«Das Szenario klingt vielleicht improvisiert, ist es aber nicht»

Im Notfall käme im AKW Mühleberg die Betriebsfeuerwehr zum Einsatz.

AKW Mühleberg: Im Ernstfall blieben nur noch mobile Feuerwehrpumpen, um den Reaktor zu kühlen.

AKW Mühleberg: Im Ernstfall blieben nur noch mobile Feuerwehrpumpen, um den Reaktor zu kühlen. Bild: Valérie Chételat (Archiv)

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Das Szenario mutet improvisiert an: Sollten bei einem Extremhochwasser im AKW Mühleberg sowohl die normale wie auch die Notkühlung versagen, blieben als letzte Möglichkeit, den Reaktor zu kühlen, nur noch mobile Feuerwehrpumpen. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat billigte diese Lösung, bezeichnete sie aber an seiner Medienkonferenz vom Mittwoch als «knapp im grünen Bereich». Die BKW ist derzeit daran, auf dem AKW-Gelände fixe Anschlüsse für die Pumpen zu bauen.

Bereit nach 30 Minuten

Was heisst das nun konkret? Sollte es einmal so weit kommen, dass mit mobilen Pumpen Kühlwasser für den Reaktor herangeschafft werden muss, wäre die Betriebsfeuerwehr des AKW dafür zuständig, diese zu installieren und zu bedienen. Gemäss Antonio Sommavilla, Mediensprecher der BKW, stehen der 95-köpfigen Betriebsfeuerwehr drei Löschpumpen und ein Tanklöschfahrzeug mit integrierter Pumpe zur Verfügung. Bis die Pumpen angeschlossen und einsatzbereit seien, daure es weniger als 30 Minuten, sagt er. Die Gefahr, dass auch deren Ansaugstutzen, genau wie jene in der Aare, verstopfen könnten, bestehe nicht. Sommavilla: «Die Pumpen verfügen alle über mobile Ansaugschläuche, deren Standort nötigenfalls verschoben werden kann.»

Sollten die Kapazitäten der Betriebsfeuerwehr nicht ausreichen, käme zusätzlich die Berufsfeuerwehr Bern zum Einsatz. Gemäss Feuerwehr-Sprecher Franz Märki besteht zwischen der BKW und der Berufsfeuerwehr eine entsprechende Vereinbarung. Märki zufolge führen die beiden Feuerwehren jährlich gemeinsame Übungen durch.

Keine Strahlenschutzausrüstung

Allerdings: Falls radioaktive Strahlung freigesetzt würde, wären Einsätze der Berufsfeuerwehr nur noch bedingt möglich, sagt Märki. «Die Feuerwehrleute arbeiten in ihrer Brandschutzausrüstung. Sie verfügen über keine Strahlenschutzausrüstung.» Sie verfügten lediglich über Messgeräte, sagt er.

Im Notfall wäre es an Regierungsstatthalter Christoph Lerch und dem sogenannten Verwaltungskreisführungsorgan, die Lage in Mühleberg im Auge zu behalten und die Feuerwehreinsätze zu koordinieren. Auf die Frage, ob es ihm wohl beim Gedanken daran sei, dass es am Ende womöglich an der Feuerwehr liegen könnte, einen Reaktorunfall im AKW Mühleberg zu verhindern, sagt er: «Das Szenario klingt vielleicht improvisiert, es ist es aber nicht.» Auch Lerch verweist auf die Übungen, die jährlich stattfinden, und die vorliegenden Einsatzpläne. (Der Bund)

Erstellt: 09.09.2011, 08:39 Uhr

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