Es gibt sie noch: die Buben, die Töffli frisieren
Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 12.04.2010
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Moris Gilgen hebelt sein Töffli vom Ständer; auf dem Boden kommt eine dunkle Öl-Lache zum Vorschein. «Es tropft immer, egal, wie gut man es abdichtet», sagt der 15-Jährige; die Stimme hat den Stimmbruch erst kürzlich durchlaufen. Schon zweimal ist Moris kurz davor gestanden, das alte Mofa wieder zu verkaufen, hat es aber nicht übers Herz gebracht. Wenn man zehn Stunden am Töffli bastle, und dann nach drei Minuten Fahren alles wieder kaputt sei, dann gehe das einem schon ziemlich auf den Sack. Aber Moris tat, was ein wahrer Töffli-Bub in solchen Fällen immer tut: von vorne anfangen.
«Ein Sachs 503, zwei Gänge, handgeschaltet», kommt es wie aus der Pistole geschossen, wenn man Moris Gilgen nach der Marke seines Töfflis befragt. Er hat es von einem alten Mann geschenkt bekommen. Als Gegenleistung musste er in dessen Werkhof das Laub wegwischen, einen Nachmittag lang. Moris grinst, wenn er davon erzählt: Er weiss, dass er einen guten Deal gemacht hat. Im Internet werden Sachs-Mofas als Liebhaberobjekte gehandelt, für die gut und gerne 2000 Franken hingeblättert werden. Früher seien Sachs gefragt gewesen, die Mehrheit habe sich aber mit einem Puch abfinden müssen, erzählt Moris. Er weiss das vom Vater. Der war auch schon ein Töffli-Bub und besitzt heute fünf schwere Motorräder – und eine Werkstatt im Keller.
Mit dem Vater zusammen hat er das Sachs wieder aufgemöbelt. Im Internet und auf Oldtimer-Börsen hat er Ersatzteile aufgetrieben. Den Rahmen hat er mit dem Freund seiner Mutter grün gespritzt. Einen tieferen Lenker hat er sich auch geleistet. Fast ein Jahr hat das Projekt gedauert. Pünktlich zu seinem 14. Geburtstag sind sie fertig geworden. Inzwischen hat er sich schon ein neues Töffli besorgt, dass er mit dem Vater aufbauen will.
Das Beste am Töffli sei, findet Moris, dass man schon mit 14 Jahren rumfahren dürfe. Denn ewig mag er nicht mit dem brabbelnden Sachs durch die Gegend schleichen, sein Traum sind knarrenden Höllenmaschinen mit erschreckenden Hubräumen. Einen Roller will er sich aber bestimmt nicht zulegen, die seien «schwul», findet er.
Zwei Kumpels von Moris haben sich nun auch ein Mofa zugelegt, beide ein Puch Maxi. Manchmal basteln sie an den Töffli rum oder fahren irgendwohin, zum Bräteln oder in die Badi. Moris hat vor, mit den Kumpels eine mehrtägige Tour zu unternehmen. So, wie das Töffli-Buben früher gemacht haben.
Frisiert hat er auch schon
Frisiert hat Moris sein Töffli auch schon, baute es aber wieder zurück. Weil er zwischen der Mutter in der Länggasse und dem Vater in Riedbach hin und her pendelt, fährt er oft durch die Stadt – das sei ihm zu riskant mit einem frisierten Untersatz. Weil es aber immer weniger Töffli gebe, seien Prüfer und Polizisten nicht mehr so sensibilisiert, weiss Moris. Ein Bekannter habe sein Mofa mit einem Rennauspuff prüfen lassen – und sei durchgekommen. Und auf dem Land beim Vater, dort habe fast jeder sein Töffli frisiert. Und dort gebe es noch einige von seiner Art – echte Töffli-Buben. (Der Bund)
Erstellt: 12.04.2010, 11:45 Uhr
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