«Die Leistung steht über allem»
Von Claudia Blasimann. Aktualisiert am 03.09.2010
Der Modus
Die 12 Teams der NLA bestreiten je eine Hin- und Rückrunde. Danach spielen die Top 6 in der Finalrunde, die Teams auf den Rängen 7 bis 12 in der Abstiegsrunde noch je eine Doppelrunde. Alle Teams nehmen sämtliche Punkte und Tore in die Final- respektive Abstiegsrunde mit. Der Schweizer Meister wird in einem Playoff-Final (Best-of-5) zwischen dem Erst- und Zweitplatzierten der Finalrunde ermittelt. Der Letztplatzierte nach der Abstiegsrunde steigt direkt in die NLB ab, das Team auf Platz 11 bestreitet eine Barrage gegen den Zweitplatzierten der Finalrunde der NLB (Top 4). Der Gewinner der NLB steigt direkt in die NLA auf.
Die ersten beiden Runden. Freitag. 19.30: BSV Bern Muri - Fortitudo Gossau (Mooshalle, Gümligen). St. Otmar St. Gallen - Wacker Thun. Pfadi Winterthur - RTV Basel. – 20.00: Kriens-Luzern - Suhr Aarau. Kadetten Schaffhausen - Arbon. GC Amicitia Zürich - Lakers Stäfa. – Sonntag. 16.00: Basel - St. Gallen. – 16.30: Stäfa - Schaffhausen. – 17.00: Arbon - Winterthur. Thun - Kriens-Luzern (Lachenhalle). – 17.30: Gossau - Zürich. – 18.00: Suhr Aarau - BSV Bern Muri (Obersiggenthal SPH, Nussbaumen AG).
Das Kader
Trainer: Alex Andjelko Milosevic (neu). – Tor: Antoine Ebinger (33 Jahre), Timo Heiniger (23), Nikola Portner* (16). – Feld: Tom Althaus (18, RL), Pascal Bächtold (26, RR), Tobias Baumgartner (19, RM), Marcel Bovey* (19, FL), Goran Cvetkovic (Ser, 27, RR), Nils Karl (19, RR), Misha Kaufmann (26, RL), Pelle Larsen (Dä, 31, KL), Stephan Leiser (29, RL), Alen Milosevic (20, KL), Raphael Muff (25, RM), Luca Mühlemann* (20, KL), Oliver Räz (19, FL), Sepp Schwander (26, FL), David Staudenmann (27, FR), Valentin Striffeler* (20, FR). – Zuzüge: Althaus (eigener Nachwuchs), Bächtold (St. Otmar St. Gallen), Karl (HS Biel, NLB/U19, erst im Training), Muff (Borba Luzern, 1. Liga). – Abgänge: Benjamin Echaud, Marc Vonlanthen (beide Rücktritt), Alexander Weiss (Steffisburg, NLB).
* = Doppellizenz mit Grauholz (NLB)
KL= Kreisläufer, RR= Rückraum rechts, RM= Rückraum Mitte, RL= Rückraum links, FR= Flügel rechts, FL= Flügel links.
Praktisch pausenlos ruft Alex Milosevic seinen Spielern von der Seitenlinie Anweisungen zu, gibt lautstark Tipps und fordert sie auf, auch untereinander mehr zu reden. Der neue Trainer beim BSV Bern Muri ist ein Kommunikationsmensch – kein Wunder, war er doch zuvor selbstständig als Marketing- und Kommunikationsleiter und als Kommunikationschef beim BSV tätig. Auch sonst hat sich offenbar einiges geändert unter dem Nachfolger von Peter Bachmann, der das Team in der vergangenen Saison auf Platz 3 geführt hatte, danach aber wegen unterschiedlicher Auffassungen in strategischen Fragen gehen musste.
Stephan Leiser und David Staudenmann, die beide seit dem Wiederaufstieg 2003 in der ersten Mannschaft des BSV Bern Muri spielen und in dieser Zeit bereits vier Trainer erlebten, sind sich einig, dass mit dem neuen Coach auch ein neuer Schwung ins Team gekommen sei. «Er bringt seine Freude und Motivation rüber und reisst am Karren», sagt Staudenmann, der Sohn von Geri Staudenmann, Captain des Meisterteams von 1980 und Meistertrainer von 1985, als der BSV letztmals den Titel holte. «Unter Alex herrscht eine gute Stimmung, auch wenn die Vorbereitung hart war. Er kann einen immer aufbauen», ergänzt Leiser. Im Training werde nun viel mehr in Kleingruppen gearbeitet, um so in den Partien aus diesen Angriffe zu lancieren und Chancen zu kreieren. Dazu fordere Milosevic ein extrem schnelles Spiel und einen früheren Übergang in den Gegenstoss.
Die Veränderungen empfinden die beiden als positiv, auch wenn sie sich bewusst sind, dass damit Risiken verbunden sind. «Es bringt uns sicher weiter, aber es muss ein guter Mix sein aus Struktur und Freiheit, wir dürfen nicht zu einem Hühnerhaufen werden», sagt Staudenmann und spricht von einem Prozess, in welchem sich das Team an den neuen Stil gewöhnen und sich wieder finden müsse.
Kein Ersatz für Echaud
Von der Vereinsleitung wurde der ersten Mannschaft nur die Finalrunde als Ziel vorgegeben. Willy Glaus, der Verwaltungsratspräsident der BSV Bern Muri AG, begründet dies mit dem (zwar nur marginal, aber doch) kleineren Budget, das rund 1,3 Millionen beträgt, und der Ausrichtung auf die «Vision 2014». Dannzumal will man in der neuen Halle der International School of Berne in Muri-Gümligen um den Meistertitel mitspielen können, setzt deshalb vermehrt auf den Nachwuchs und hat mit dem aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Benjamin Echaud, der nun als vollamtlicher Geschäftsführer engagiert ist, professionellere Strukturen geschaffen.
Als Spielmacher konnte Echaud allerdings nicht gleichwertig ersetzt werden. In seine (grossen) Fussstapfen tritt der erst 19-jährige Tobias Baumgartner, als zweiten Mann auf der Rückraum-Mitte-Position hofft Milosevic auf Raphael Muff. Der 25-jährige Innerschweizer kommt jedoch aus der 1. Liga und muss auch sehen, ob und wie er seine Arbeits- und Wohnsituation lösen kann; sein Vertrag läuft vorerst nur bis Ende Jahr.
Bächtold als echte Verstärkung
Definitiv eine Verstärkung ist Linkshänder Pascal Bächtold. Der Ostschweizer, der von St. Otmar St. Gallen zu den Bernern wechselte, hat sich in der Stadt wie im Team gut eingelebt. «Die Position gefällt mir, und ich habe nun mehr Verantwortung – was ich wollte», so der 26-Jährige. Zudem herrsche ein guter Teamgeist, obwohl es viele gute Einzelspieler in der Mannschaft habe. Auch wenn sich die meisten wohl eine Auslandreise gewünscht hatten – er freut sich auf die Begegnung mit seinen ehemaligen Teamkameraden Ende November im Challenge Cup. «In der Meisterschaft liegt der 3. Platz sicher drin», ist Bächtold überzeugt. «Wir spielen nicht stur im System. So können wir gegen alle gewinnen.»
Für Milosevic sind die Resultate nicht vorrangig. «Die Leistung steht über allem», sagt der 44-Jährige. Trotzdem sollen auch Junge wie das 16-jährige Torhüter-Talent Nikola Portner eine Chance erhalten. Milosevic: «Für mich gibt es nicht junge oder alte, gute oder schlechte Spieler, sondern nur gute und schlechte Leistungen.» Die neue Ausrichtung im Angriff brauche eine gewisse Zeit, doch die ersten zwei Pfeiler im Spiel des BSV seien ohnehin die Deckung und das Tempospiel. Anschauungsunterricht in Sachen Geschwindigkeit gab es am Mittwoch im Trainingsbesuch beim SC Bern. Positiv stimmen Milosevic die athletischen Werte seiner Spieler, welche im Schnitt um 20 Prozent höher seien als vor einem Jahr.
1 Titel-, 7 Finalrundenkandidaten
In der letzten Saison standen die Kadetten Schaffhausen bereits vier Runden vor Schluss als Schweizer Meister fest, im EHF-Cup stiessen sie bis in den Final vor. Und auch jetzt haben die Munotstädter mit dem Sieg gegen Pfadi Winterthur im Supercup (Partie zwischen Meister und Cupsieger) bereits wieder einen Titel geholt. In der Meisterschaft 2010/11 wird es wohl weiterhin kein Vorbeikommen an den Schaffhausern geben – auch wenn der Zweitplatzierte im Playoff-Final noch einmal eine Chance erhält. Hinter den Kadetten werden sich neben dem BSV auch das nun definitiv fusionierte GC Amicitia Zürich (mit Urs Mühlethaler, dem BSV-Meistertrainer 1980), der HC Kriens-Luzern, Pfadi Winterthur, St. Otmar St. Gallen und Wacker Thun als Verfolger zu installieren versuchen. Die Berner Oberländer hatten im letzten Jahr als Siebter den Cut für die Finalrunde verpasst, nun wollen sie mit dem neuen Führungsspieler Borna Franic wieder in die Top 6. (Der Bund)
Erstellt: 03.09.2010, 10:09 Uhr




































