Frutigen feiert die Rückkehr seines Olympia-Helden
Von Sebastian Meier. Aktualisiert am 01.03.2010
Ihm ist Historisches gelungen. Darüber ist man sich ganz besonders in Frutigen einig. Mike Schmid wird nicht nur als erster Olympiasieger im Skicross in die Sportgeschichte eingehen, sondern auch als erster Frutiger, der es auf das oberste Treppchen eines olympischen Podests geschafft hat.
Am Freitag wurde der Olympiasieger in Zürich frenetisch empfangen. Gestern ist Schmid endgültig in der Heimat angelangt – in Frutigen, wo nicht nur seine Familie, sondern das ganze Dorf darauf gewartet hatte, seinem Helden zum geglückten Olympia-Einstand zu gratulieren.
Siegeszug durch Frutigen
Eine halbe Stunde bevor der Umzug des Rückkehrers bei der Marti AG, dem Arbeitgeber Schmids, losfährt, wird es bereits eng auf den Trottoirs entlang der Umzugsroute. Die Begeisterung für den halsbrecherischen Sport und seinen bescheidenen König scheint hier alle erfasst zu haben.
Wer nicht an der Strasse steht, streckt seinen Kopf aus einem der Fenster entlang der Dorfstrasse. Schweizer Kreuze, Berner Bären und Frutiger Adler zieren die Hauswände. Dazwischen auch eine Walliser Flagge. Er habe mit Schmid auf dem Bau gearbeitet, sagt deren Träger. Er sei deshalb extra aus dem Lötschental angereist, das liege ja gleich um die Ecke. Den Erfolg Schmids könne man kaum genug würdigen. «Er hat sich die Aufmerksamkeit verdient», sagt er.
Das entfernte Trommeln des örtlichen Tambourenvereins verrät, dass der Umzug gestartet ist. Ein Junge am Strassenrand schwenkt erwartungsfroh seine Fahne. Er kenne Schmid zwar nicht persönlich, sei aber trotzdem stolz auf dessen Leistung. Auf die Frage, ob er denn den Mut hätte, selbst einmal ein Skicross-Rennen zu fahren, nickt er bestimmt. «Ich kann über Schanzen springen», sagt er. Angst habe er keine.
Langsam wird es laut in der Dorfstrasse. Nicht nur, weil die Tambouren mittlerweile in Sichtweite sind. Zwei Frutiger, die Schmid vom Skifahren kennen, haben ihre Motorsägen angeworfen. Die Ketten haben sie freilich entfernt und mit kleinen Transparenten ersetzt. Darauf steht vielsagend: «Starch Michu!».
Nachdem die Tambouren lautstark vorbeimarschiert sind, sorgt eine Treichlergruppe am Strassenrand für den gebührenden Lärm. Doch auch diese wird beinahe übertönt, als die Kolonne von Baumaschinen im Schritttempo vorbeifährt. Auf der grössten Maschine – einem Belagsfertiger – steht er, der Held von Vancouver, dem man die Körpergrösse von 1,93 auf dem riesigen Gefährt kaum ansieht. Schmid posiert für die Kameras, winkt den Kindern am Strassenrand zu und ruft hie und da einem Zuschauer, den er zu kennen scheint, etwas zu. Um seinen Hals hängt das Objekt der Begierde: Die olympische Goldmedaille.
Eine gute halbe Stunde später bei der Sporthalle Widi: Die Halle, die gut 1500 Personen fasst, ist schnell gefüllt. Martin Egger, Präsident des Skiclubs Frutigen, schildert den Abend des Olympiasieges. Über 300 Gäste waren der Einladung des Vereins gefolgt und hatten sich das Rennen auf Grossleinwand angeschaut. «Es war Gänsehautstimmung», sagt Egger. Während des Rennens sei die Zeit stillgestanden. Mit dem Zieleinlauf seien dann bei manchem die Tränen geflossen. Schmid sei ein Sieger der Herzen, ein Aushängeschild für Frutigen und ein Vorbild für die Jugend.
«Ich bin kein grosser Redner»
Auch Alt-Bundesrat Adolf Ogi gratuliert dem Spitzensportler und sagt: «Vier Rennen an einem Tag, viermal Konzentration, viermal kein Fehler – das kann kein Politiker.» Das obligate «Freude herrscht!» überlässt er dem Frutiger Gemeinderatspräsidenten Ruedi Egger (svp). Dieser enthüllt ein Strassenschild mit der Aufschrift «Mike Schmid – Olympiastrasse», das im Frühling beim neuen Nordanschluss angebracht werden soll. «Um den Pöstler nicht zu verärgern», habe man davon abgesehen, eine bestehende Strasse umzubenennen. Zudem biete sich Schmid beim Neubau die Gelegenheit, seine eigene Strasse mitzubauen, sagt Egger.
Schliesslich wendet sich auch Schmid an die Zuschauer. Er sei kein grosser Redner, sagt er. Der Empfang sei aber etwas vom Schönsten, was er je erlebt habe. «Ich wusste gar nicht, dass es in Frutigen so viele Leute gibt», ergänzt er schmunzelnd. (Der Bund)
Erstellt: 01.03.2010, 08:20 Uhr








