Ein Kino zwischen allen Fronten
Von Thomas Allenbach. Aktualisiert am 01.03.2011
Solidaritätsnote
Die Berner Programmkinos Cinématte, Kellerkino, Kino in der Reitschule und Lichtspiel, der Verein Bekult sowie mehrere filmkulturelle Organisationen sprechen sich in einem gestern veröffentlichten «Positionspapier» für den Erhalt des Kinos Kunstmuseum aus. Sie fordern eine Lösung im Kunstmuseum oder einen «vollwertigen Ersatz an einem anderen Ort».
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«Vielleicht waren wir zu wenig mutig, vielleicht hätten wir die Subventionen für das Kino Kunstmuseum ganz streichen sollen.» Zu diesem Statement liess sich gestern Abend an einer Podiumsdiskussion im Kino Kunstmuseum Veronica Schaller hinreissen. Die Berner Kultursekretärin, die der Spielstelle an der Hodlerstrasse die jährlichen Subventionen von 170'000 auf 120'000 streichen will – am Donnerstag entscheidet der Stadtrat –, musste im sehr gut besetzten Kino für ihre Entscheidung erwartungsgemäss viel Kritik einstecken und zeigte Nerven. Mehrere Votanten im Publikum störten sich nicht nur an der Kürzung, sondern warfen Schaller auch fehlenden kulturellen Gestaltungswillen vor. Sie gefährde mit ihrer Politik der Zahlen den Reichtum der Kinostadt Bern.
Als Hauptargument für die Kürzung, die das Kino akut gefährdet, führte Schaller die «Kantonalisierung» des Kunstmuseums an, das spätestens 2016, wahrscheinlich aber schon früher, allein vom Kanton subventioniert wird – und provozierte damit den erstaunlich offen formulierten Widerspruch ihrer Kollegin beim Kanton, Anita Bernhard: «Das Kino Kunstmuseum ist nicht Teil des Kunstmuseums. Da haben Frau Schaller und ich nicht dieselbe Haltung. Ihre Argumentation geht für mich nicht auf», sagte die Vorsteherin des Amtes für Kultur des Kantons Bern. Die Diskussion (Leitung: Elio Pellin), an der auch Elisabeth Marti teilnahm, die Geschäftsführerin der Berner Arthouse-Kette Quinnie, zeigte deutlich auf, dass sich Kanton und Stadt uneins sind über die Zukunft des Programmkinos und dass von einer kohärenten gemeinsamen Politik nicht die Rede sein kann. Die Spielstelle, die im Kunstmuseum nur noch Gastrecht auf Zusehen hin geniesst, weil seine Räumlichkeiten der Abteilung Gegenwart weichen sollen (falls der Erweiterungsbau überhaupt je realisiert wird), fällt damit zwischen alle Fronten
Lichtspiel und «Vision Progr»
Die Zukunft des Kinos Kunstmuseum sieht Peter Erismann, der Präsident des Trägervereins Cinéville, unter neuem Namen und mit revidiertem, auf ein jüngeres Publikum ausgerichtetem Profil im Progr. Bis Ende Jahr, so Erismann, solle ein Entscheid darüber vorliegen, ob im Kulturzentrum der Neustart gewagt wird. Erimanns «Vision Progr» kommentierte Schaller nicht, ein klares kulturpolitisches Bekenntnis zum Engagement der Stadt für ein kommunales Kino war von ihr nicht zu vernehmen. Herauszuhören war immerhin, dass ihr vor allem das Lichtspiel am Herzen liegt und dass sie sich ein Zusammengehen des Filmarchivs, das sich in mittelbarer Zukunft wahrscheinlich einen neuen Standort suchen muss, mit dem Kino Kunstmuseum vorstellen kann: «Es sollte möglich sein, dass man gemeinsam etwas auf die Beine stellt», sagte sie. Wie ihr Entscheid, aus dem Kino Kunstmuseum spätestens 2015 ganz auszusteigen, mit diesem Projekt kompatibel sein soll, erklärte sie nicht.
An einem starken Programmkino, das dem bernischen Filmschaffen eine Plattform gibt, ist Anita Bernhard interessiert. «Wenn es keine Leinwände für unsere Filme gibt, ist die Filmförderung für die Katz», sagte sie. Klar scheint aber auch, dass ein solches Kino von der Stadt getragen werden muss. Mit der aus Geldern des Lotteriefonds massiv aufgestockten kantonalen Filmförderung kann aus rechtlichen Gründen kein Betrieb subventioniert werden. (Der Bund)
Erstellt: 01.03.2011, 07:21 Uhr
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