Der 20. Medientag ist vielleicht der letzte
Von Martin Zimmermann. Aktualisiert am 11.11.2010
Ist das Internet eine Chance für die Medien oder eine Gefahr? War früher im Journalismus wirklich alles besser? Und: Ist die bezahlte Presse am Ende? – Diese Themen-Auswahl der vergangenen Berner Medientage veranschaulicht den rasanten Wandel, den die Medienbranche in den letzten Jahren durchgemacht hat. Auch beim Medientag selbst kündigt sich nun ein Umbruch an: Für die 20. Ausgabe, die am Samstag im Kornhausforum stattfindet, laden die Organisatoren zum «grossen Finale» ein, wie auf dem Flyer zu lesen ist.
Nachfolger gesucht
Ist die Jubiläumsausgabe also auch die letzte? «Zu 90 Prozent ist das der Fall», sagt Fredi Hänni auf Anfrage. Der Anwalt und ehemalige «Tagwacht»-Journalist ist seit dem ersten Medientag 1991 dabei. Nun tritt er mit dem Rest des Organisationskomitees – darunter «Bund»-Redaktor Markus Dütschler – ab. Nach 20 Jahren sei es an der Zeit, den Medientag in neue Hände zu geben, so Hänni. Nachfolger haben sich aber noch keine gemeldet. Heuer möchte das Komitee deshalb nochmals die Werbetrommel rühren. Illusionen macht sich Hänni indes keine: «Es ist einfach nicht mehr Mode, sich in der Freizeit unentgeltlich zu engagieren.»
An Publikumsinteresse mangelt es den Berner Medientagen hingegen nicht: Je nach Thema und Gastauftritten – neben Journalisten werden oft auch Politiker oder Medienunternehmer eingeladen – besuchen bis zu 150 Leute die Veranstaltungen, wie Hänni sagt. Oft werde dabei heftig debattiert: «Als wir etwa einen Medientag über den Einfluss des Internets auf den Journalismus mit‹www.journi-kill.ch›betitelten, hat das im Publikum teils geharnischte, teils amüsierte Reaktionen ausgelöst.»
«Den Medien fehlen Ressourcen»
Überhaupt ist das Internet mittlerweile ein wichtiger Diskussionspunkt an den Medientagen. Diese Technologie habe den Journalismus wie kaum eine andere Erfindung der letzten Jahrzehnte verändert, so Hänni – im Positiven wie im Negativen. Themen wie die Unabhängigkeit der Medien von der Politik und der Wirtschaft oder deren Rolle in der Demokratie blieben hingegen unverändert aktuell. In ersterem Bereich habe sich die Situation teils «dramatisch verschlechtert», so Hänni. «Den Medien fehlen heute oft die Ressourcen, um qualitativ hochstehenden Journalismus zu betreiben.»
Aber auch die Medientage selbst haben sich verändert: Ursprünglich als linkes Projekt der Schweizerischen Journalisten-Union und des Arbeiter-Radio-Bundes gegründet, öffnete sich die Organisation im Laufe der Jahre politisch. Die Bandbreite der diskutierten Themen wurde zudem breiter und umfasst nun auch Entwicklungen in den Bereichen PR und Werbung. Hänni hofft deshalb, dass die Medientage trotz der Nachwuchsschwierigkeiten eine Zukunft haben: «Aus medienpolitischer Sicht braucht es den Anlass einfach.»
Der 20. Berner Medientag: Samstag, 13.30 bis 17 Uhr im Kornhausforum Bern. Der Eintritt ist frei. Die Moderation übernimmt der Journalist Roland Jeanneret. (Der Bund)
Erstellt: 11.11.2010, 09:04 Uhr
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