Die Ozon-Werte steigen wieder – ohne Folgen
Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 06.07.2010 3 Kommentare
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Der Grenzwert für Ozon von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter dürfte einmal pro Jahr überschritten werden. In der Realität schiessen die Geräte an den Messstationen aber regelmässig über hundert Mal pro Jahr über den Grenzwert hinaus. Und in diesem Sommer ist die Situation besonders drastisch: In den ersten sechs Monaten ist in der Stadt Bern der maximale Ozon-Stundenmittelwert bereits 128 Mal überschritten worden. Im letzten Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 48 Mal. Ausserhalb der städtischen Grenzen sind die Zahlen noch besorgniserregender: In Zimmerwald ist der Grenzwert schon 240 Mal überschritten worden, in Etzelkofen gar schon 269 Mal. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr hat keine Messstation im Kanton Bern Überschreitungen über 200 Mikrogramm festgestellt.
Rekordwert in der Brunngasse
In der letzten Woche war die Ozonbelastung aufgrund der hohen Temperaturen stark. In der Stadt Bern ist der Grenzwert während der gesamten Woche überschritten worden. Am letzten Mittwoch hat die Messstation Brunngasse gar einen Wert von 199 Mikrogramm pro Kubikmeter festgestellt – eine so hohe Zahl sei seines Wissens an dieser Stelle noch nie notiert worden, sagt Roland Rüfenacht, Fachbereichsleiter Messungen und Kontrollen beim kantonalen Wirtschaftsamt Beco. In Langenthal zeigten die Messgeräte gar 212 Mikrogramm pro Kubikmeter an. Die Ozonbelastung sei im ersten Halbjahr aussergewöhnlich hoch gewesen, bestätigt Rüfenacht – im Vergleich zu den letzten drei Jahren. Unwahrscheinlich ist dagegen, dass die diesjährigen Werte jene des Hitzesommers 2003 erreichen. Damals wurde im Mittelland der Grenzwert 793 Mal überschritten.
Die Niederschläge am Wochenende haben die Situation etwas beruhigt. Regen führt dazu, dass Stickoxide (NOx) und flüchtige organische Verbindungen (VOC), die zusammen mit Sonnenlicht Ozon bilden, aus der Luft «geputzt» werden. Die Wetterprognosen lassen aber vermuten, dass die Werte wieder steigen werden. Dominik Eggli von Meteotest bestätigt: «Mittwoch und Donnerstag werden wir wohl wieder eine hohe Ozonbelastung haben – aber keine so hohe wie in der letzten Woche.»
Sofortmassnahmen wirken wenig
Trotz hoher Ozonwerte: Mit Sofortmassnahmen – etwa Tempobeschränkungen – ist nicht zu rechnen. «Kurzfristige Massnahmen bringen relativ wenig», sagt Rüfenacht. Das interkantonale Ozon-Interventionskonzept sieht denn auch sofortige Massnahmen nur vor, wenn an zwei bis drei Tagen ein Wert von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten wird und keine Besserung in Sicht ist. Dieser «Interventionswert» ist in den letzten zehn Jahren aber nur in der «Ozon-Stube» Tessin erreicht worden. Nördlich der Alpen wurden in diesem Jahr aber zumindest 180 Mikrogramm pro Kubikmeter erreicht. Wenn an einem Tag zwei bis drei Stationen einer Region diese Schwelle überschreiten, informiert die schweizerische Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz die Öffentlichkeit. Gleich an drei Tagen mussten die Behörden Mitteilungen verschicken – in den vier Jahren zuvor war dies nie nötig.
Die vielen Überschreitungen in diesem Jahr zeigten auf, dass weiterhin dauerhafte Massnahmen zur Senkung der Schadstoffe ergriffen werden müssten, sagt Peter Strähl von der Sektion Luftqualität beim Bundesamt für Umwelt. Seit 1985 seien zwar in der Schweiz die Stickoxide um 60 Prozent, die VOC um rund zwei Drittel gesenkt worden – was aber offenbar noch nicht reicht. Von grosser Bedeutung für die Luftqualität hierzulande sei zudem auch, dass die Emissionen der Ozon-Vorläuferschadstoffe in ganz Europa noch deutlich reduziert würden. (Der Bund)
Erstellt: 06.07.2010, 08:04 Uhr
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3 KOMMENTARE
Haben Sie sich auch schon gefragt, warum wird eigentlich das Ozon noch gemessen, wenn eh keine Massnahmen getroffen werden. Die vielen Überschreitungen zeigen doch auf, dass dauerhafte Massnahmen zur Senkung der Schadstoffe ergriffen werden müssten.
Stickoxide werden als Ozonverursacher angesehen. Gegenüber 1985 beträgt die Stickoxidbelastung noch die Hälfte. Europaweit! Am Wochenende sinkt die Stickoxidbelastung gar auf einen Viertel. Europaweit! Nach langfristigen, verlässlichen Messreihen ist die Zahl der Grenzwertüberschreitungen unverändert, die Mittelwerte als Folge der saubereren Luft gar steigend. Was machen? Ozontheorien überprüfen!
Statt zu jammern und über zu hohe Werte zu lamentieren kann doch eine ganz einfache Massnahme den Gestank vermindern: Einfach die an zu vielen Stellen platzierten und absolut unnützen Rotsgnale ausschalten oder doch den Verkehrsströmen anpassen statt sture Zeitschaltungen. Auch "grüne-Welle" Schaltungen wären dringend nötig. Und Rondelle statt Ampeln. Ein fliessender Verkehr stinkt weniger !
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