Bern

Fast alle Parteien haben an die BDP verloren

Die Politologen suchen eifrig nach Erklärungen für das Wahlergebnis vom letzten Wochenende. Eine Analyse von GFS Bern kommt zum Schluss, dass die BDP in SVP-Regionen mehr Wähleranteile gewinnen konnte als in FDP-Regionen.

Nach dem Zählen ist vor dem Zälen: Die Politologen füttern ihre Modelle mit den Ergebnissen der kantonalen Wahlen. (Adrian Moser)

Nach dem Zählen ist vor dem Zälen: Die Politologen füttern ihre Modelle mit den Ergebnissen der kantonalen Wahlen. (Adrian Moser)

Woher kamen die Stimmen für die BDP und die GLP bei den Grossratswahlen? Wer hat der neuen BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon zum Sieg verholfen? Und weshalb hat es dem SVP-Kandidaten Albert Rösti nicht zum Einzug in die Regierung gereicht?

Diese und andere Fragen interessieren die Politologen im Nachgang zu den kantonalen Wahlen vom Wochenende brennend. Mittels einer Analyse der einzelnen Wahlresultate aus den knapp 400 bernischen Gemeinden von 2006 und 2010 ist das GFS-Forschungsinstitut in Bern den Antworten auf der Spur. In die Berechnungen flossen Tausende Einzelwerte ein.

Die Analyse basiert auf der statistischen Auswertung der Parteiwähleranteile der Gemeinden und nicht auf Wählerbefragungen. Bei den Grossratswahlen verglichen die Sozialwissenschaftler die aktuellen Wahlergebnisse der Parteien je Gemeinde mit denjenigen der letzten Wahlen vor vier Jahren. «Anhand von statistischen Modellen lassen sich so die Verschiebungen von Parteiwähleranteilen plausibel feststellen», erklärt Adrian Vatter vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern, der eine Interpretation der Ergebnisse vornimmt. Im Detail angeschaut wurden bislang die beiden erstmals angetretenen Parteien BDP (16 Prozent Wähleranteil) und GLP (4,1 Prozent Wähleranteil).

BDP: Sehr breite Basis

Der wichtigste Befund: Die BDP hat Stimmen aus praktisch allen Lagern geholt. «Fast alle Parteien haben Wähleranteile an die BDP verloren», erklärt Vatter. Ausnahmen sind die Grünen und die CVP, bei denen kaum Wähleranteile zur BDP abgewandert sind. Überraschend ist, dass die BDP laut der GFS-Analyse den grösseren Teil ihrer Wählerschaft nicht aus Gemeinden mit einem ehemals hohen FDP-Anteil rekrutiert hat, sondern sogar etwas stärker aus dem Lager der SVP. Das legt den Schluss nahe, dass die SVP nur deshalb nicht mehr als einen knappen Prozentpunkt eingebüsst hat, weil sie ihrerseits Stimmen von ehemaligen FDP-Wählern erhalten hat und zusätzlich bisherige Nicht-Wähler mobilisieren konnte. Neben dem ehemaligen SVP-Lager hat die BDP gemäss der Analyse auch viele bisherige FDP- und SP-Wähleranteile gewinnen können.

Für die BDP-Fraktion im Grossen Rat habe dieser Befund ganz praktische Auswirkungen, erklärt Politikwissenschaftler Vatter. Die BDP-Wählerschaft sei offensichtlich äusserst heterogen zusammengesetzt. «Die Fraktion muss ihre Position noch finden und zwar so, dass sie möglichst vielen der verschiedenen Ansprüche ihrer Wähler gerecht wird», sagt Vatter. Der Fakt, dass mehr als die Hälfte der BDP-Parlamentarier ursprünglich aus der SVP stamme, mache dieses Unterfangen nicht einfacher.

Bei der GLP weist die Auswertung darauf hin, dass die Partei vorwiegend von ehemaligen GFL- und FDP-Wählern unterstützt worden ist. Dies mag kaum erstaunen, kombinieren die Grünliberalen doch Elemente aus den Parteiprogrammen von GFL und FDP.

Rösti im eigenen Lager vorne

Um herauszufinden, von welchen Lagern die einzelnen Regierungsratskandidaten Unterstützung erhalten haben, verglichen die Politologen die aktuellen Resultate der Regierungsratswahl mit denjenigen der Grossratswahl, wiederum auf Gemeindeebene. Von den bürgerlichen Kandidierenden ist es demnach nur Beatrice Simon gelungen, erheblich Stimmen aus dem linken Lager zu holen. Innerhalb des bürgerlichen Blocks (SVP, BDP, FDP) steht sie nur an dritter Stelle. Hier führt Albert Rösti (svp) vor Christoph Neuhaus (svp) die Rangliste an. Hans-Jürg Käser (fdp) hat sein eher schlechtes Resultat innerhalb des Bürgerblocks vorwiegend mit Stimmen aus der Mitte, beispielsweise aus Kreisen der EVP-Wählerschaft, kompensiert. Ebenfalls dank den Stimmen aus der Mitte hat sich Neuhaus gegen Rösti behaupten können. Die Bekanntheit als Bisheriger dürfte Neuhaus hierbei geholfen haben.

«Es liegt nahe, dass etliche Wählerinnen und Wähler aus dem linken Lager zusätzlich zu den vier rot-grünen Kandidierenden auch Beatrice Simon gewählt haben», sagt Adrian Vatter. Diese These werde noch gestützt durch die Erkenntnis, dass in städtischen, eher linken Gebieten tendenziell mehr Namen auf die Wahlzettel geschrieben worden seien – im Durchschnitt rund viereinhalb – als auf dem Land.

Bei den vier Gewählten aus dem rot-grünen Lager lassen sich laut Vatter drei Typen unterscheiden. Am breitesten abgestützt sei Barbara Egger (sp). «Sie hat das typische Profil einer Bisherigen und holte von links bis rechts Stimmen», sagt Vatter. Bernhard Pulver (grüne) habe dennoch das beste Resultat erzielt, weil er innerhalb der eigenen Reihen und aus der Mitte am meisten Stimmen erhalten habe. Andreas Rickenbacher (sp) und Philippe Perrenoud (sp) verkörperten den dritten Typus, so Adrian Vatter. «Sie haben besonders stark innerhalb des angestammten Lagers mobilisiert.» (Der Bund)

Erstellt: 31.03.2010, 14:38 Uhr

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2 Kommentare

Rudolf Burgener

06.04.2010, 17:11 Uhr
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Die Medien behaupten, die BdP, sei die grosse Gewinnerin, sicher beim Regierungsrat, aber beim Grossrat hat wohl die BdP zugeschlagen, aber SVP hat an Terrain gewonnen, dass der Verlust kleiner als erwartet war. Mit anderen Worten, die SVP ist eigentlich die Gewinnerin der Grossratswahlen 10. Antworten


Sibylle Weiss

31.03.2010, 13:29 Uhr
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Dass die BDP im Vormarsch ist,dürfte nicht überraschen,da diese Partei, zus.mit der SVP die wahren Probleme der Bevölkerung auf den Punkt bringt u.nichts herunterspielt u.verharmlost, in der Hoffnung,dass dann die Probleme nicht existeren. Antworten



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