Der Abschied von Patron Schneider-Ammann

Die Mitarbeiter des Hauptsitzes der Ammann-Gruppe in Langenthal feierten gestern Abend ihren zum Bundesrat gekürten Patron.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für die Mitarbeiter der Ammann-Gruppe in Langenthal gab es gestern einen speziellen «Feierabend». Ab 16.30 Uhr spendierte das Familienunternehmen mit weltweit 3000 Angestellten, das der frisch gewählte Bundesrat Johann Schneider-Ammann (FDP) in fünfter Generation führt und nun bald verlässt, Bratwurst, Züpfe, Bier und Wein. Tagsüber hatte in der Baumaschinenfirma normaler Betrieb geherrscht, ohne Videoübertragung der Bundesratswahlen.

Auf den Festbänken stiessen einige Hundert aus der Belegschaft auf ihren Chef an – und fanden nur lobende Worte für ihn. Er sei immer ein «sehr loyaler Patron» gewesen, bodenständig, «ja fast kumpelhaft», sagte zum Beispiel Hansueli Kunz, der seit zehn Jahren im Kundendienst arbeitet. Er hätte Schneider-Ammann eigentlich lieber als Chef behalten, meinte Martin Vogel. Dass das Unternehmen in Familienhand bleibe, gebe ihm aber die Sicherheit, dass es gut weitergeführt werde (siehe Kasten). Und sowieso: «Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich Schneider-Ammann auch als Bundesrat ab und zu bei uns blicken lässt, mindestens an der traditionellen Weihnachtsfeier.» Ein paar Bankreihen weiter vorne lobte der Zuschneider Kurt Andermatten zwischen zwei Schlücken Bier: «Er ist einer von den Ehrlichen.»

Von der Limousine auf die Walze

Genau 18.26 Uhr war es dann, als Johann Schneider-Amman in Langenthal eintraf. Von der schwarzen Limousine wechselte er direkt auf die bereitstehende, gelb-grüne Strassenwalze aus eigener Produktion. «Irgendwie symbolisch, die zwei Fahrzeuge», murmelte einer der Spalier stehenden Arbeiter seinem Kollegen zu.

Nach zwei Stücken der hauseigenen Blaskapelle folgte dann die Ansprache, auf die alle gewartet hatten. Schneider-Ammann trat an das mit Sonnenblumen geschmückte Rednerpult und dankte seinen «lieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern», dass sie ihn «so weit getragen haben», wie er jetzt sei. Die Mitarbeiter seien ihrer grossen Unterstützung wegen «ein Stück weit selber schuld», dass er nun gehe, sagte Schneider-Ammann in der sehr persönlich gehaltenen Rede. Und er versprach, dass er auch in Zukunft ab und zu im Unternehmen vorbeischauen werde, «um zu tanken». Die stehende Ovation und der warme Applaus zum Schluss waren mit Sicherheit nicht aufgesetzt.

Viele der Anwesenden sagten, sie seien stolz auf ihren Patron – und stolz darauf, in einem Unternehmen zu arbeiten, das lange Zeit von einem zukünftigen Bundesrat geführt worden sei. Darüber hinaus werte die Wahl Schneider-Ammanns die ganze Region Oberaargau auf, sagte Jürg Moser, der im Verkauf tätig ist. Auch er glaubt, dass Schneider-Ammann im Betrieb nicht ganz von der Bildfläche verschwinden wird: «Auch wenn er nun Bundesrat ist, wird er immer in der Familie bleiben.»

Die Feier der Stadt Langenthal findet wie in Köniz am 30. September statt. (Der Bund)

(Erstellt: 23.09.2010, 07:38 Uhr)

Die beiden Vize rücken nach

Der bisherige Vizechef der Ammann-Gruppe, Ulrich Meyer, übernimmt den Chefposten von Johann Schneider-Ammann, wie Firmensprecher Lukas Jenzer auf Anfrage bestätigt. Meyer war bis Mitte 2006 Geschäftsführer des Burgdorfer Landmaschinenherstellers Aebi. Nach der Übernahme der Firma durch die Stadler Rail wechselte Meyer zum Bauausrüster nach Langenthal. Beim 64-jährigen Meyer handelt es sich um eine vorübergehende Lösung. Der bisherige Vize helfe zu überbrücken, bis eine definitive Lösung gefunden sei, so Jenzer. Im Umfeld der Familie geht man davon aus, dass der 31-jährige Sohn von Schneider-Ammann, Hans-Christian Schneider, nach Beendigung seines MBA die Leitung der Firma übernehmen werde. Auch im Verwaltungsrat rückt der Vize nach. Neuer Präsident wird Roman Boutellier. (nt)

Werbung

Immobilien

Blogs

Hauptstädter Adventskalender (22)

Die Welt in Bildern

Kaltes Indien: Passagiere wärmen sich an einem Feuer auf, während sie frühmorgens auf den Zug warten. Der Norden Indiens wird zur Zeit von Kältewellen und dickem Nebel heimgesucht (22. Dezember 2014).
(Bild: Rajesh Kumar Singh) Mehr...