziken in Rubigen bereit für die Rückeroberung durch die Natur. Innerhalb eines Jahres sind auf dem gut fünf Hektaren grossen ehemaligen Seitenarm der Aare diverse kleine Flachwasserzonen sowie ein grosser Teich entstanden. Ziel des Projektes war es, mit baulichen Massnahmen die Bedingungen herbeizuführen, die eine Ausweitung der Feuchtwiese im Norden des Gebietes erlauben. Solche Feuchtwiesen wurden in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten durch menschliche Eingriffe zunehmend verdrängt. Mit dem Verschwinden dieses Vegetationstyps hatten sich auch verschiedene Tier- und Pflanzenarten aus dem Aaretal zurückgezogen.

Als aufwendigste Massnahme erwies sich das Abtragen des nährstoffreichen Oberbodens. Die Suche nach einem geeigneten Abnehmer für die rund 17 000 Kubikmeter Aushubmaterial hatte das Renaturierungsprojekt um über ein Jahr verzögert. Schliesslich fand der Kanton Bern in einem Hochwasserschutzprojekt an der Gürbe eine Verwendung für den abgetragenen Humus. Laut Marc Rosset, Präsident der Stiftung Aaretal, war diese Lösung nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ein Grund dafür, dass das Projektbudget mit Kosten von rund 300 000 Franken nicht vollständig ausgeschöpft werden musste.

Warten auf den Kiebitz

Auch wenn die Bauphase nun endgültig abgeschlossen ist, kann das Hechtenloch künftig nicht vollständig dem Lauf der Natur übergeben werden. Damit sich aus der heute noch kahlen Fläche eine Feuchtwiese entwickeln kann, muss das Gebiet ein- bis zweimal jährlich gemäht und von invasiven Pflanzen befreit werden. Diese Aufgabe wurde der Stiftung Bächtelen übertragen, die bereits seit 2007 für den Unterhalt der benachbarten Tägermatt verantwortlich ist. Gelingt das Unterfangen, dürften sich schon bald bedrohte Vögel, Amphibien, Reptilien und Insekten im Hechtenloch ansiedeln. Rosset erhofft sich etwa die Rückkehr des Kiebitzes, der zuletzt Anfang der 90er-Jahre im Hechtenloch gesichtet worden war. Erste aufsehenerregende Besucher können laut Rosset bereits heute im Gebiet beobachtet werden. So seien bereits Feldhasen, Flussregenpfeifer und auch der eine oder andere Weissstorch gesichtet worden. Auch diverse seltene Gras- und Seggenarten sollen im Hechtenloch einen neuen Lebensraum finden.

Zufriedenheit bei den Beteiligten

Neben der Stiftung Aaretal haben sich auch Bund und Kanton Bern sowie diverse andere Stiftungen am Projekt beteiligt. Bei der gestrigen Besichtigung zeigten sich Projektteam, Geldgeber und Anwohner gleichermassen zufrieden mit dem Resultat. So auch Werner Sidler, Präsident der Stiftung Pro Hunzikergut, in dessen Auftrag das Hechtenloch bis 2005 landwirtschaftlich genutzt worden war. Der Anbau von Futtermais habe allerdings längst keine Gewinne mehr abgeworfen, so Sidler. Deshalb habe er das Hechtenloch in seine Stiftung überführt und kostenlos für das Renaturierungsprojekt zur Verfügung gestellt. Das Resultat überzeugt den 83-Jährigen, der bereits in seiner Jugend «jeden Vogel und jeden Fisch» im Hechtenloch mit Namen gekannt hat.

Betreten verboten

Laut Marc Rosset soll das Hechtenloch durch die Renaturierung aber nicht zum Erholungsgebiet, sondern zum Naturschutzreservat werden. Folglich sind keine Fusswege geplant, und Menschen und Hunden ist der Zutritt untersagt. Trotzdem stelle das Reservat für Rubigen einen Gewinn dar, ist Rosset überzeugt. Dies nicht zuletzt, weil das Gebiet vom Wanderweg am Ostende optimal überblickt werden kann. Wer aber aus der Nähe beobachten will, wie die Natur in ihr neues Wohnzimmer einzieht, ist gut beraten den Feldstecher mitzubringen oder aber an einer der geführten Exkursionen teilzunehmen, die regelmässig durchgeführt und öffentlich angekündigt werden sollen. (Der Bund)

Erstellt: 18.06.2010, 09:20 Uhr

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