Bern

Gasthof «Brücke» sucht festen Grund

Erosionen am Ufer des Hagneckkanal bedrohen den traditionsreichen Gasthof Brücke. Noch hat der Kanton als Grundeigentümer aber nichts unternommen. Jetzt wehrt sich der Wirt.

Der Hagnecker Gasthof leidet unter Nebenwirkungen des Kanalbaus. (Adrian Moser)

Der Hagnecker Gasthof leidet unter Nebenwirkungen des Kanalbaus. (Adrian Moser)

Seit über 130 Jahren verbindet der Hagneckkanal die Aare mit dem Bielersee. Der Bau war die erste Etappe der Juragewässerkorrektion. Beim Hagneckeinschnitt, kurz vor der Mündung in den See, steht der Gasthof Brücke. Seit 1873 – er nährte während der Bauarbeiten am Kanal die Arbeiter. Über 130 Jahre später droht das Restaurant abzurutschen. Und auch zwischen der Gemeinde Hagneck und Bern ist deshalb nicht mehr alles im Fluss.

Gemeinde steht für Patron ein

Das westliche Kanalufer liegt heute zu einem grossen Teil brach. Wo es noch vor zehn Jahren grünte, dominiert heute der kahle Sandsteinfels. Grund für die Veränderung: Unter dem Wasserspiegel frisst sich der Fluss in die Erde. Ein grosser Teil des Hangs ist abgerutscht. Die Erde ist in den letzten zwanzig Jahren auf einer Breite von zehn Metern weggebrochen. Dazu haben auch die grossen Überschwemmungen der Jahre 2005 und 2007 beigetragen.

Das verlorene Land gehörte dem Kanton Bern. Seit einer Weile nagt die Erosion auch am Grundstück der «Brücke». Weil sich die Bruchkante durch seine Parzelle zieht, musste der Patron Ueli Wüthrich bereits seine Sommerterrasse schliessen.

Wüthrich führt die «Brücke» in der zweiten Generation. Mittlerweile ist das Lokal in der ganzen Region ein Begriff, insbesondere für Fischspeisen. «Unsere Gäste kommen aus den umliegenden Gemeinden, manche aber auch aus dem Jura und dem Welschland», sagte Wüthrich.

Um die Unterstützung für den «Brücken»-Eigentümer kundzutun, ist die Gemeinde gestern im Beisein von drei Seeländer Grossräten vor die Medien getreten. Für den Hagnecker Gemeindepräsidenten Ernest Schweizer (svp) ist klar: «Der Kanton als Eigentümer des Kanals kommt seinen Pflichten nicht nach.» Der Wirt der «Brücke» sei für den Schaden nicht verantwortlich. Doch die Erosion entwerte sein Grundstück und bringe ihn in betriebliche Schwierigkeiten. «Trotz alledem ist nichts passiert», sagte Schweizer.

Die Hagnecker Behörden glauben, dass sie in Bern nicht gehört würden. Im Dezember beginnen die Bauarbeiten für die grossflächige Sanierung des Hagneckkanals. Für fast 30 Millionen Franken werden die Dämme verstärkt. Doch für den Hang des Restaurants sind laut dem Hagnecker Gemeinderat Peter Portenier keine Massnahmen geplant. «Was bei einem neuerlichen Hochwasser passiert, bleibt aber unvorhersehbar», meinte er.

Seeländer bereiten Vorstoss vor

Grossrätin Béatrice Struchen (svp) und die Grossräte Heinz Siegenthaler (bdp) und Andreas Blank (svp) haben noch gestern bekannt gegeben, dass sie einen parlamentarischen Vorstoss vorbereiten. «Es ist nicht hinnehmbar, dass Herr Wüthrich seine Rechte gegen den Kanton verteidigen muss», sagte Siegenthaler. Die Parlamentarier verlangen, dass der Kanton das Grundstück entweder sichert oder kauft, um die Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen.

Eine akute Gefahr für das Restaurant besteht indes nicht. Am Hagneck-Einschnitt überwacht das zuständige Amt des Kantons die Bewegungen im Hang mit Sonden. Zu einem Fall wie dem Grindelwalder Berghaus «Stieregg» soll es nicht kommen. 2005 waren dort 500 000 Kubikmeter Moräne abgebrochen. Das Berghaus musste geräumt werden. «Der Sicherheit gilt besonderes Augenmerk», sagte Bernhard Schudel, Leiter der Abteilung Gewässerregulierung in der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion, gestern auf Anfrage. An der östlichen Kanalseite soll Erdmaterial abgetragen werden, um die Böschung abzuflachen. Am westlichen Hang, wo die «Brücke» steht, sei dies nicht nötig. «Das Risiko für Rutschungen ist am östlichen Ufer höher, weil sich die Mergel- und Sandsteinschichtung dort in Richtung Kanal neigt.»

«Nach Lösung wird gesucht»

Beim Kanton ist man vom Vorpreschen der Gemeinde überrascht. Denn: Ein Treffen mit Barbara Egger, der Direktorin für Bau, Verkehr und Energie, ist für April geplant. Der Wirt steht mit den kantonalen Behörden schon seit rund zwei Jahren in Kontakt. «Das sind wir auch weiterhin», sagte Schude, «es wird intensiv nach einer Lösung gesucht.» Weiter will er die Offensive der Gemeinde nicht kommentieren. Egger war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar. (Der Bund)

Erstellt: 11.03.2010, 09:15 Uhr

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