Das Bundeshaus als Projektionsfläche eines verblüffenden 3-D-Spektakels
Von Marc Schiess. Aktualisiert am 14.10.2011 1 Kommentar
«Rendez-vous»
«Rendez-vous Bundesplatz» ist von heute bis am 26. November täglich und kostenlos zu sehen. Die 20-minütige Vorstellung beginnt jeweils um 19 und 20.30 Uhr.
Hunderte Passanten schauen gebannt zu, wie ein unsichtbares Riesenkind mit dem Bundeshaus spielt, als wäre dieses aus riesigen Bauklötzen gefertigt. Lichtkünstler Benoît Quero lässt die einzelnen Teile des symbolträchtigen Baus mit 3-D-Illusionen ihren angestammten Platz verlassen – plötzlich tanzen Mauern und hüpfen Säulen. Was in Worten schwer beschreibbar ist, lässt Vorbeieilende des Abendverkaufs abrupt stoppen: staunende Gesichter, Szenenapplaus. Das 20-minütige Licht- und Tonspektakel besticht mit einer Präzision und Qualität, die das Bundeshaus im wahrsten Sinne des Wortes in einem neuen Licht erstrahlen lässt.
Schwierige Sponsorensuche
Initiiert wurde die vorweihnächtliche Aktion von Brigitte Roux und Urs Gysin. Beide kommen sie aus der Werbebranche. Die Idee, ein öffentliches Gebäude in der Schweiz derart illuminieren zu lassen, hatten sie bereits vor vier Jahren. Projekte in Zürich und Basel scheiterten aber aus verschiedenen Gründen. Auch in Bern schien das Terrain für die «Son et lumière-Kunst» lange unbespielbar. So konnte sich die Stadt Bern aus Spargründen nicht an den Kosten von 800'000 Franken beteiligen.
Sponsoren liessen sich ebenfalls keine finden. Schlussendlich sprang eine Privatperson in die Bresche. Die Initianten bedankten sich gestern an der Vorpremiere auch bei der Verwaltungsdelegation des Parlaments für deren Einverständnis, das Bundeshaus als Projektionsfläche nutzen zu dürfen. Und selbst die Stadt Bern erhielt dankende Worte: für das Bewilligen der Veranstaltung. Am Schluss der Projektion wird Friedrich Dürrenmatt zitiert: «Die Wirklichkeit ist nur ein Teil des Möglichen.» Brigitte Roux und Urs Gysin haben daran geglaubt.
Tauchgang in Schweizer Historie
Lichtkünstler Benoît Quero arbeitete mit zehn Personen drei Monate lang am Werk, das gestern Vorpremiere feierte. Als Leitfaden diente ihm das Motto «Die Schweiz zwischen Tradition und Innovation». Dabei sei er in die Geschichte der Schweiz eingetaucht, sagt der Franzose. Das Resultat, eine komplexe Computeranimation, erscheint als nahtloses Gesamtbild. Sieben leistungsstarke Projektoren sorgen für optische Brillanz.
Ähnliche Licht- und Tonspektakel liessen in anderen europäischen Städten jeweils mehrere Hunderttausend zusammenströmen. Für Bern rechnet Brigitte Roux auf Nachfrage des «Bund» denn auch mit «insgesamt 150'000 Zuschauern». (Der Bund)
Erstellt: 14.10.2011, 06:57 Uhr
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