Harmonischer Grossumzug
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40 Flügel und 40 Klaviere zügeln. So sieht der Albtraum eines jeden Zügelmannes aus. Das zumindest glaubt der Laie. Doch Ivan Leibundgut von der Berner Umzugsfirma Peyer winkt ab. «Das ist kein Problem»; wegen des Grossauftrags des Konservatoriums Bern habe er keine schlaflosen Nächte gehabt.
Für Leibundgut und seine Kollegen Markus Berger und Andreas Schmutz ist schwere Last das täglich Brot. Das Team von Peyer ist spezialisiert auf den Transport von Instrumenten. «Die Handgriffe müssen sitzen, das Team funktionieren», dann sei auch die Zügelei eines 300 bis 600 Kilogramm schweren Flügels keine Belastung.
Eine Herausforderung seien höchstens jene Tasteninstrumente, die sich im vierten und fünften Stock des Konsis befänden, sagt Leibundgut. Denn dorthin reiche der Lift nicht. Doch die Zügelmänner kennen die Kniffe im Haus – legten sie doch schon Hand an, als einige der Flügel vor Jahren geliefert wurden. Die erste Fuhre füllt sich Schritt für Schritt. Das Team harmoniert wie ein Kammerorchester.
Trouvaillen und Plunder
Nicht so viel Routine im Umzugsgeschäft haben die Angestellten des Konservatoriums. Für sie ist der Umzug eine logistische Herausforderung. Die Fäden laufen bei Bernhard Schori zusammen, dem administrativen Leiter der 151-jährigen Musikschule. Seit dem Einzug der Schule 1940 sei das Gebäude nie mehr vollständig ausgeräumt worden, sagt er. Viel längst Vergessenes komme nun zum Vorschein. Plunder, den abgetretene Lehrer liegen liessen, aber auch Trouvaillen. So etwa «spezielle, teure Blockflöten», die, versteckt in einem alten Schaft unter dem Dach, vergebens darauf warteten, gespielt zu werden.
Die rund 2500-köpfige Konsischülerschaft und die 140 Personen fassende Lehrerschaft bekommen vom Umzug wenig mit. Ausser dass sie nach den Herbstferien ihre Schule im Galgenfeld wiederfinden (vgl. Kasten). Die drei Wochen Ferien müssen reichen, um die Schule zu räumen. Letzte Woche wurde entsorgt und zu zügelndes Mobiliar nummeriert. Diese Woche steht der grosse Umzug auf dem Programm: vom Notenständer bis zum antiken Schrank – alles muss raus. In der letzten Ferienwoche wird dann die temporäre Bleibe eingerichtet.
Katastrophaler Brandschutz
Trotz dem unüblichen Arbeitsanfall: Schori freut sich – nicht aufs Zügeln, aber auf das sanierte neue Haus. Die Renovation sei dringend nötig, findet er. Wasser und Elektroleitungen stammten aus den 30er-Jahren, sagt er. Die Akustik sei nicht in allen 75 Räumen optimal. Und bezüglich Brandschutz sei das Gebäude aus heutiger Sicht «eine Katastrophe».
Auf einem Gang durchs Schulhaus wird ersichtlich, dass die Schule mehr braucht als bloss einen neuen Anstrich. Das Konsi besteht aus drei zusammengelegten Liegenschaften an der Kram- und der Rathausgasse. Mal geht es drei Stufen hinab in einen anderen Gebäudeteil, dann wieder 12 Stufen hinauf zurück und wieder acht Stufen hinunter So unterschiedlich das Niveau der Etagen, so verschieden auch die Innenarchitektur: mal aus den 30er-Jahren, dann wieder aus den 70ern. Abgenutzte Teppiche hängen zur Schalldämpfung an den Wänden der Musikzimmer, riesige alte Schränke und Sekretäre bilden das Interieur. «Ein gewisser Mief ist nicht abzustreiten», sagt Schori. Doch die Meinungen gingen auseinander, ob die alte Möblierung in den sanierten Räumen wieder einen Platz haben soll oder nicht.
Auch wenn es derweil den Anschein erweckt: Das Schulgebäude wird baulich nicht ausgehöhlt. Die Struktur des Hauses bleibe erhalten, erläutert Schori. Und an manchem Ort dürfe ohnehin nichts verändert werden: so etwa im nussbaumhölzernen grossen Konzertsaal, der genauso unter Schutz steht wie das einfache Foyer mit der charmanten Garderobe.
Altem nachweinen würde Claudio Ronchi indes nicht. Es habe schon «gewisser Kunst» bedurft, etwa die alten Spülkästen in den Toiletten am Laufen zu halten, sagt der Hausmeister. Wie sein Stellvertreter Jürg Mosimann ist Ronchi in diesen Tagen auf Trab. Ärgerlich sei nur der Amtsschimmel gewesen: Einen kleinen Irrlauf durch die Ämter habe er unternehmen müssen, um zu erfahren, wie der Umzug in der Altstadt parkplatztechnisch ablaufen könne, sagt Ronchi. Immerhin seien nebst den Zügelfahrzeugen auch Bauarbeiter samt Lastwagen vor Ort und bereits daran die Fassade einzurüsten.
Entzündung vom Säcke tragen
Die Nummerierung des Inventars und die Entsorgung des Sperrguts seien letzte Woche aber reibungslos verlaufen, sagt Ronchi. Dies auch dank einigen Konsischülern und Kindern von Lehrern, «die super mit angepackt haben». Mitgeholfen hat auch Graziella Gfeller, normalerweise für den Putz zuständig. Nun steht sie in den Gängen, die eine Hand bandagiert. «Eine Sehnenscheidenentzündung vom Säcke tragen», erklärt sie. Die Profis von Peyer haben unterdessen den dritten Flügel verladen. Nun stehen nur noch 37 oben. (Der Bund)
Erstellt: 29.09.2009, 08:29 Uhr
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