Bern
Der Autoverkehr nimmt nicht ab
Von Bernhard Ott. Aktualisiert am 09.08.2010 4 Kommentare
Starke Zunahme des Heizenergieverbrauchs
Auch beim Heizen kann die Stadt Bern die von ihr gesetzten Ziele kaum erfüllen. Gemäss Energiestrategie 2006 hätte der Verbrauch fossiler Brennstoffe in stadteigenen Liegenschaften bis 2015 um 15 Prozent reduziert werden soll en. Im Jahr 2009 hat der Heizverbrauch gegenüber dem Vorjahr aber um annähernd 30 Prozent auf 74,9 Gigawattstunden zugenommen. Allein der Gesamtverbrauch der Schulhäuser ist um über 30 Prozent auf 41,1 Gigawattstunden angestiegen. In beiden Wintern gab es aber gleich viel Heiztage, und die Grösse der Nutzfläche blieb unverändert. «Der Anstieg ist unverständlich und muss analysiert werden», schreibt das Amt für Umweltschutz im Statusbericht Umweltmanagement. Allein mit der Sanierungsbedürftigkeit vieler Schulhäuser sei er nicht erklärbar, sagt Amtsleiter Adrian Stiefel. Bis Ende 2010 wolle man Klarheit über die Gründe des Anstiegs. Laut Stiefel könnten technische Probleme oder ein «Verschlechterung des Nutzungsverhaltens» eine Rolle spielen. «Ich hoffe, dass Schulhäuser im Winter nicht gelüftet werden, indem man die Kippfenster offen lässt.» Früher seien solche Schwankungen aber gar nicht erst registriert worden, sagt Stiefel. Erst seit der Verabschiedung der Energiestrategie 2006 bis 2015 würden diese Daten überhaupt gesammelt. «So haben wir heute die Möglichkeit, ein Problem zu erkennen und über mögliche Gegenmassnahmen zu befinden», sagt Stiefel. (bob)
Stichworte
Das Ziel war von Anfang an ehrgeizig: Bis 2015 wollte die Stadt Bern den motorisierten Individualverkehr auf dem Gemeindegebiet um 10 Prozent reduzieren. Bereits vier Jahre nach Verabschiedung der Energiestrategie 2006 bis 2015 ist indes klar: «Das Ziel wird deutlich verfehlt.» Dies hält zumindest das städtische Amt für Umweltschutz in seinem Zwischenbericht zur Umsetzung der Energiestrategie fest.
Stadt alleine ist machtlos
Von 2006 bis 2008 konnte die Zahl der gefahrenen Autokilometer in der Stadt Bern zwar um 7,5 Prozent auf 372 Millionen gesenkt werden. Gleichzeitig ist aber die Anzahl Autokilometer auf den stadtnahen Autobahnen um 5,6 Prozent auf 427 Millionen gestiegen. «Die Verkehrsabnahme in der Stadt wird zum grossen Teil auf den Autobahnen kompensiert», hält der Bericht dazu fest. Amtsleiter Adrian Stiefel gibt zu bedenken, dass diese Resultate auf extrapolierten Zahlen aus dem Jahre 2005 beruhen. «Es stehen noch keine neueren Daten zur Verfügung.» Man müsse sich aber im Klaren sein, dass die Stadt alleine gar nicht die Möglichkeit habe, eine Reduktion des Autoverkehrs in diesem Umfang zu bewerkstelligen. «Es braucht eine Zusammenarbeit der ganzen Agglomeration», sagt Stiefel.
Mehr Leute, mehr Arbeitsplätze
Auch die Stadtberner Verkehrsdirektorin Regula Rytz (GB) räumt ein, dass eine Reduktion des Individualverkehrs um 10 Prozent bis 2015 «wahrscheinlich nicht» erreichbar sein wird. Sie weist jedoch auf die veränderten Rahmenbedingungen seit der Lancierung der Energieziele im Jahr 2006 hin. «Der Gemeinderat konnte damals nicht voraussehen, wie stark die Bevölkerung und die Zahl der Arbeitsplätze zunehmen werden», sagt sie. So habe sich die Einwohnerzahl bis 2009 um rund 3000 auf über 130 000 Personen erhöht. Und die Zahl der Beschäftigten habe bis 2008 um rund 4000 auf 152 800 zugenommen. «Angesichts dieser Wachstumszahlen sind wir stolz, dass der motorisierte Individualverkehr auf den Gemeindestrassen seit Jahren leicht zurückgeht.» Ein Teil dieses Verkehrs habe sich auch auf die Autobahnen verlagert. Aber der «wichtigste Teil» sei durch den öffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr ersetzt worden.
Mit Roadpricing gegen Staus
Die Verlagerung des Verkehrs auf die Autobahn heisse nun aber nicht, dass dort die Kapazitäten um jeden Preis erhöht werden sollten. Ausbauten sollten primär unterirdisch erfolgen. Dienten sie «nur» der Vermeidung von Staus, seien sie für den Gemeinderat nicht prioritär, sagt Rytz. Der Gemeinderat sei daher zum Beispiel für die Entlastung des Ostrings durch einen Tunnel, aber gegen den Ausbau des Felsenauviadukts. «Wenn die Autobahnen am Limit sind, braucht es eben auch unkonventionelle Lösungsansätze wie zum Beispiel Roadpricing», sagt Rytz. (Der Bund)
Erstellt: 09.08.2010, 07:11 Uhr
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Die aufgebrachten Herren Daetwyler und Rohner denken nur an den eigenen Vorteil. Dass ihr Auto-basierter Lebensstil für viele Menschen eine massive Einschränkung der Lebensqualität verursacht, interessiert sie nicht. Überall in der Schweiz wird das Autofahren durch den Bau von noch mehr Strassen gefördert. In Bern versucht man aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Das ist zu loben. Antworten
Kaum wird es etwas eng auf Strassen und Autobahnen rund um Bern, sollen die Autofahrer zur Kasse gebeten und davon abgehalten werden, die Strasseninfrastruktur zu benützen. Demgegenüber wird von der arbeitenden Bevölkerung, von Industrie und Gewerbe immer mehr Flexibilität verlangt. Diese Rechnung geht nicht auf. Hoffentlich erhalten die Verkehrsverhinderer die Antwort eines Tages an der Urne. Antworten
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