Bern

Fast schon zu viel Erfolg mit Bio-Direktvertrieb

Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 13.04.2010

Soliterre und Bioabi: zwei Vertragslandwirtschafts-Projekte, die in diesem Frühling in Bern lanciert worden sind. Beide stossen bereits an Kapazitätsgrenzen.

Was in Bern noch neu ist, wird in der Westschweiz seit zwanzig Jahren erfolgreich betrieben: die Vertragslandwirtschaft. Die Bauern liefern jede Woche einen Warenkorb mit saisonalen Produkten – und die Konsumenten verpflichten sich, den Korb ein Jahr lang zu abonnieren. In der Westschweiz haben Vertragslandwirtschaftsprojekte inzwischen 5000 Kunden – achtzig Bauernbetriebe beteiligen sich daran.

In Bern sind in diesem Frühling gleich zwei Vertragslandwirtschaftsprojekte aus dem Boden ins Leben gerufen worden. Soliterre hat im März den ersten Korb ausgeliefert («Bund» vom 3. März). Parallel dazu wird nun ein zweites Projekt lanciert: Bioabi. Dahinter stecken drei junge Bernerinnen, unter ihnen die SP-Grossrätin Flavia Wasserfallen. «Von Soliterre haben wir nichts gewusst», sagt sie. Sie hätten die Idee in der Romandie entdeckt. «Uns hat gestört, dass beim Grossverteiler zunehmend Bioprodukte aus dem Ausland angeboten werden», sagt ihre Kollegin Christina Grünewald, «und dass viele nicht mehr wissen, welches Gemüse gerade Saison hat».

Offenbar trifft der praktische Direktvertrieb den Nerv der Zeit: Beide Projekte erleben einen derartigen Ansturm, dass sie bereits drosseln müssen. Als Konkurrenz sieht man sich auch daher nicht. Beide Projekte begrüssen zudem, dass weitere Initiativen entstehen.

Wer sich bei Soliterre anmelden will, muss sich inzwischen auf eine Warteliste setzen lassen. Erst ab Juni werden wieder neue Verträge eingegangen. 94 Körbe liefern die sechs angeschlossenen Biobetriebe aus. Und über 30 neue Kunden stehen schon auf der Warteliste. «Wir wollten im ersten Jahr eigentlich mit 50 Körben beginnen», sagt Marina Bolzli, Vorstandsmitglied des Vereins Soliterre. Die Kapazitätsgrenze ist daher bald erreicht. Noch sei es aber vermessen, über eine Erweiterung zu diskutieren. «Wir liefern erst seit sechs Wochen aus, es werden noch genügend Probleme auftauchen», sagt Bolzli. Ein neuer Depot-Standort könnte ein Thema sein – etwa in der Länggasse.

Schon jetzt 60 Anmeldungen

Bioabi liefert seinen ersten Korb erst am 6. Mai aus, kann aber jetzt schon 60 Anmeldungen vermelden – fast ohne Werbung. Darunter sind zwar viele Schnupper-Abonnemente, aber auch Bioabi nähert sich rasch der Kapazitätsgrenze – diese liegt derzeit bei etwa hundert Verträgen. Bioabi bezieht Gemüse und Käse bislang nur von einem Betrieb, dem Bio-Hof von Beat und Kathy Hänni in Kirchlindach. Hännis betreiben selber seit über zwei Jahrzehnten einen Hauslieferdienst für ihre Produkte.

150 Kunden in der Region Bern belieferten sie, sagt Beat Hänni; diese können den Warenkorb individuell anpassen. Die Taschen, in denen Rüebli und Randen geliefert werden, werden in der Anstalt Hindelbank genäht. Die Bioabi-Verantwortlichen können sich durchaus vorstellen, neue Produzenten an Bord zu holen oder das Liefergebiet zu erweitern – etwa nach Wabern. Von dort seien viele Anfragen eingetroffen, sagt Wasserfallen.

Die Unterschiede zwischen Soliterre und Bioabi liegen vor allem im Vertrieb. Während Soliterre über drei Verteilpunkte verfügt (Lorraine, Sulgenau und Bümpliz), liefert Bioabi die Ware direkt nach Hause. Dies nicht wöchentlich, sondern alle vierzehn Tage. Ganz verschieden gestaltet ist der Auftritt der beiden: Während die Web-Seite von Bioabi hip daherkommt, ist jene von Soliterre nüchtern gehalten. Sie verweist auch auf den politischen Nährboden, auf dem der Verein entstanden ist: aus dem Umfeld der Globalisierungskritiker von Attac Bern nämlich. (Der Bund)

Erstellt: 13.04.2010, 09:02 Uhr

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