«Falsches Sparen» beim Bärenpark
Von Matthias Raaflaub. Aktualisiert am 15.10.2009
Wie ist es möglich, dass die notfallmässige Sanierung des Hanges beim Bärenpark Mehrkosten in der Höhe von 4 bis 9 Millionen Franken verursacht hat («Bund» von gestern)? Sarah Springman, Leiterin des Instituts für Geotechnik der ETH Zürich, bricht die Frage auf eine einfache Devise herunter: Zeit ist Geld. «Wenn man früh genug Beurteilungen über den Bauuntergrund trifft, ist das ökonomischer. Sofortmassnahmen kosten immer sehr viel.» RutschÂgefährdet sei ein Hang grundsätzlich dann, wenn treibende Kräfte in der Nähe von rückhaltenden Kräften wirkten. «Wasser im Hang müsste man drainieren, dann vermeidet man das Problem der Instabilität», sagt sie.
Dass in einem Hang Wasser auftrete, sei an sich nichts Ungewöhnliches, sagt Peter Kindle, Sachbearbeiter beim Ingenieur- und Geologiebüro SC+P AG in Zürich. Beide wollen sich nur grundsätzlich äussern, da die Fachleute den Berner Fall nicht detailliert kennen.
Rutsch kann vieles bedeuten
Der Bärenpark wird wegen der Bodeneigenschaften maximal 23,5 Millionen Franken kosten. Bisher ging man von Kosten in der Höhe von 14,5 Millionen Franken aus. Mindestens 4 Millionen verschlingen allein die bereits durchÂgeführten HangÂsicherungsÂmassÂnahÂmen. Die Kosten seien explodiert, weil der Hang über der Aare extrem viel Wasser führe, erklärten die Verantwortlichen der Stadtbauten Bern am Dienstag.
Zu den Mehrkosten wollen weder das Planungsteam Klötzli?+?Friedli Landschaftsarchitekten noch das beteiligte Ingenieurbüro und das Bauunternehmen Marti AG Stellung nehmen. Die Bauleitung Klötzli?+?Friedli Landschaftsarchitekten teilte mit, ihr Planerteam wie auch die WAM Ingenieure äusserten sich nicht dazu, da sie sich in einem «laufenden Verfahren» befänden. Gemeint ist ein Aussöhnungstermin mit den Stadtbauten (Stabe) vor dem Richter, der am 9. November stattfinden soll. Die Stabe wollen Geologen und Planer für die Mehrkosten belangen. «Ideal ist, wenn man eine einmalige Sanierung vornehmen kann. Ist das Baugelände einmal trockengelegt, kann man zuarbeiten, ohne ständig neue Korrekturen und Massnahmen ergreifen zu müssen», sagt Kindle. Aber er betont: Erst wenn man wisse, warum der Hang rutsche, könne man geeignete Hangsicherungsmassnahmen ergreifen. Ein Hang könne eine Rutschfläche im Fels verbergen, sodass der ganze Hang gefährdet sei. «Auch ein lehmiger Untergrund, der das Wasser nicht binden kann, heisst möglicherweise, dass der Hang immer abrutscht.» Dies herauszufinden, sei auch für geologische Gutachter schwierig, meint er. Die technischen Möglichkeiten, einen Hang zu stabilisieren, hingen vom Grund der Instabilität ab. Die Massnahmen reichten von einfachen Gräben bis zu Ankern aus Beton, die in den Boden getrieben werden, sagt Kindle.
Sparen am falschen Ort
Laut Springman ist es bekannt, dass Bauherren für ihre Sondierung nicht viel Geld ausgeben wollten. «Das ist Sparen am falschen Ort», sagt sie. Die Kunden vergässen, dass das Erdreich ein heikler Baugrund sei. Man könne nicht bauen wie auf Beton. Die ETH-Professorin bringe schon ihren Studenten den Merksatz bei: «Du bezahlst für deine Sondierung. Ob du sie machst oder nicht.»
Dringliche Debatte im Stadtrat
Die BDP/CVP-Fraktion fordert in der heutigen Stadtratssitzung wegen der Kostenüberschreitungen eine dringliche Debatte. «Die Verantwortung für dieses Debakel liegt einzig bei den Stadtbauten Bern», teilte die Fraktion gestern mit.
Wie SP, Grünes Bündnis (GB), FDP und Grünliberale fordert sie nun «zwingend» personelle Konsequenzen. Offen rufen BDP und CVP Stabe-Direktor Rudolf Lanzrein nicht zum Rücktritt auf, sie stellen aber dessen Führungskraft infrage. «Es liegt in seiner Verantwortung, Aufträge so auszuführen, wie es verlangt wird. Wenn Lanzrein das nicht kann, dann muss man fragen, ob er an der richtigen Stelle ist», sagte Ko-Fraktionschefin Béatrice Wertli-Meierhans (cvp) auf Anfrage. (Der Bund)
Erstellt: 15.10.2009, 07:27 Uhr
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