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Bern

Gebetet ist halb gewonnen

Von Sarah Nowotny. Aktualisiert am 27.04.2009

Die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) setzt für die Grossratswahlen 2010 nicht etwa nur auf politische Inhalte und Köpfe. Vielmehr bilden Gebete das Rückgrat des EDU-Wahlkampfs.

Für die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) kann bei den Berner Grossratswahlen 2010 eigentlich nichts schiefgehen, denn sie baut ihren Wahlkampf analog zur Schweizer Altersvorsorge auf. Mithilfe von drei Säulen will die Partei möglichst viele ihrer Schäfchen ins Berner Rathaus einziehen sehen. «Wir haben die Arbeiten für die Vorbereitung der Grossratswahlen 2010 auf drei Standbeine verteilt, nämlich Gebet, Kandidierende und Werbung», schreibt Peter Bonsack, Präsident der kantonalen EDU, in den «Regionews», dem Publikationsorgan der Partei. «Ohne Gebet ist vieles nicht möglich, im Gebet liegt jedoch eine starke Zusage begründet», heisst es weiter. Auf dass aus der Zusage auch ein starker Zulauf werde, fügt der Parteivorstand an: «Wir wünschen uns, dass in den Wahlregionen regelmässige Gebetstreffen für die Grossratswahlen stattfinden.» Die dezidiert bürgerliche Partei setzt also im Wahlkampf nicht in erster Linie auf so profane Dinge wie kompetente Kandidierende oder überzeugende politische Inhalte.

Die EDU verlasse sich auf pure Magie, werden nun die Gläubigen der reinen Vernunft sagen, die im Moment einen Kreuzzug gegen die Verankerung der Komplementärmedizin in der Verfassung führen. Belächeln werden sie die EDU, sind sie doch auch überzeugt, Gottes Existenz liesse sich nur mithilfe einer Doppelblindstudie beweisen und die Homöopathie entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage, weil sich ihre Wirksamkeit durch solche Studien nicht eindeutig belegen lasse. Dabei geht aber eines vergessen: Im Gegensatz zur AHV ist die erste Säule der EDU gratis, keinen ungünstigen demografischen Entwicklungen unterworfen und erst noch krisenresistent – wenn das nicht reicht, um Wahlen zu gewinnen. So hält die Partei denn auch fest: «Trotz der Finanzkrise und der Rezession dürfen wir zuversichtlich sein. Wir haben den besten Versorger, und er wird uns ganz sicher nicht im Stich lassen.»

Diese Zuversicht gilt auch für die Wahlen: «Wir wissen ganz genau, dass Gott selbst die Regierungen einsetzt und wieder absetzt.» Und auch die Kandidierenden brauchen dank dem Gottvertrauen der EDU nicht mehr viel für ihre Wiederwahl zu tun: Auf die Frage, ob er 2010 bestätigt werde, antwortet der neue EDU-Grossrat Stefan Oester, diese Frage dürfe er zum Glück in Gottes Hand wissen. Vielleicht stellt sich nun die Frage, warum denn Gebete überhaupt noch nötig sind, wenn Gott doch sowieso alle Fäden zieht. Auch was diesen Punkt betrifft, ist die EDU nicht um eine Antwort verlegen: «Unser Herr weiss, was wir nötig haben, aber er will, dass wir ihn darum bitten.»

Die Worte der EDU in Gottes Ohr, aber das mit dem Bitten hat bei den letzten Grossratswahlen wohl noch nicht so ganz geklappt: Die gottesfürchtige Partei kam 2006 nämlich nur auf 4,7 Prozent aller Stimmen und konnte sich damit im Vergleich zu den Wahlen von 2002 nicht steigern. Dass Gebet, Kandidierende und Werbung für den Wahlsieg wohl doch nicht ganz reichen, scheint nun auch den Parteistrategen zu dämmern und sie in profane Niederungen zu treiben: «Jeder Wahlkampf braucht Geld», heisst es in den «Regionews». Potenzielle Spender bekommen aber wenigstens himmlische Wünsche mit auf den Weg: «Wir sagen bereits jetzt Danke und vergelts Gott.» (Der Bund)

Erstellt: 27.04.2009, 09:07 Uhr

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