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Bern

Frauenbonus interessiert Steff la Cheffe nicht

Die Zukunftshoffnung des Berner Raps ist weiblich. Steff la Cheffe wird vom Breitenrain aus die Schweiz erobern – ohne Crew, ohne Allüren, aber mit viel Talent.

Vizeweltmeisterin im Beatboxing ist sie bereits, Steff la Cheffe. Jetzt will sie auch mit ihrem Rap überzeugen – zunächst aber nur in der Schweiz. (Adrian Moser)

Vizeweltmeisterin im Beatboxing ist sie bereits, Steff la Cheffe. Jetzt will sie auch mit ihrem Rap überzeugen – zunächst aber nur in der Schweiz. (Adrian Moser)

Gestern Abend noch war sie im Tessin. Konzert. Heute steht sie, die Hände in den Taschen ihres Pullis vergraben, die Schultern hochgezogen, in einem Industriebau im Zürcher Kreis 5. Studio. Gestern mit Andreas Vollenweider, heute mit Dodo, dem Reggaesänger und Produzenten. Steff la Cheffe, 22, lächelt. So stellt sie sich ihr Leben vor. Jeden Tag woanders, aber immer dort, wo die Musik spielt. Ihre Musik.

Ein kleines Pop-Märchen

Sie hat noch kein Album eingespielt, aber ein fünfminütiges Video auf Youtube, das schon über 360 000 Mal angeschaut wurde. Sie hat noch kaum ein Dutzend Konzerte als Haupt-Act bestritten und wird schon von Andreas Vollenweider für eine ganze Europatournee in sein Trio aufgenommen. Mit ihrer ersten Single «Briche Brot» schaffte sie es aufs Siegertreppchen der diesjährigen M4Music-Demotape-Clinic. Und Vize-Weltmeisterin im Beatboxing, dem Erzeugen rhythmischer Klänge mit dem Mund, ist sie seit diesem Mai ebenfalls, die Bernerin Stefanie Peter alias Steff la Cheffe. Jawohl, es gibt sie noch, die Pop-Märchen.

Dieses hier beginnt vor knapp zehn Jahren im Berner Breitenrain-Quartier. Und zwar damit, dass ein Teenager seiner kleinen Schwester zu ihrem 13. Geburtstag zwei CDs schenkt. «Things Fall Apart» von The Roots, eines der wichtigsten Rap-Werke der späten 1990er-Jahre, sowie «Make the Music 2000» des legendären Beatboxers Rahzel.

Stefanie Peter, so heisst das Mädchen, beschliesst, Rapperin zu werden. Sofort beginnt sie, eigene Texte zu schreiben und übt Beatboxing. Sie tut es im Geheimen, weder der grosse Bruder noch die Eltern wissen davon. Es dauert drei Jahre, bis sie sich an ihre ersten Beatbox-Jams wagt. Weitere zwei Jahre, bis sie erstmals vor Publikum rappt. Und nochmals vier Jahre, bis sie ihr Debütalbum in Angriff nimmt. Eine lange Zeit.

Das wie viel zählt nicht

«Klar, andere Musiker haben in meinem Alter schon zwei oder sogar drei Platten veröffentlicht», sagt Steff la Cheffe und zieht ihre Hände aus den Pullovertaschen. Sie habe das nicht gewollt. «Ich warte lieber, bis ich mir meiner Sache total sicher bin, bis wirklich alles stimmt. Am Ende zählt eben nicht, wie viele Alben man rausbringt, sondern wie gut sie sind.»

So wenig sie bisher auch veröffentlicht haben mag: Man kann den Flow dieser Rapperin bewundern und ebenso ihre klugen, sehr persönlichen Texte, man kann den Sound dieser Stimme rühmen und staunen über die Abgebrühtheit, die sie an den Tag legt. Allerdings: Zuerst muss man mit ihr natürlich noch über etwas anderes reden. Wohl ist Steff la Cheffe eine herausragende Rapperin und begnadete Beatboxerin, ebenso aber eine junge Frau, die sich anschickt, eine Männerdomäne zu erobern. Und dies auch noch ganz allein, ohne die Nestwärme einer Crew, ohne das Vorbild eines Ziehvaters, ohne den Ansporn von Gleichgesinnten.

«Es hat gute und schlechte Seiten», sagt sie. «Als Rapperin hat man das Publikum oft auf seiner Seite.» Frauenbonus, nennt Steff la Cheffe das. Das tönt ein wenig abschätzig. So ist es auch gemeint: Das Gute hat auch sein Schlechtes. «Der Frauenbonus interessiert mich nicht. Ich brauche ihn nicht, habe ihn nicht auf meiner Rechnung.»

Weder Sister noch Bitch

Dann spricht sie über die gängigen Rollenbilder, die Frauen im Hip-Hop zur Verfügung stehen. Da gebe es zunächst einmal die Sister – protegiert von ihren Brothers, aber nie ganz auf deren Augenhöhe. Dann kenne man die Kampflesbe – benimmt sich wie ein Mann und das ist dann auch das Problem. Und dann gebe es noch die Bitch – die lege sich mit den Männern an, werde aber diskreditiert, weil sie mit ihren weiblichen Reizen kokettiert.

«Ich will mich in keine dieser Rollen fügen», sagt Steff la Cheffe. «Ich will eine Frau sein, die sich auf Battles mit den Jungs einlassen kann, aber trotzdem respektiert wird.» Eine kurze Kostprobe ihres Albums lässt erahnen, dass sich Steff la Cheffe auf dem richtigen Weg befindet.

Das Debütalbum von Steff la Cheffe erscheint im Frühling 2010. (Der Bund)

Erstellt: 30.12.2009, 12:40 Uhr

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