Das Buskers wird immer grösser
Von Timo Kollbrunner. Aktualisiert am 10.08.2009 2 Kommentare
Die Rathaustreppe als Tribüne beim Auftritt der englischen Gypsy-Band Sheelanagig. (Adrian Moser)
Von Jahr zu Jahr zieht das Strassenmusik-Festival Buskers mehr Personen in die Berner Altstadt. Wie Festivalleiterin Christine Wyss in einem Communiqué mitteilte, wurde die diesjährige Ausgabe nach offiziellen Schätzungen von rund 80000 bis 100000 Personen besucht – von so vielen wie noch nie. Wyss führt dies in erster Linie auf das «enorme und überraschende Wetterglück» zurück. «So gutes Wetter hatten wir bisher noch nie», sagte sie auf Anfrage. «Für die Musiker war es wegen der Menschenmengen manchmal schwierig, mit ihren Instrumenten von einem Ort zum anderen zu kommen», erzählte Wyss. Zwischen zehn und zwölf Uhr abends, als sich jeweils am meisten Menschen durch die Gassen und Lauben drängten, seien jeweils sehr viele Gruppen gleichzeitig aufgetreten, damit sich das Publikum möglichst gut verteile.
Akrobaten und Gitarrenvirtuosen
Auch am diesjährigen Buskers gab es Vorstellungen unterschiedlichster Art. Die Afro Jungle Jeegs aus Kenya begeisterten das Publikum mit atemberaubender Athletik («Bund» vom Samstag). Bei ihrer letzten Show am Samstagabend in der Münstergasse hatte es so viele Zuschauer wie wohl noch nie an einer Buskers-Aufführung. Viele kletterten auf Zäune und Mauern, und einige krallten sich gar an der Fassade des Kultur-Casinos fest, um einige Blicke auf die Show der sprunggewaltigen Afrikaner zu werfen. Ruhiger ging es bei den Konzerten des Belgrader Trios Balkan Strings zu und her. Zoran Starcevic und seine Söhne Nikola und Zeljko brachten das Publikum mit ihrem virtuosen Gitarrenspiel zum Staunen. Das afrikanisch-europäische Kollektiv King Kora sorgte mit der Kora, einer westafrikanischen Harfe, mit Saxofon und Trompete für schwingende Hüften. Auf grosse Begeisterung stiess das Weird Village, das Dorf der Verrückten, auf dem Münsterplatz («Bund» vom Freitag), von wo der feuerspuckende Höllenhund Doghead zu seinen Touren durch die Altstadt aufbrach und wo die Rotlicht-Roboter der Robotic Peepshow an der Stange tanzten. Nicht nur Kinder, sondern auch viele Erwachsene übten sich in den Recycling-Geschicklichkeitsspielen von Guixot de 8 aus Spanien auf dem Münsterplatz.
«Es braucht ein Umdenken»
Die 16500 Programmhefte und Festivalbändeli – zweitausend mehr als vor einem Jahr – waren am Samstag Abend ausverkauft. Der enorme Publikumsaufmarsch habe sich jedoch «finanziell nicht proportional niedergeschlagen», schreibt Christine Wyss, die das Festival wie jedes Jahr zusammen mit ihrer Schwester Lisette organisierte. Zu viele Besucher «konsumierten ohne Hemmungen gratis Kultur auf höchstem Niveau». Ein Festival wie das Buskers könne jedoch langfristig nur funktionieren, «wenn das Publikum seinen finanziellen Beitrag leistet». Es brauche ein Umdenken der Besucher, sagte Wyss. Einige würden keinen Franken in einen Hut werfen, aber fünfzig oder hundert Franken für Bier ausgeben. Die «Buskers» seien jedoch auf Hutgeld angewiesen, da sie sonst keine Gage bekämen. Das Bewusstsein, dass gute Auftritte mit einem Beitrag honoriert werden sollten, sei noch zu wenig vorhanden.
Auch im nächsten Jahr wieder
Die Bierstände schlossen wie an den vorherigen Tagen auch am Samstag pünktlich um Mitternacht. Eine halbe Stunde später waren nur noch einzelne Gruppen von Menschen in der Altstadt anzutreffen. Die grosse Menge war verschwunden, das sechste Buskers gehörte der Vergangenheit an. Stolz ist Christine Wyss, dass es trotz dem so zahlreichen Publikum nicht zu Vandalismus oder Schlägereien kam: «Das Buskers ist der wohl friedlichste Grossanlass weit und breit.» Was die Interessierten freuen dürfte: Die nächste Ausgabe von Buskers Bern ist gesichert, es wird vom 12. bis zum 14. August stattfinden. «Das diesjährige Festival war phänomenal. Dieser Erfolg gibt extrem Motivation für das nächste Jahr.»> (Der Bund)
Erstellt: 10.08.2009, 08:27 Uhr
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2 KOMMENTARE
Beim Hutgeld brauchts auch ein Umdenken der Künstlerinnen, Künstler. Ich wurde mein Geld fast nicht los. So stand bei einer Gruppe der Hut unter dem Tisch und blieb auch am Schluss dort. Ich kämpfe mich doch nicht durch 10 Zuschauerreihen. Oder, im prall gefüllten Erlacherhof gäbe es andere Möglichkeiten zu Geld zu kommen, als am Schluss (zu) langsam mit (nur) einem Hut durch die Reihen zu gehen.
Das Buskers-Festival entfernt sich immer mehr von der ursprünglichen Idee eines Strassenmusik-Festival hinzu zu einen Jekami-Komerz-Event. Das schadet den Strassenmusikern, da sie nicht mehr der Hauptgrund zum Besuch des Anlasses sind.
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