Freiwillige dringend gesucht
Von Hanna Jordi. Aktualisiert am 27.06.2011 1 Kommentar
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Die E-Mail, die in der vergangenen Woche die Redaktionen der bernischen Zeitungen erreichte, war ein regelrechter Hilferuf – in Grossbuchstaben geschrieben und mit Ausrufezeichen versehen. «DRINGEND: noch 100 Helferinnen und Helfer gesucht!», stand da. Damit das achte Strassenmusikfestival vom 11. bis am 13. August in Bern über die Bühne gehen kann, ist das Buskers wie viele andere Grossanlässe auf helfende Hände angewiesen: Festivalbändel wollen beworben, Getränke ausgeschenkt und Bands bei Laune gehalten werden. Von den gut 250 Helfern, die für das reibungslose Gelingen des Festivals notwendig sind, haben sich aber erst 150 zum Mitmachen gemeldet. Droht die achte Ausgabe des Strassenfests jetzt mangels Freiwilliger zu scheitern?
Keine Lust, sich zu verpflichten
Festivalleiterin Christine Wyss holt aus: «Freiwillige sind für uns nicht einfach eine nette Ergänzung zu einem schon funktionierenden Betrieb. Damit wir das Festival durchführen können, sind wir auf sie absolut angewiesen.» Dennoch macht sich im Organisationskomitee noch keine Panikstimmung breit. «Bereits in den letzten Jahren war es eine Zitterpartie, ob wir genügend Helferinnen und Helfer finden würden», sagt Wyss, «glücklicherweise haben sich dann kurz vor dem Festival immer noch genügend Leute gemeldet.»
Dies allerdings immer kurzfristiger, immer spontaner. Wyss spricht gar vom Ausdruck eines Kulturwandels: «Im Gegensatz zu früher wollen sich die Leute heutzutage weniger gern zu etwas fest verpflichten.» Das lange Warten auf freiwillige Helfer ist Veranstaltern von Grossanlässen inzwischen landauf, landab bekannt. «Oft sagen die letzten Helfer erst im letzten Moment zu», sagt Danielle Cesarov-Zaugg, Co-Präsidentin des Vereins Dialog, der am Samstag das 2. Kultursprungfest auf dem Bundesplatz veranstaltet hat. «Das erschwert die Planung.» Auch die Organisatoren des Jodlerfests, welches vergangene Woche in Interlaken über die Bühne ging, haben die Suche nach Helfern bis ganz kurz vor Beginn des Anlasses nicht einstellen können. «Wir haben bis zum Schluss über die lokalen Medien Helfer angeworben», sagt Patrizia Pulfer vom Organisationskomitee.
Ein T-Shirt und ein Dankeschön
Glücklich ist, wer auf die existierenden Strukturen in Sportvereinen zählen kann. Am Grand Prix Bern, der mit seinen 1200 Helferinnen und Helfern zu den grössten Sportanlässen der Region gehört, können die Organisatoren Jahr für Jahr auf einen «guten Stamm» von Freiwilligen zurückgreifen, wie Helferchefin Eveline Hodler sagt. Sie habe zu Beginn ihrer Arbeit beim Grand Prix Vereine gezielt angeschrieben. «Ich habe mich auf jene konzentriert, die nicht gerade Sportsaison hatten, und sie um Hilfe gebeten», sagt sie. Als Anreiz lockt beim Grand Prix ein Zustupf von knapp acht Franken pro Person und Stunde für die Vereinskasse. Hodler betont allerdings, dass es mit dem finanziellen Zustupf nicht getan ist. «Freiwillige Helfer müssen spüren, dass sie geschätzt werden», sagt sie, «dann kommen sie im nächsten Jahr gern wieder.»
Auch wenn die Buskers-Verantwortlichen derzeit um ihre Teamstärke bangen müssen – sie sind darauf angewiesen, dass die freiwilligen Helfer nicht im Anschluss an den Einsatz die hohle Hand machen. «Wir sind eine Non-Profit-Veranstaltung mit kleinem Budget», sagt Wyss, «wir können es uns schlicht nicht leisten, Löhne zu zahlen.» Mit leeren Händen verlassen die Helfer ihren Arbeitsort dennoch nicht: Sie erhalten unter anderem ein T-Shirt, ein 3-Gang-Menu an jedem Arbeitstag sowie einen Festivalbändel. «Und ein riesiges Dankeschön», fügt Wyss an.
Der Mehrwert liegt im Erlebnis
Für Doris Widmer, Geschäftsleiterin der Freiwilligenagentur Benevol Bern, liegt der Mehrwert der Freiwilligenarbeit nicht in den kleinen Geschenken – obwohl die auch dazugehörten, wie sie sagt. Benevol vermittelt freiwillige Helferinnen und Helfer an ihre Mitglieder, zu denen auch Buskers Bern gehört. «Die Helfer profitieren viel von ihrem Einsatz: Sie lernen Leute kennen, erleben etwas Aussergewöhnliches und sind Teil von etwas Grossem», sagt sie.
Einen generellen Kulturwandel in der Freiwilligenarbeit stellt Widmer nicht fest. Auch wenn sie zugibt, dass in diesem Frühjahr die Neuanmeldungen von arbeitswilligen Helfern bei ihrer Agentur eingebrochen sind. Dafür hat sie allerdings eine Erklärung: «Die Schönwetterperiode hat gegen uns gearbeitet», sagt sie lachend. «Bei schlechtem Wetter überlegen sich die Leute eher, etwas Sinnvolles zu tun.» Sie rechnet damit, dass auch heuer die üblichen 160 bis 180 Neuanmeldungen pro Jahr noch eingehen werden – und dass auch das Buskers-Festival nicht leer ausgehen wird.
www.buskersbern.ch/de/mitmachen/helfer-innen (Der Bund)
Erstellt: 27.06.2011, 06:36 Uhr
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