Ein Berner am Ziel seiner Träume

17 Jahre lang hat der Berner Eiskunstläufer Jamal Othman in der Eishalle auf der Allmend trainiert. Nach seinem Rücktritt im letzten Jahr kehrt er nun an den Ort zurück, wo alles begann, und will das Publikum nochmals mit Sprüngen und Pirouetten verzaubern.

Auf dem Berner Eisfeld ist er zu Hause wie kein Zweiter: Der ehemalige Spitzenläufer Jamal Othman ist praktisch auf der Allmend aufgewachsen. (Valérie Chételat)

Auf dem Berner Eisfeld ist er zu Hause wie kein Zweiter: Der ehemalige Spitzenläufer Jamal Othman ist praktisch auf der Allmend aufgewachsen. (Valérie Chételat)

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Für Stadtpräsident Alexander Tschäppät ist die Eiskunstlauf-Europameisterschaft in Bern ein «Glücksfall». Für Jamal Othman ist dieser Anlass weit mehr: Es ist die Erfüllung eines Traums. Seit dem Vorschulalter war für ihn die alte Allmend-Halle und später die Postfinance-Arena so etwas wie ein zweites Zuhause. Hier hat er Salchow, Toeloop und Lutz gelernt. Axel und Flip bis zur Perfektion einstudiert. Pirouetten gedreht bis zum Umfallen. Die grosse Verbundenheit mit Bern lässt den 24-Jährigen nun trotz seines Rücktritts vom Spitzensport auf das Eis zurückkehren. Im Rahmen des Schaulaufens schnürt Othman nach 17 Jahren Eiskunstlauf-Karriere im heimischen Stadion nochmals seine Schlittschuhe und zeigt am 30. Januar – zum Abschluss der Europameisterschaft – zusammen mit Grössen wie Denise Biellmann und Stéphane Lambiel sein Können. «Es ist wunderbar. Ich freue mich riesig, dabei zu sein», sagt Othman.

Von Reue keine Spur

Reue, dass er seine Karriere ein Jahr vor der Heim-EM an den Nagel gehängt hat, kommt bei Othman nicht auf. «Klar wäre es cool gewesen, eine EM ausgerechnet in der Halle, in der ich so viele Jahre trainiert habe, zu laufen», sagt der in Münchenbuchsee aufgewachsene Othman. «Aber es ist gut, so wie es ist.» Als EM-Botschafter und Co-Kommentator für das Schweizer Fernsehen ist er eng in das Geschehen in Bern eingebunden, stellt mit seinem Programm im Schaulaufen ausserdem sein Können unter Beweis – ausser Konkurrenz. «Die Europameisterschaft im eigenen Land, in der eigenen Stadt – das war schon immer mein grosses Ziel», sagt Othman. «Das habe ich jetzt erreicht.»

Lebensabschnittspartner Sport

Mit sechs Jahren stand Othman zum ersten Mal auf den Kufen. «Es hat mir so gut gefallen, dass ich bei diesem Sport hängen geblieben bin.» 17 Jahre lang trainierte er hart, um bei den Besten der Besten mitlaufen zu können. Als Profi stand er sechs Tage die Woche auf dem Eis. Hinzu kamen Ausdauer-, Schnelligkeits- und Krafttraining sowie Tanzunterricht. Alles in allem wendete er wöchentlich rund 30 Stunden für den Sport auf. «Ich habe praktisch mein ganzes Leben dem Eiskunstlauf gewidmet.» Und dabei manchmal auch gelitten: Während der Axel zu seinem Lieblingssprung avancierte, liegt ihm der Rittberger auch nach unzähligen Trainingsstunden nicht besonders, wie Othman sagt.

Immer wieder Meister

Trotz allem waren die vielen Erfolge letztlich Othmans Mühe Lohn: Titel und Triumphe jagten sich förmlich. In den letzten sechs Jahren holte er sich vier Mal den Schweizer Vizemeistertitel, 2009 wurde er Schweizer Meister. Vier Mal nahm Othman an Europameisterschaften teil, sechs Mal an Weltmeisterschaften und ein Mal an Olympischen Spielen in Turin. «Aber einmal kommt der Zeitpunkt, wo man sich überlegt, was nach diesem Lebensabschnitt kommt.» Für ihn sei immer klar gewesen, dass er eine Ausbildung machen wolle, da man den Sport nicht zuletzt wegen der hohen körperlichen Belastung für Knie, Rücken und Gelenke nicht ewig ausüben könne.

«Studentenjob» Nationaltrainer

Seit knapp einem Jahr lebt und studiert Othman nun in Malaysia, in der Heimat seines Vaters. Obwohl dort das ganze Jahr über tropisches Klima herrscht, hat Othman dem Eiskunstlauf in Südostasien nicht gänzlich den Rücken gekehrt. Im Gegenteil: Seit vergangenem Jahr agiert er als Trainer des malaysischen Nationalkaders. «Ein Studentenjob», wie er bescheiden sagt. Nach der Europameisterschaft in Bern reist Othman direkt nach Kasachstan an die Asian Winter Games, wo er zwei seiner Läufer an den Start schickt. Klar ist: Dem Eiskunstlauf ganz abschwören, kann Othman nicht. «Von 120 auf null runterzufahren, ist schwer.» (Der Bund)

(Erstellt: 22.01.2011, 08:17 Uhr)

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Eiskunstlauf-Europameisterschaft vom 23. bis 30. Januar

Morgen beginnt in Bern die Eiskunstlauf-Europameisterschaft. Nach der Fussball-Europameisterschaft 2008 und der Eishockey-Weltmeisterschaft 2009 ist dies für Bern der dritte Sport-Grossanlass innert dreier Jahre. Erwartet werden mindestens 25 000 Zuschauer.

- Der Austragungsort: Die EM findet in der Postfinance-Arena auf der Berner Allmend statt. Derzeit werden im und um das Stadion die letzten umfangreichen baulichen Änderungen für die EM vorgenommen. So ist etwa mithilfe von 175 Zivilschützern und Soldaten unmittelbar vor der Arena eine separate Trainingshalle aufgebaut worden. Die Stadion-Stehrampe wurde in einen weiteren Sitzplatz-Bereich mit 2300 Plätzen umgebaut. Die Zuschauerkapazität der Arena beträgt rund 7500 Plätze.

- Das Programm: Morgen Sonntag findet das erstes Eistraining statt. Danach Programm wie folgt: Montag und Dienstag Qualifikationen Eistanz, Herren und Damen. Mittwoch: Eistanz Kurzprogramm, Eröffnungszeremonie, Kurzprogramm Paare; Donnerstag: Herren Kurzprogramm und Paare Kür. Freitag: Damen Kurzprogramm und Eistanz Kür; Samstag: Damen und Herren Kür. Den Abschluss markiert das Schaulaufen am Sonntag.

- Die Tickets: Eintrittsbillette sind noch für alle Wettkämpfe erhältlich, für die Finalwettkämpfe werden sie aber langsam knapp. In der Qualifikation Anfang Woche kosten die günstigsten Tickets 20 Franken für Kinder, 40 für Erwachsene. Hin- und Rückfahrt mit Bus und Bahn sind im Ticketpreis enthalten. Zudem berechtigen die Tickets zum Besuch der Trainings am Gültigkeitstag.

Detaillierte Informationen finden Sie unter www.euroskate2011.com

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