Schnelle Orientierung

Eine Ausstellung in Bern würdigt die spezielle Ästhetik der Linienplätze des öffentlichen Verkehrs.

Das Werk des Brienzer Grafikers Hugo Schild. Er gestaltet unter anderem den Netzplan von Bern Mobil. (zvg)

Das Werk des Brienzer Grafikers Hugo Schild. Er gestaltet unter anderem den Netzplan von Bern Mobil. (zvg)

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Ausstellung

Die Ausstellung am VöV-Sitz am Dählhölzliweg 12 in Bern dauert bis 16. April und ist zu Bürozeiten geöffnet.

Der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) lädt an seinem Hauptsitz in Bern zur Plakatausstellung «Liniennetzpläne» ein. Zu sehen sind 34 alte und moderne Pläne aus diversen Metropolen von Barcelona bis Zürich sowie die Mutter aller Liniennetzpläne: das Schema der Londoner Tube aus dem Jahr 1933. Harry Beck (1902–1974), ehemals Ingenieur und später Grafiker, gilt als genialer Erfinder des ersten Netzplans. Das Prinzip der geraden Linien und Fixpunkte erlaubt Reisenden die schnelle Orientierung im Labyrinth fremder Städte und unübersichtlicher Verkehrssysteme. Das Verstehen dieses Plans erfordert weder Kenntnis der Ortssprache noch der örtlichen Begebenheiten.

Abschied vom Landschaftsbild

Harry Beck schaffte als Erster das Kunststück, entlegene Stadtviertel, topografische Merkmale wie einen Flusslauf sowie das Streckennetz der Untergrundbahn samt seinen Haltestellen, Umsteigebeziehungen und Endstationen in eine übersichtliche Grafik zu bringen. Einem elektrischen Schaltplan gleich war Becks erster Netzplan eine Reduktion aufs Wesentliche. Beck brach mit dem Diktat der Distanzen und verzichtete auf massstäbliche Darstellungen. Er nahm Abschied vom realen Landschaftsbild.

Dieses einfache Rezept habe zwar verfeinert, aber nicht wirklich verbessert werden können, sagt Hans Kaspar Schiesser vom Verband öffentlicher Verkehr (VöV), der die Ausstellung konzipiert hat. Becks Prinzip der simplen Pythagoras-Geometrie habe sich weltweit durchgesetzt. Schiesser begeistert die funktionale Ästhetik der Netzplangrafik: «Einige dieser Pläne würde ich durchaus in meinem Wohnzimmer aufhängen.»

Die Lage zum Fluss oder See

Netzpläne müssen selbsterklärend sein, eine geografische Groborientierung in einer Stadt ermöglichen, etwa die Lage zum Fluss, zum See, zum Meer oder zum Hausberg, wie in Lausanne. Sie müssen Verkehrsmittel wie Bus oder S-Bahn grafisch unterscheiden, über Tarifzonen informieren und auf die Bedürfnisse farbenblinder Menschen Rücksicht nehmen.

Die Pläne folgen dem Grundsatz der einheitlichen Bildsprache, weisen aber zahlreiche regionale und betriebliche Eigenheiten auf. Nicht alle seien optimal konzipiert, erklärt Schiesser: Der Plan der Brüsseler U-Bahn etwa wirke «nüchtern und blutleer» im Gegensatz zum Netzplan von Budapest im «wilden Farbenrausch». Der Nahverkehr Hongkongs gehört laut Schiesser zu den weltweit kompliziertesten, umfangreichsten und leistungsfähigsten. Einen Netzplan mit allen Verkehrsmitteln, Bussen, Trams, Fähren, Stadtbahnen und U-Bahnen lesbar darzustellen, sei hier kaum möglich. Für das relativ kleine Stadtgebiet mit 350 000 Einwohnenden dürfte aber Zürich einen der weltweit komplexesten Netzpläne aufweisen.

Der Grafiker im Hintergrund

Von seinem Atelierfenster aus sieht der Grafiker Hugo Schild den Brienzersee. In dieser Idylle oberhalb von Brienz zeichnet und gestaltet er die komplexen Netzpläne für die hiesigen Transportunternehmen. Der Libero-Netzplan mit seinen nahezu 2000 Haltestellen und den diversen Tarifzonen, das Stadt- und Regionalnetz von Bern Mobil, der Plan des S-Bahn-Netzes und von Postauto Region Bern sind die Werke des Ateliers Hugo Schild. Weil das Libero-Gebiet weiter wächst, muss der Plan jährlich überarbeitet werden. Der 71-jährige Schild betreibt das Atelier zusammen mit seiner Frau Hanni und ist oft selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Neue Situationen, wie den Loryplatz, schaut Schild sich vor Ort an, um eine räumliche Vorstellung zu haben. (Der Bund)

Erstellt: 03.03.2010, 11:00 Uhr

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