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Bern

Der Mann hinter dem reduzierten Hochwasserschutz

Der frühere Denkmalpfleger Bernhard Furrer ist zufrieden mit dem, was seine Hochwasserschutz-Idee bewirkt hat – auch wenn sie nicht realisiert werden sollte.

So hätte das Aareufer mit der «nachhaltigen» Hochwasserschutzvariante (Projektbild) aussehen können.

So hätte das Aareufer mit der «nachhaltigen» Hochwasserschutzvariante (Projektbild) aussehen können.
Bild: zvg

Der frühere Denkmalpfleger der Stadt Bern, Bernhard Furrer. (Bild: Adrian Moser)

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Bernhard Furrer, früherer Denkmalpfleger der Stadt Bern. (Bild: Adrian Moser)

Bernhard Furrer weiss, was er ausgelöst hat, wenn er betont, er habe sich lediglich als «einfacher Bürger» eingemischt – was auf politischer Ebene gelaufen sei, damit habe er nichts zu tun. Tatsache ist: Der ehemalige städtische Denkmalpfleger hat die Pläne für den Hochwasserschutz nachhaltig beeinflusst.

Er war es, der vor vier Jahren die Idee lanciert hatte, den Gedanken eines hundertprozentigen Schutzes vor dem Wasser zu hinterfragen. Stadträte haben die Idee aufgenommen, und das Parlament hat im Mai 2009 die Motion «Nachhaltige Variante» angenommen. Der Gemeinderat musste darauf seine eigenen Variante auf Eis legen – und den Vorschlag eines reduzierten Hochwasserschutzes vertiefen. Dass ihnen ausgerechnet ein ehemaliger Beamtenkollege ins Handwerk pfuscht, hat bei den Behörden für rote Köpfe gesorgt.

Einen «Denkprozess» ausgelöst

Nach langwierigen Abklärungen will der Gemeinderat die «Nachhaltige Variante» zwar fallen lassen – und auf ihre alten, aber angepassten Pläne zurückkommen, die neu «Gebietsschutz» heissen. Dennoch ist Furrer zufrieden mit dem, was seine Initiative bewirkt hat: «Das Prozedere hat einen Denkprozess bei Stadt, Kanton und Bund ausgelöst – das ist schon viel.» Dass nicht in jedem Fall ein 100-prozentiger Schutz vor Hochwasser und Naturgefahren nötig sei – das sei eine Erkenntnis, die längerfristig Auswirkungen auf den Wasserbau haben könnte. Wegen des Widerstandes musste der Gemeinderat konkrete Eingeständnisse machen: So wurde der Quai in der Matte fallen gelassen und die Mauerkrone gesenkt. «Das sind bedeutende Fortschritte», so Furrer, der Quai und Mauer als zu harten Eingriff ins Stadtbild kritisierte.

«Die Verwaltung hat den Auftrag des Parlaments nicht auf die leichte Schulter genommen», attestiert Furrer dem Tiefbauamt und seinem Vorsteher Hans-Peter Wyss. Was ihm aber fehlt, ist etwas Grundsätzliches – und das hat mit Furrers Staatsverständnis zu tun: «Mit meiner Initiative wollte ich die um sich greifende Mentalität hinterfragen, dass der Staat seinen Bürgern eine 100-prozentige Sicherheit garantieren muss.» Es gehe ihm darum, dass der Bürger Eigenverantwortung übernehme – etwa, wenn er nahe am Wasser wohne. «Diese Botschaft», bedauert Furrer, «kam im Tiefbauamt aber nicht an.» Man habe mit Erfolg nach Gründen gesucht, die gegen einen reduzierten Hochwasserschutz sprächen – nicht nach kreativen Lösungen, um eine Abkehr von der «Vollkasko»-Mentalität einzuleiten. (Der Bund)

Erstellt: 26.01.2012, 11:26 Uhr

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