Das Landhockey im Blut

Von Claudia Blasimann. Aktualisiert am 23.04.2010

Sabrina Maillard stand mit drei Jahren zum ersten Mal mit Ball und Stock auf dem Feld. Schon ihre Mutter und Grossmutter waren Spielerinnen bei YB.

Sabrina Maillard möchte mit YB in der NLA die Medaillenränge erreichen. (Manuel Zingg)

Sabrina Maillard möchte mit YB in der NLA die Medaillenränge erreichen. (Manuel Zingg)

Sie ist noch keine 18 Jahre alt. Und doch blickt sie schon auf eine 15-jährige Karriere im Landhockey zurück: Sabrina Maillard, Tochter und Enkelin von zwei YB-Landhockeyanerinnen. Ihre Grossmutter mütterlicherseits, Camilla Zehnder, gehörte zu den Gründungsmitgliedern, ihre Mutter Mirjam übte den gleichen Sport aus, und ihr Vater Anton ist seit rund einem halben Jahr Präsident.

Viel erzählt habe ihr das Grosi aus jener Zeit nicht, sagt Sabrina Maillard. Aber sie habe auch nicht danach gefragt. Kürzlich jedoch, als die Enkelin eine Lieferung neuer Stöcke zu Hause hatte, habe sie sie angeschaut und dann gesagt: «Die Schaufel war früher ganz anders.»

Heute seien zwar immer noch hölzerne Stöcke erhältlich, die Mehrheit spiele jedoch mit solchen aus Kunststoff oder Karbon, so Maillard. Sie muss es wissen, schliesslich vertritt sie einen Händler in ihrem Verein. Je mehr sie verkauft, desto weniger bezahlt sie für die eigene Ausrüstung. «Schuhe konnte ich mir davon kaufen, aber ich hätte gerne noch einen neuen Stock», lässt Maillard, die sich zur Kleinkindererzieherin ausbilden lässt, durchblicken. Die Auslagen von zwischen 130 und 600 Franken pro Stück kann sie sich nur alle zwei, drei Jahre leisten. So lange muss der Stock halten.

Andere Sportarten hat Maillard nicht ausprobiert: «Für mich gab es immer nur das Hockey», sagt sie. Die Abwechslung von Feld- (im Herbst und Frühling) und Hallenmeisterschaft (im Winter), die taktische Herausforderung und die Tatsache, dass nur wenige die Sportart betreiben, gefallen ihr.

Lieber mit Technik als mit Körper

Im Spiel ist der Ehrgeiz gross; wenn Mitspielerinnen Löcher nicht sehen und sie den Pass nicht spielen kann, «rege ich mich innerlich sehr auf». Für zusätzliches Ausdauertraining neben den wöchentlich zwei Teamtrainings fehlt ihr die Motivation. Auf dem Rasen ehrgeizig, im Wald faul? Ihr Trainer, Stefan Gerber, formuliert es so: «Wenn sie kann, löst Sabrina eine Aufgabe lieber mit technischem Können als mit körperlicher Anstrengung. Von den konditionellen Fähigkeiten liegt sie aber im Rahmen.» Sie selber sagt: «Vielleicht müsste ich im Konditionstest einfach die Schlechteste sein, dann hätte ich ein Ziel und so mehr Motivation.»

Drei EM innert zwei Jahren

Denn nicht nur im Klub, bei YB, reicht der Schnauf, sondern auch für das Nationalteam. 2008 war sie mit dem U21-Team an der EM, im letzten Jahr bestritt sie sowohl mit der U18 als auch dem Frauenteam die jeweilige Europameisterschaft. Bei den Frauen war sie die Jüngste im Team und kam trotzdem regelmässig im Sturm zum Einsatz. Die Schweizerinnen blieben ungeschlagen und schafften vor dem Heimpublikum in Olten den Aufstieg in die B-Division. Von einem «coolen» Erlebnis spricht Maillard und schwärmt von der ungewohnt grossen Zuschauerkulisse. «Ich hatte zwar vor jedem Match ein mulmiges Gefühl und Angst, Fehler zu machen. Aber sobald ich drin war, war es einfach nur schön.» Zudem sei es viel einfacher, wenn man eine starke Verteidigung im Rücken wisse und nur auf die Pässe zu warten brauche.

Im Klub, bei YB, wo sie ebenfalls zu den Jüngsten gehört, ist das Niveau verständlicherweise tiefer als in der Nationalmannschaft. «Ich habe das Gefühl, wir geben alles, und trotzdem reicht es nicht ganz nach vorne», sagt Maillard. Auf Platz 4 steht das Team momentan, und die Mittelfeldspielerin hofft, dass es in der Rückrunde, die am Samstag gegen Luzern beginnt, noch in die Medaillenränge reicht. Den 3. Platz in der Halle im Jahr 2007 streicht Maillard denn auch als Highlight ihrer Karriere heraus.

Zukunft in Bern ungewiss

Ob und wie es mit YB weitergeht, ist derzeit noch nicht abzusehen: Trainer Stefan Gerber verlässt das Team nach nur einem Jahr wieder und kehrt zu seinen Wurzeln im Eishockey zurück. Bei seinem ersten Gastspiel im Landhockey, in den 1990er-Jahren, waren die Stadtbernerinnen sehr erfolgreich gewesen: sechs Meistertitel und drei Cupsiege holten die Frauen mit Gerber an der Linie in zwölf Jahren, seither gingen sie leer aus.

Neben dem Trainer verlassen auch praktisch alle Spielerinnen aus Burgdorf, die hinzugezogen worden waren, das Team wieder. Übrig bleiben zehn, was nicht einmal mehr eine vollständige Aufstellung (eine Torhüterin und zehn Feldspielerinnen) ergäbe. Die Suche nach Verstärkung von benachbarten Vereinen wie Erlach läuft. Die Trainerfrage hingegen ist noch offen.

Trotz der Unsicherheiten entschied sich Sabrina Maillard gegen ein Angebot von Rot-Weiss Wettingen, dem Dominator der Nullerjahre sowie aktuellen Feld- und Hallenmeister. Die Mutter hätte den Wechsel nicht verstanden, der Weg von Arbeits- und Wohnort ins Training wäre weit gewesen. Und nicht zuletzt wollte sie den Verein gerade in dieser Situation nicht im Stich lassen. So sehr es sie auch «gluschten» würde, ihren Sport professioneller auszuüben, ihr grösster Wunsch ist im Moment, dass «ich nie mehr hoffen muss, dass es uns überhaupt noch gibt». Denn in Sabrina Maillards Adern fliesst zwar Landhockey-Blut, ihr Herz schlägt aber vor allem für YB. (Der Bund)

Erstellt: 23.04.2010, 10:03 Uhr

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