«Der Bund» bleibt erhalten – enge Zusammenarbeit mit dem «Tages-Anzeiger»

Aktualisiert am 25.05.2009

«Der Bund» bleibt als eigenständiger Titel erhalten. Das Berner Traditionsblatt wird ab Herbst 2009 in Zusammenarbeit mit dem Zürcher «Tages-Anzeiger» weitergeführt. In beiden Redaktionen werden Stellen abgebaut.

Die Redaktion beim «Bund» wird von 54 auf 35 Vollzeitstellen reduziert, wie das Zürcher Medienhaus Tamedia am Donnerstag mitteilte. Insgesamt werden 19 Vollzeitstellen abgebaut. Ein Teil des Stellenabbaus werde über ordentliche und frühzeitige Pensionierungen realisiert.

Das «Berner Modell» mit zwei publizistisch unabhängigen Tageszeitungen in einem Verlag werde damit fortgesetzt, heisst es in der Mitteilung weiter. Ursprünglich geprüft worden waren zwei Lösungen: Eine enge Zusammenarbeit mit dem «Tages-Anzeiger» oder eine Fusion mit der «Berner Zeitung» von Espace Media.

Die Zusammenarbeit zwischen «Bund» und «Tages-Anzeiger» soll laut Tamedia beide stärken. Chefredaktor des «Bund» bleibt der 56-jährige Arthur K. Vogel. Geplant ist ein gemeinsamer Mantel mit einer ausgebauten Berichterstattung über nationale und internationale Politik, Kultur, Sport und Wirtschaft.

Auch Tagi-Redaktion wird kleiner

Reorganisiert wird auch die Redaktion des «Tages-Anzeiger»: Hier werden 50 Vollzeitstellen abgebaut. Sieben weitere Stellen werden beim Zeitungsdruck abgebaut. Das Internetportal «Newsnetz», die Pendlerzeitung «News» und der «Tages-Anzeiger» arbeiten künftig enger zusammen.

Gewerkschaft kritisiert Tamedia scharf

Die Gewerkschaft Comedia hat den Abbau bei den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» verurteilt. Tamedia habe im vergangenen Jahr 100 Millionen Franken Gewinn erwirtschaftet und sollte nicht am Personal und damit an der Qualität sparen, teilte die Gewerkschaft am Donnerstag mit. Der Abbau von 79 Vollzeitstellen bedeute eine Reduktion um praktisch einen Viertel der Belegschaft beim «Tages-Anzeiger» und um mehr als einen Drittel beim «Bund».

Nun trete ein, wovor Kritiker schon seit längerem warnten, nämlich dass die Zeitungen zwar unter verschiedenen Titeln, aber mit nahezu gleichem Inhalt erschienen. Wenn aber die Vielfalt und die Qualität der Medien in Gefahr gerieten, sei auch die demokratische Meinungsbildung in Gefahr, schrieb Comedia. Der Tamedia-Verlag trage als grösster und einflussreichster Herausgeber von Zeitungen und Zeitschriften in der Schweiz eine grosse Verantwortung nicht nur gegenüber dem Personal, sondern auch gegenüber den Lesern und der Öffentlichkeit. Comedia werde alle betroffenen Beschäftigten in weiteren Verhandlungen unterstützen. (bs/sda/ap)

Erstellt: 25.05.2009, 10:07 Uhr

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