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Bern

Ehrlich währt am längsten

Von Patricia Götti. Aktualisiert am 27.08.2010 17 Kommentare

Entgegen früheren Aussagen war JSVP-Politiker Erich Hess mehr als einmal in der Reitschule – zum Beispiel an seinem 24. Geburtstag: «Einfach, um einmal zu sehen, wie es da drinnen ist.»

Erich Hess: Geburtstagsfeier im rechtsfreien Raum. (Keystone)

Erich Hess: Geburtstagsfeier im rechtsfreien Raum. (Keystone)

«Erich, warum bisch du nid ehrlich?» Mit dem Video zu diesem Song erobert der Berner Komiker Semih Yavsaner alias Müslüm derzeit die Charts der Internet-Plattform Youtube und wirbt damit in verballhornender Form für ein Nein zur Reitschul-Initiative von Erich J. Hess (JSVP), die eine Versteigerung des autonomen Kulturzentrums fordert und über die am 26. September abgestimmt wird. Über die generelle Aufrichtigkeit im Herzen des Präsidenten der Jungen SVP Schweiz soll hier genauso wenig spekuliert werden wie über diejenige in Politikerherzen schlechthin. Uns interessiert vielmehr der konkrete Einzelfall: die Aussage Hess’ nämlich, er sei nur ein einziges Mal in der Reitschule gewesen («Bund» vom 13. August).

Diesbezüglich nämlich war der frisch gebackene Grossrat (seit diesem Frühjahr), noch frischer gebackene Vizepräsident der SVP Stadt Bern (siehe «Bund» vom Mittwoch) und am frischsten gebackene Alt-Stadtrat (seit gestern, auch hier siehe «Bund» vom Mittwoch) nicht ganz ehrlich.

Es stimme schon, er sei bereits zweimal in der Reitschule gewesen, gibt er auf Anfrage freimütig zu und bestätigt damit eine Aussage einer Veranstalterin im Konzertlokal Dachstock der Reitschule, die nicht namentlich genannt sein will. Es sei spät in der Nacht nach seinem (24., wie eine kurze Recherche zeigt) Geburtstag gewesen. Da habe er, nachdem er in der Berner Innenstadt mit Freunden gefeiert habe, noch alleine in der Reitschule vorbeigeschaut – «einfach, um einmal zu sehen, wie es da drinnen ist», sagt Hess.

Nein, Angst vor einer Konfrontation habe er keine gehabt (obwohl er sich, in seinen Augen, in rechtsfreiem Raum befand). Ein wenig «gschmuuch» sei ihm aber schon gewesen: «Ich hoffte einfach, dass mich niemand erkennt.» Dieser Hoffnungsballon zerplatzte aber ziemlich schnell: bereits beim Bestellen nämlich. Er habe dann bis in den Morgen hinein mit den Dachstock-Leuten diskutiert (kräftig unterstützt offenbar von Whisky). Ein friedliches und leicht lallendes Geschwafel über Gott und die Welt von ein paar ziemlich Angetrunkenen womöglich.

Damals, Ende März 2005, war Hess noch nicht Mitglied im Stadtberner Parlament; das wurde er erst einen guten Monat später, im zarten Alter von 24 also. Lanciert war dagegen bereits die dritte Initiative zur Abschaffung der Reitschule (die im November 2005 vom Berner Stimmvolk mit 65 Prozent Nein abgeschmettert wurde). Sie stammte aus dem Hause der SVP und verlangte die Abschaffung von Sonderkonditionen für die Reitschule. Ob Hess damals die Reitschule besuchte, weil er auf Material für Abstimmungspropaganda hoffte, bleibt dahingestellt. (Der Bund)

Erstellt: 27.08.2010, 08:47 Uhr

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17 Kommentare

Rolf Baumann

27.08.2010, 14:19 Uhr
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@Meier: Es steht Ihnen frei, wo Sie Ihr "gutes Geld" ausgeben. Ich gebe meins gerne in der Reithalle aus, aber das möchten Sie mir offensichtlich nicht zugestehen. Wahrscheinlich ist mein Geld halt auch etwas weniger gut als Ihres, oder ich habe einfach nicht soviel "Niveau" und fühle mich daher in diesem respektlosen Schandfleck mit all den "Terroristen" und "Drögelern" wohl (Zitat Hess). Antworten


Nicole Meier

27.08.2010, 10:50 Uhr
Melden

Wer wann, wo und wieviel als Privatperson ist, muss er doch nicht den Medien und der allgemeinheit erzählen! Egal wieoft oder eben nicht er in der Reitschule war, es bleibt ein Verunstaltetes Gebäude mit einer Rechtsfreien Gesinnung. Schade wie das schöne Gebäude heruntergewirtschaftet wurde, nun bleibt nur noch der Abriss. Antworten



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