«Es ist wichtig, dass die Jugend etwas dazu sagt, egal zu welchem Thema»
Von Anita Bachmann. Aktualisiert am 04.01.2012
Zur Person
Marigona Isufi ist 19 Jahre alt und besucht die Wirtschaftsmittelschule. Ihre Eltern stammen aus dem Kosovo, Marigona Isufi ist in der Schweiz geboren und in Bern aufgewachsen. Sie ist Doppelbürgerin. Die Jungpolitikerin war im Berner Kinderparlament, macht im Jugendrat mit und nahm auch an nationalen Jugendsessionen teil. Für die Kinderlobby Schweiz ist sie seit 2009 im Bundeshaus.
Frau Isufi, Sie weilen gerade in Konstanz. Sind Sie in politischer Mission dort?
Nein, ausnahmsweise einmal nicht. Ich habe Verwandte in Konstanz und werde auch auf eine Shoppingtour gehen.
Sie sind UNO-Jugenddelegierte der Schweiz. Wie wurden Sie das?
Ich wurde mit einer Waadtländerin und einem Tessiner von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände und vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten gewählt. Im ersten Jahr geht man an Konferenzen, macht Sensibilisierungsarbeit. Im zweiten Jahr führt man die nächsten Jugendvertreter ein.
Im Februar reisen Sie nach New York an eine UNO-Konferenz. Um was wird es gehen?
Das Oberthema der Konferenz ist der Status der Frau, prioritär werden Frauen in der Agrarwirtschaft das Thema sein. Im nächsten Jahr werden Geschlechterfragen diskutiert. Wie man in Zukunft mit der Geschlechterfrage umgeht, dazu habe ich zum Beispiel etwas zu sagen.
Zu Geschlechterfragen haben Sie etwas zu sagen. Und zu Frauen in der Landwirtschaft?
Es ist kein Thema, das mich aktuell betrifft. Wir haben aber Bäuerinnen, und es gibt Fragen, die es zu diskutieren gilt. Dafür werden auch Experten der Delegation angehören. Es ist wichtig, dass die Schweizer Jugend etwas dazu sagt, egal zu welchem Thema.
Was sind die wichtigsten Anliegen der Schweizer Jugend, die Sie ja jetzt vertreten?
Mitsprache der Jugendlichen in allen Formen, in der Schule etwa oder in der Politik. Dass wir endlich angehört werden. Für die Jugendlichen selber gibt es immer die gleichen Probleme wie Schulfragen oder Familienangelegenheiten.
Was sind die grössten Probleme der Jugendlichen?
Dass man das ganze Leben unter einen Hut bringt: Schule, Arbeit, Kollegen, Familie. Die Anforderungen werden immer höher, in der Schule und bei der Lehrstellensuche. Es gibt mehr Stress, und man muss immer mehr Bewerbungen schreiben, um eine Stelle zu bekommen. In der Jugend ist das sehr zentral.
Und wie stark sind Geschlechterfragen, wofür Sie sich interessieren, bei der Jugend ein Thema?
Die Frauen haben immer noch weniger Lohn als Männer, obwohl wir die gleiche Ausbildung haben. Das wird unter Jugendlichen diskutiert. Das Thema ist solange aktuell, wie die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bestehen.
Als UNO-Delegierte vertreten Sie einen Rechtsstaat mit Wohlstand und Bildung. In der UNO sind Länder vertreten, die nichts von dem haben. Wie gehen Sie damit um?
Eine Jugendvertretung gibt es ausser in der Schweiz nur in Deutschland und wenigen anderen Ländern. Ich weiss deshalb nicht, wie stark ich mit Vertretern anderer Ländern zusammentreffen werde. Allgemein ist es aber wichtig, Lösungsansätze aufzuzeigen, etwa wie wir es hier machen und wie andere Länder einen Schritt weiterkommen könnten.
Sie haben einmal gesagt, Schweizer Kinder und Migrantenkinder hätten die gleichen Probleme. Stimmt das?
Der grösste Teil der Kinder mit Migrationshintergrund sind gut integriert in der Schweiz. Eine Schwierigkeit, die ich aus meinem Bekanntenkreis kenne, sind die Bewerbungen. Jugendliche mit anders klingendem Namen müssen trotz gleichen Noten mehr Bewerbungen schreiben für eine Stelle als Schweizer.
Sprechen Sie aus eigener Erfahrung?
Ich arbeite nebenbei bei McDonald’s. Dort ist es kein Problem, weil viele Ausländer oder Leute mit ausländischem Namen angestellt sind. Bei meiner Bewerbung für die Praktikumsstelle beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement hatte ich keine Probleme, weil ich in meinem Dossier Erfahrungen von Kinderparlament bis Kinderlobbying aufweisen kann.
Im Kinderparlament haben Sie angefangen. Was haben Sie für eine Entwicklung durchgemacht?
Ich war zehn, elf Jahre alt, als ich Kinderparlament in Bern gestartet bin. Ich war schüchtern, traute mich nicht vor vielen Leuten zu sprechen. Als ich Präsidentin wurde, leitete ich eine Session mit hundert Leuten. Das war eine grosse Sache. Heute schaffe ich so etwas locker.
Und wo konnten Sie am meisten bewirken?
Lokal. Das Kinderparlament engagierte sich für Spielplätze, der Jugendrat macht sich für neue Sportanlagen stark. Auf dieser Ebene ist es viel persönlicher. Als Kinderlobbyistin im Gespräch mit nationalen Parlamentariern wurden meine Anliegen nicht immer aufgenommen.
Deshalb brachten Sie Ihre Forderungen in Bezug auf das Jugendförderungsgesetz nicht durch?
Das ist so. Manchmal klappt etwas, manchmal nicht. Es sind Sachen im Gesetz aufgenommen worden, die die Kinderlobby auch wollte. Dagegen wurde auf die Kinderkonferenz verzichtet. Das war ein Rückschlag.
Sie kandidierten auf der Liste der Juso für den Nationalrat. Haben Sie ihre Partei gefunden?
Nein, ich kandidierte für die Secondos, sie hatten eine Listenverbindung mit den Juso. Ich bin immer noch parteilos. Ich interessiere mich mehr für Sachpolitik. (Der Bund)
Erstellt: 04.01.2012, 06:39 Uhr
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