GB-Stadtratsfraktion verliert ihre «Ampelfrau»
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 05.05.2010
Natalie Imboden. (zvg)
Als Natalie Imboden im Herbst 2007 die Abschaffung der Ampelmännchen in der Stadt Bern forderte, war das Aufsehen gross. «Kein anderer meiner Vorstösse hat derart viele Diskussionen ausgelöst», sagt die 39-jährige Gewerkschafterin heute. Ihr Einsatz für geschlechtergerechte Piktogramme sei von der «Schweizer Illustrierten» gar mit einem Kaktus «belohnt» worden. Den Vorstoss habe sie vor der Beratung im Parlament wieder zurückgezogen. «Der Stadtrat war in dieser Frage zu polarisiert. Vielleicht kam das Anliegen auch zu früh.» Immerhin sei es ihr aber gelungen, eine Debatte über «geschlechtergerechte Präsenz» im öffentlichen Raum zu lancieren. Es sei ihr nicht bei allen Vorstössen um ein konkretes Anliegen gegangen. «Manchmal wollte ich auch bloss ein Thema setzen.»
Atomausstieg als grösster Erfolg
Rückzieher sind sonst eigentlich nicht die Art der langjährigen Fraktionschefin des GB. So habe sie in rund zwanzig Vorstössen den Atomausstieg gefordert, wie er mittlerweile in der gemeinderätlichen Eignerstrategie für das stadteigene Werk Energie Wasser Bern (EWB) festgelegt sei, sagt Imboden. Sie führt das Ja der Stadt Bern zum Atomausstieg aber nicht nur auf ihre Vorstösse, sondern auch auf die hängige Initiative «Energiewende Bern» zurück, die den Ausstieg innerhalb von zwanzig Jahren fordert. «Wäre die Initiative vor zehn Jahren lanciert worden, hätte es meine Vorstösse nicht gebraucht.» Imboden bezweifelt nicht, dass der Atomausstieg viel kostet, wie dies EWB-Direktor Daniel Schafer jüngst vorgerechnet hat («Bund» vom 29. April). Der ökologische Umbau werde der Stadt Bern aber auch einen grossen Imagegewinn bringen.
Gemeinderat blockierte Anliegen
Angesichts der soliden rot-grünen Mehrheit im Stadtrat fielen die Anliegen von Imbodens Faktion stets auf fruchtbaren Boden. Einen Strich durch die Rechnung machte ihr allenfalls das Bernervolk, das dem Ruf nach einer autofreien Siedlung auf dem Viererfeld oder einem autofreien Bahnhofplatz eine Abfuhr erteilte. Imboden spricht von «bitteren Ausnahmen». Die Stadtberner Stimmbevölkerung stehe den Anliegen der Rot-Grün-Mitte-Parteien aber «grossmehrheitlich positiv» gegenüber.
In einem Fall war es aber auch der rot-grün dominierte Gemeinderat, der eine Forderung der GB/JA-Fraktion auf die lange Bank schob. So hatte er die Erfüllungsfrist eines 2004 überwiesenen Vorstosses für vier autofreie Sonntage mehrfach vertagt, bis er dem Stadtrat zuletzt beantragte, seinen einstigen Entscheid wieder umzustossen. Das Parlament sprach sich schliesslich für die Durchführung eines Slow-up statt für vier autofreie Sonntage aus. «Ich habe lieber einen Slow-up statt vier autofreie Sonntage», sagt Imboden. Und fügt, durchaus selbstkritisch, hinzu: «Mit Strassensperren alleine können wir die Leute nicht ansprechen.» Noch vor wenigen Jahren hatte die einst kompromisslos verteidigte Sperre der Innenstadt am Car-free Day heftige Reaktionen der Bürgerlichen ausgelöst.
Für Imboden rutscht im Stadtrat die 28-jährige Geografin Judith Gasser nach. Wer die Funktion der «Ampelfrau» und «Chefideologin» in der GB/JA-Fraktion einnehmen wird, ist noch offen. Ebenso offen ist, wie Imboden ihren pointiert linksgrünen Kurs im bürgerlich dominierten Grossen Rat einbringen wird. «Ich bin in den letzten Jahren gelassener geworden», sagt Imboden. (Der Bund)
Erstellt: 05.05.2010, 08:41 Uhr
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