Gegenwartskunst: Die Lösung liegt im Haus

Von Thomas Allenbach. Aktualisiert am 22.06.2010 1 Kommentar

Neuer Versuch: Das Kunstmuseum Bern will im eigenen Haus Raum schaffen für die Gegenwartskunst. Noch sind viele Fragen offen, insbesondere die der Finanzierung.

Mit der Erweiterung des Atelier-5-Baus um eine weitere Gebäudestufe will das Kunstmuseum Bern neuen Raum für die Gegenwartskunst schaffen. (Adrian Moser)

Mit der Erweiterung des Atelier-5-Baus um eine weitere Gebäudestufe will das Kunstmuseum Bern neuen Raum für die Gegenwartskunst schaffen. (Adrian Moser)

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Konsequenzen fürs Kino

Das Kino Kunstmuseum soll in modifizierter Form in die Abteilung Gegenwart integriert werden. «Es wird nicht mehr am gleichen Ort sein, aber wir haben seine Bedürfnisse eingeplant», sagt Matthias Frehner. Wo es im Ausstellungsgeschoss genau untergebracht wird und in welcher Grösse, ist noch offen. Peter Erismann, Präsident des Vereins Cinéville, der das Kino Kunstmuseum trägt, schaut optimistisch in die Zukunft: «Das ist eine gute Lösung für das Kino und das Kunstmuseum.» Das Kino werde von einem attraktiveren Zugang profitieren und sich programmlich noch stärker der Gegenwartskunst öffnen. Der Schulterschluss zeige sich auch darin, dass die Kuratorin Kathleen Bühler neu im Cinéville-Vorstand Einsitz nehme.

Wo und wie präsentiert das Kunstmuseum Bern (KMB) die Werke aus den verschiedenen Sammlungen der Gegenwartskunst? Seit über 20 Jahren wird erfolglos geplant (siehe Chronik), nun wird ein neuer Versuch gestartet: Der Stiftungsrat des KMB strebt für die Abteilung Gegenwart eine Inhouse-Lösung an. Durch ein zusätzliches Ausstellungsgeschoss im Atelier-5-Bau des Kunstmuseums sollen 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche gewonnen werden.

Dem Berner Architekturbüro Jordi + Partner wurde der Auftrag erteilt, das Projekt zu konkretisieren. Bis Ende Jahr soll eine Machbarkeitsstudie vorliegen, der Umbau dürfte dann etwa 15 Monate dauern. Die beiden andern Projektideen – evaluiert wurde auch eine Abteilung Gegenwart im Progr und im Südhügel des Zentrums Paul Klee – werden nicht mehr weiterverfolgt. Im Erdgeschoss des Progr will das Kunstmuseum aber Raum für ein «Schaufenster» der Gegenwartskunst mieten. Damit soll die Nähe zwischen den beiden Häusern unterstrichen werden, wie KMB-Direktor Matthias Frehner sagt.

Über die Kosten des Projekts wollen weder Frehner noch Christoph Schäublin, Präsident der Stiftung KMB, derzeit Auskunft geben. «Wir haben beim Projekt Scala unsere leidvollen Erfahrungen mit Kostenschätzungen gemacht. Bevor nicht wirklich gesicherte Zahlen vorliegen, möchten wir uns dazu nicht äussern», sagt Schäublin. Äussern will er sich auch nicht zur Finanzierung und insbesondere nicht zur Rolle von Mäzen Hansjörg Wyss. «Wir werden Herrn Wyss das Projekt erst präsentieren, wenn es vollständig ausgearbeitet ist und wir über die Gesamtfinanzierung Auskunft geben können», sagt Frehner. Ob das Projekt ohne die Unterstützung von Wyss überhaupt realisiert werden kann, auch dazu wollen die beiden nichts sagen. «Wir müssen schauen, wie wir zur nötigen Summe kommen. Ideen sind durchaus vorhanden, doch stehen wir noch an der Startlinie», sagt Schäublin.

Diese Zurückhaltung erstaunt nicht. Seit dem Fiasko mit den Projekten an_gebaut und Scala ist das Verhältnis zwischen Wyss und dem Kunstmuseum mehr als gespannt. Scala wurde letzten August beerdigt, weil die Kosten von den budgetierten 16 auf über 20 Millionen angestiegen waren. Wyss hatte ursprünglich 12 Millionen Franken für einen Anbau und 8 Millionen für dessen Betrieb zur Verfügung gestellt. Daniel Eicher, Präsident der Stiftung Gegenwart von Hansjörg Wyss, bestätigt, dass dieser Betrag nicht mehr zur Verfügung stehe und Wyss den Leistungsvertrag gekündigt habe. Er sei über die neuen Pläne des KMB informiert, «sobald ein Gesuch um finanzielle Unterstützung vorliegt, wird dieses geprüft». Er glaube nicht, dass das Geschirr zwischen Wyss und dem Kunstmuseum zerschlagen sei: «Es besteht immer die Möglichkeit, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.» Voraussetzung sei, dass das Projekt hieb- und stichfest sei «und dass sich auch jene Personen an der Finanzierung beteiligen, die sich zuvor für die Abteilung Gegenwart ausgesprochen haben». Er sei sicher, dass das Kunstmuseum Bern aus dem bisherigen Scheitern die richtigen Schlüsse gezogen habe.

Kalkulierbares Risiko

Die bisherigen Projekte scheiterten am Veto der Denkmalpflege und an Kostenüberschreitungen. Das sollte dieses Mal nicht mehr passieren, ist Frehner überzeugt. «Wir wären, gerade nach den bisherigen Erfahrungen, niemals an die Öffentlichkeit gegangen, wenn der Stiftungsrat und die Museumsleitung nicht von der Realisierungsfähigkeit überzeugt wären.» Das jetzige Projekt sei besser kalkulierbar, weil es eine Erweiterung und kein Neubau sei. «Es gab Gespräche mit der Denkmalpflege, und wir glauben, dass es von dieser Seite keine Probleme gibt», sagt Schäublin.

Ganz problemlos allerdings könnte die Sache auch diesmal nicht sein, wird die Erweiterung doch auf der Aareseite sichtbar sein. Für die Gegenwartskunst sollen neue Räume geschaffen werden. Die Administration, die Büros und das Kino unter dem Ausstellungsgeschoss werden aufgehoben, die beiden Etagen in ein Stockwerk zusammengefasst und aareseitig erweitert, das Institut für Kunstgeschichte bleibt im Haus. Mit dem Um- und Erweiterungsbau soll laut Frehner dieselbe Fläche gewonnen werden wie mit dem Projekt Scala. Die Inhouse-Lösung erfülle den inhaltlichen Anspruch, die Gegenwartskunst in die bestehende Sammlung zu integrieren, am besten. «Alles ist unter einem Dach, das ist auch sicherheits- und betriebstechnisch ein grosses Plus und verursacht am wenigsten Kosten.» Zudem gewinne man durch die zweigeschossige Lösung Ausstellungsräume von attraktiver Höhe. «Was die Raumbedürfnisse betrifft, ist diese Variante in keiner Art und Weise ein Kompromiss gegenüber den früher anvisierten Lösungen.»

Bei der Progr-Lösung, so Frehner, hätte man nur einen Bruchteil der Fläche generieren können, zudem wären die Schulräume nicht ideal gewesen. Gegen den Südhügel des ZPK hätten unter anderem die Kosten gesprochen: Der Umbau wäre teurer gewesen als die Inhouse-Lösung. «Das ändert aber nichts an unserer Absicht, noch enger mit dem ZPK zusammenzuarbeiten», sagt Schäublin. Die gemeinsame Nutzung des Südhügels bleibt eine attraktive Option für die Zukunft. (Der Bund)

Erstellt: 22.06.2010, 09:35 Uhr

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1 Kommentar

Jan Holler

22.06.2010, 08:51 Uhr
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Weil Denkmalschützer Gross in einer quasireligiösen Erfahrung in jungen Jahren die Rückseite des Kunstmuseums bewundert hat, durfte das KM nicht erweitert werden. Nun hat man die Bäume brutal abgeholzt, um die wunderschöne Rückfassade dem Publikum zeigen zu können. Hat das überhaupt jemand bemerkt? Da es gleich neben dem KM gar nichtso schön weitergeht, hat man aber dort die Bäume stehen lassen. Antworten



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