«Es gibt zu wenig Leinwände»
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Das Kino Kunstmuseum startet mit Elan in den Dezember, ins neue Jahr und in seine Zukunft: Es ist nun ein Programm- und Premierenkino zugleich. Neu wird täglich gespielt, abends meist zweimal. Das bedeutet fast doppelt so viele Vorstellungen pro Jahr wie bisher.
Gezeigt werden neben dem bestehenden Programmteil aus Retrospektiven, thematischen Zyklen und filmgeschichtlichen Reihen neu auch Arthouse-Premieren. Damit sind Autoren- und Kunstfilme ebenso gemeint wie das Schweizer und Berner Filmschaffen. Um diese Werke überhaupt zu erhalten, arbeitet das Kino im Kunstmuseum eng mit dem Kellerkino zusammen. So können den Filmverleihern zwei Säle mit unterschiedlicher Kapazität und längere Spielzeiten angeboten werden. Das hat für die Kinos den Vorteil, dass sie die monatliche Programmstruktur beibehalten und nach inhaltlichen Kriterien gestalten können. Andererseits bekommen erfolgreiche Filme mehr Spielzeit und die Kinos mehr Eintritte. Beide Betriebe bleiben unabhängig, teilen sich in Zukunft aber neben dem Programm auch die Homepage, den Newsletter und die Abonnenten. Initiiert hat diese Offensive Thomas Allenbach, vormals Redaktor beim «Kleinen Bund», nun der neue Leiter des Kinos Kunstmuseum. Gemeinsam mit Madeleine Corbat, der Präsidentin des Trägervereins Cinéville, und Simon Schwendimann, dem Leiter des Kellerkinos, stellte er das neue Konzept gestern vor. Corbat und Allenbach diagnostizieren eine «Krise des Arthouse-Kinos» in Bern, nachdem Quinnie die zwei Säle im Splendid und das Cinema Star am Bollwerk geschlossen hat. Es gebe «zu wenig Leinwände für gute Filme», sagt Allenbach – diese Lücke will er nun füllen.
Aus der Klemme gerettet
Noch vor einem Jahr stand das Kino Kunstmuseum selbst auf der Kippe, als der Gemeinderat die städtischen Subventionen um 50 000 Franken jährlich kürzen wollte. Damit sollte eine Neukonzeption des Betriebs forciert werden. Weil der Erweiterungsbau des Kunstmuseums gescheitert ist und es sein Platzproblem nun mithilfe der bestehenden Räume lösen will, müsse sich das Kino ohnehin verändern – das war damals die Argumentation der städtischen Kulturabteilung. Doch der Stadtrat korrigierte den Entscheid der Regierung wenig später, sodass dem Kino bis 2015 weiterhin 170 000 Franken städtische Grundsubvention sicher sind. Die Solidarität unter den unabhängigen Berner Kinos, die sich unter dem Label «Das andere Kino» versammeln, habe zu diesem Ergebnis geführt, sagt Madeleine Corbat. Sie ist überzeugt, man habe den von der Kulturabteilung damals mehr oder weniger explizit formulierten Auftrag erfüllt. «Das Verhältnis zur Stadt hat sich stark verbessert», sagt sie.
Veronica Schaller, Leiterin der Kulturabteilung, bestätigt das. «Ich habe mich sehr gefreut, als ich von der Zusammenarbeit der beiden Kinos gehört habe. Das ist ein guter Anfang.» Ein Anfang? «Weitere Schritte sollten folgen. Die Mittel sind knapp, sie müssen optimal eingesetzt werden.» Schaller arbeitet auf ein «kleines Stadtkino» hin, in dem Filme zu sehen seien, die sonst keine Leinwand finden würden. Genau das bieten die Spielstätten des «anderen Kinos», wenn auch nicht an einem einzigen Ort. Überhaupt der Ort: Das Kino Kunstmuseum weiss immer noch nicht, wie lange es bleiben kann. «Wir haben einen Mietvertrag mit einjähriger Kündigungsfrist, kündbar auf jeden Monat», sagt Corbat. Da unklar sei, wann das Kunstmuseum seine Abteilung Gegenwart realisieren werde, müsse sich das Kino weiterhin nach Alternativen umsehen. Eine könnte der Progr sein. Zu anderen wollten sich weder sie noch Allenbach äussern.
Im März kommen die «Messies»
Für das Kellerkino kommt die Kooperation im richtigen Moment. Es hat, so Schwendimann, ein hartes Jahr hinter sich, nicht zuletzt, weil es digitalisiert wurde – eine Massnahme, die dem Kino Kunstmuseum noch bevorsteht. Erste Höhepunkte im gemeinsamen Programm sind die Schweizer Filme «Que sera?» und «Eine ruhige Jacke» von Ramon Giger im Kellerkino. Das Kino Kunstmuseum zeigt «Silberwald» von Christine Repond. Danach folgen Miranda Julys neuer Film «The Future» und die fulminante Opernverfilmung «Juan». Im März zeigen beide Kinos gemeinsam «Messies», für den Ulrich Grossenbacher soeben den Berner Filmpreis erhalten hat. (Der Bund)
Erstellt: 21.11.2011, 14:43 Uhr
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