Die schmachtenden Rebellen
Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 27.08.2010 1 Kommentar
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Da haben sich ja die Richtigen gefunden: Marco Gölä Pfeuti, der singende Berner Bauarbeiter, und die Bellamy Brothers, die Cowboyhut tragenden Country-Pop-Gebrüder aus Florida. Beide figurieren sie gerade etwas ungut in den Schlagzeilen, Gölä, weil er wieder einmal seine grobschlächtige Gesinnung dem «Blick» zum Ausschlachten unterbreitete (inklusive Aufruf zum Einwanderungsstopp, zum Recht auf Waffenbesitz und Selbstjustiz) und deswegen prompt von der SVP als nationaler Stimmungsmacher angeworben wurde.
Und auch die Bellamy Brothers haben in ihrer Heimat gerade ein bisschen populistisch auf den Putz gehauen. In ihrem neuen Song «Jalapenos» und dem dazugehörigen Video schiessen sie Giftpfeile gegen Obama und beginnen mit der unmissverständlichen Liedzeile: «All die farbenfrohen Wörter, die ich einst benutzte, sind auf einmal falsch – bevor wir unsere Redefreiheit und unsere Waffen verlieren, lasst mich das in diesem Song genauer darlegen.»
In Foren und öffentlichen Diskussionen werden die Bellamy Brothers in Amerika ebenso wie Gölä in der Schweiz nun von den üblichen reaktionären Wortmeldern als neue Heilsbringer einer anti-liberalen Haltung gefeiert, endlich traue sich jemand, Klartext zu sprechen, endlich zeige man es denen da oben so richtig.
Laubsägen-Stimme
Gölä und die Bellamy-Brüder stehen also weltanschaulich schon mal auf derselben Seite; so war die Idee von Göläs Plattenfirma, das Trio solle doch zusammen eine Platte herausgeben, eine gar nicht so abwegige. Hier die amerikanischen Country-Brüder, die ihren welkenden Erfolg in den Staaten mit Touren durch Europa kompensieren, wo sie ausgerechnet in der kleinen Schweiz auf eine besonders zuverlässige Fan-Gemeinde zählen können. Da der Mundart-Barde, der schon seit einigen Jahren davon träumt, kein Mundartbarde mehr zu sein, dessen Vorstösse in den internationalen Plattenmarkt indes bisher kläglich scheiterten.
So darf der Gölä nun in vier Liedern der Bellamy Brothers einige Strophen mitsingen, er tut dies mit einer rockig gemeinten, sonderbar schrillen Laubsägen-Stimme. Zum Beispiel im von einem befreundeten Bellamy-Roadie verfassten Überhit «Let Your Love Flow», der unsereins in der Jürgen-Drews-Fassung «Ein Bett im Kornfeld» geläufig ist. Als Gegenleistung haben die Bellamy Brothers vier Gölä-Gassenhauer ins Englische übertragen. Und um das Album zu komplettieren, hat Herr Pfeuti zu Hause mit seinen Studiomusiker-Freunden noch einige Bellamy-Brothers-Schlager gecovert.
Das Ganze nennt sich nun «BB & G: The Greatest Hits Sessions», doch weil die guten Bellamys in ihrer 35-jährigen Karriere den Markt mit zahllosen «Best of»-, «The Very Best of»-, «Best of the Best»- und «Greatest Hits»-Alben bereits hoffnungslos übersättigt haben, wird das Pfeuti-Bellamy-Werk am Ende eben doch bloss in der Schweiz veröffentlicht. Der internationale Durchbruch lässt einmal mehr auf sich warten – das einzig Internationale an diesem Unterfangen ist, dass Gölä für die Aufnahmen ein Reisli nach Amerika hat unternehmen dürfen.
Gemütliche Schlager
Überraschen und verblüffen tut auf diesem Cover-Album – es war zu befürchten – rein gar nichts. Ausser vielleicht die wachsende Diskrepanz zwischen Göläs Selbstverständnis als ungehobelter, kantiger und multipel tätowierter Rocker und seiner Musik, die am Ende eben doch immer bloss nach gemütlichem Schunkel-Schlager klingt.
Daran können auch die von der Plattenfirma als «Rebellen der Country-Musik» angepriesenen Bellamy Brothers nichts ändern, ihre Akzeptanz in der konservativen amerikanischen Country-Szene haben sie sich nicht etwa durch subversive Aufmüpfigkeiten verspielt, sondern weil sie die Musik des amerikanischen Bauernstandes mit Pop und Schnulzentum zu unterfüttern trachteten.
Wenn man aus diesem biederen Werk denn doch etwas Positives herausdestillieren will, dann der Umstand, dass Göläs Erfolgsnummern «Swan», «Up and Away», «No More Tears» und «Wilder Days» («I hätt no viu blöder ta») in diesem süsslich muffelnden Pop-Umfeld noch zu den geniessbareren Nummern gezählt werden dürfen. Ansonsten: Verstaubte Gedanken, verstaubte Musik – vielleicht sollte man mal über einen Auswanderungs-Stopp für den Pfeuti Marco nachdenken.
BB & G: «The Greatest Hits Sessions» (Universal) (Der Bund)
Erstellt: 27.08.2010, 09:45 Uhr
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1 Kommentar
.. und vielleicht sollte die "Journalistin" Ane Hebeisen über einen Berufswechsel refelktieren. Ihr Bericht ist dermassen ideologisch motiviert und einseitig geschrieben, dass man sich zurecht die Frage stellen muss, ob der sozialromantisch veranlagten Frau Hebeisen jemand die elementarsten Grundsätze des objektiven Journalismus erklären sollte. Antworten



































