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Dampfzentrale: Politik will mehr Transparenz

Von Bernhard Ott, Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 29.12.2011

Wer hat in den Personalquerelen in der Dampfzentrale welche Entscheidungen getroffen? Warum sitzen zwei Vertreter der SP im Vorstand? Die Politik will Antworten. Der personelle Scherbenhaufen in der Dampfzentrale wird ein Nachspiel haben.

Die Dampfzentrale steht zurzeit führungslos da.

Die Dampfzentrale steht zurzeit führungslos da.
Bild: Franziska Scheidegger (Archiv)

Stadtrat Martin Schneider (BDP) kann es nicht fassen: «Die strategische Führung der Dampfzentrale ist katastrophal», sagt der Präsident der stadträtlichen Kommission für Soziales, Bildung und Kultur (SBK). Die Kommunikation zwischen Vorstand und Mitarbeitenden habe nicht funktioniert. Die Zurückstufung des Co-Leiters Christian Pauli auf ein 50-Prozent-Pensum sei nicht gerechtfertigt, da es sich um einen «äusserst fähigen Mann» handle. Der Vorstand sei mit der Neuorganisation der Leitung der Kulturinstitution überfordert gewesen. «Wer traf da welche Entscheide und warum? Warum sitzen gleich zwei Vertreter der SP im Vorstand?», fragt sich Schneider.

Der Scherbenhaufen bei der Neubesetzung der Leitung der Dampfzentrale zeige, dass die Organisation der kulturellen Institutionen überdacht werden müsse. «Die Einsitznahme von Parteien- und Stadtvertretern muss überprüft werden», sagt Schneider. Es gehe nicht, dass die Stadt als Auftraggeberin zugleich in der strategischen Führung der auftragnehmenden Institutionen sitze. Die Dampfzentrale steht zurzeit führungslos da, weil die designierte Leiterin Bettina Fischer nach einer Vorstellungsrunde bei der Belegschaft einen Rückzieher gemacht hatte.

«Enormer Imageschaden»

Offiziell wird der Rückzieher mit einem «Unfall im näheren Familienumfeld» von Bettina Fischer begründet. Inoffiziell dürfte aber auch die kühle Reaktion der Belegschaft auf Fischer eine Rolle gespielt haben. Die Neubesetzung der Dampfzentrale-Leitung wurde nötig, weil Roger Merguin, Leiter Tanz, per April 2012 ans Zürcher Theaterhaus Gessnerallee wechselt. Die neue Leiterin Tanz hätte die Gesamtleitung des Hauses übernehmen sollen – ergänzt durch eine neu geschaffene Assistenzstelle.

Im Zuge dieser Neustrukturierung wäre Co-Leiter Pauli von bisher 70 auf 50 Stellenprozente zurückgestuft worden. Da dieses Pensum für ihn und seine Familie keine ausreichende Lebensgrundlage bietet, hat Pauli seinen Abgang angekündigt. «Ich masse mir nicht an, die offizielle Begründung für den Rückzug der designierten Leiterin infrage zu stellen», sagt Michael Köpfli (GLP). «Die Ereignisse der letzten Tage werfen aber Fragen auf.» Der Imageschaden für die Dampfzentrale sei jedenfalls enorm.

«Tschäppät muss Bremse ziehen»

Zumindest in einem Punkt sind sich die Parteienvertreter einig: Für die Bestellung der neuen Leitung ist grundsätzlich der Vorstand zuständig. Nebst Schneider stellt sich aber auch Lukas Gutzwiller (GFL) Fragen zur Zusammensetzung dieses Gremiums. «Ich bin erstaunt, dass zwei SP-Vertreter Einsitz nehmen.» Gutzwiller würde es begrüssen, wenn der Stadtrat Auflagen bezüglich der Zusammensetzung der Vorstandsgremien von Kulturinstitutionen machen würde. «Bei einer breiteren Abstützung des Vorstandes wäre es vielleicht nicht so weit gekommen», sagt das SBK-Mitglied.

FDP und SVP wiederum sehen nun Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) in der Pflicht. «Tschäppät muss nun die Notbremse ziehen, bis es wieder eine klare Führungsstruktur gibt», sagt SVP-Fraktionschef Roland Jakob. Das Kulturangebot der Dampfzentrale müsse ohnehin überdacht werden.

Schaller fühlt sich nicht gefordert

Veronica Schaller, Leiterin der Abteilung Kulturelles, sagt: «Das Verhältnis zwischen der Stadt und der Dampfzentrale gründet auf dem vom Volk genehmigten Leistungsvertrag. Dieser lässt Änderungen im Angebot zu, aber keine Kehrtwenden. Wie bei allen grossen Institutionen, die von der Stadt subventioniert werden, sitzt ein Mitarbeiter der Abteilung Kulturelles im Vorstand. Dies dient dem Informationsfluss und erleichtert die Unterstützung bei Bedarf. Zudem findet jährlich ein Controllinggespräch statt, an dem über Inhaltliches und Finanzielles gesprochen wird. Solange der Leistungsvertrag eingehalten wird, gibt es keinen Grund für weitere Interventionen, das gilt für die Dampfzentrale wie auch für alle anderen von der Stadt subventionierten Kulturinstitutionen.» Der Leistungsvertrag werde von der Dampfzentrale eingehalten. «Das Angebot ist heute ein fester Bestandteil im kulturellen Leben», sagt Schaller, «der Vorstand arbeitet engagiert und kompetent. Was die künstlerische Ausrichtung des Tanzes und der Musik im Rahmen des Leistungsvertrags und die Neubesetzung der Leitung betreffe, so sei dies allein Sache des Vorstands, sagt Schaller.

Für die zwei SP-Vertreter im Vorstand der Dampfzentrale gibt es laut Präsidentin Nicola von Greyerz (SP) eine einfache Erklärung: «Wir hatten uns vergeblich darum bemüht, auch Bürgerliche für den Vorstand zu gewinnen», sagt von Greyerz. (Der Bund)

Erstellt: 29.12.2011, 06:52 Uhr

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