«Costa gehört zu den Besten», sagt der Kreuzfahrt-Spezialist

Von Simon Jäggi. Aktualisiert am 17.01.2012

Das Berner Reisebüro Marina Travel ist spezialisiert auf Kreuzfahrten – Stornierungen gab es bislang keine.

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Die Costa Concordia vor dem Untergang

Die Costa Concordia vor dem Untergang
Luxus und Wellness pur: Was das ehemals grösste Kreuzfahrtschiff Italiens den Passagieren zu bieten hatte. Ein Rundgang in Bildern.

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«Das war ein Trottel», sagt Jean Stalder über den Mann, der bei der verunglückten Costa Concordia am Steuerruder stand. Stalder hat vor 37 Jahren die Marina Travel AG an der Kappellenstrasse gegründet. Das Reisebüro ist spezialisiert auf allerlei Reisen auf dem Wasser – also auch auf Kreuzfahrten. Die Reise auf dem Unglücksschiff hätte man auch bei Stalder buchen können: Kreuzfahrten der Reederei Costa sind bei Marina Travel im Angebot. Stornierungen oder andere Reaktionen hat der Kreuzfahrt-Spezialist keine verzeichnet. «Wir werden aber sicher Auskunft geben müssen – es ist wichtig, dass man offen informiert.»

Stalder warnt eindringlich davor, nun in Hysterie zu verfallen: «Die Schiffe sind sehr sicher, man muss ja auch Jahrzehnte zurückschauen, um einen ähnlichen Vorfall zu finden – dabei sind unzählige Kreuzfahrtschiffe unterwegs.» Die Costa Concordia sei eigentlich mit modernster Technik ausgerüstet. Das Unglück sei daher eher auf ein grobes Fehlverhalten des Schiffführers zurückzuführen – selber hat Stalder die Unglücksstelle mehrmals passiert. So nahe ans Ufer zu fahren, das sei wahnsinnig: «Man sollte immer einen Sicherheitsabstand zum Ufer halten – auch bei kleineren Schiffen.» Offenbar wollte der Kapitän einem Angestellten eine Freude machen, wie gestern durchsickerte. Wahrscheinlich sei aber, dass nicht der Kapitän am Steuer gewesen sei. «Der Kapitän ist heute mehr Manager, Koordinator und Repräsentationsfigur – das Schiff wird vom Steuermann gelenkt.» So oder so habe aber der Kapitän seine Verantwortung nicht wahrgenommen.

Die Reederei Costa sei sonst eine sehr seriöse Gesellschaft – «eine der besten», wie der Kreuzfahrtanbieter findet: «Ich würde auch jetzt niemandem von Costa abraten.» Auch glaubt Stalder, dass die allermeisten Gesellschaften die Sicherheit hochhielten – mehr als die Passagiere. «Die Evakuierungsübung ist zur Folklore geworden, zu einer Pflichtübung, die niemand wirklich ernst nimmt.» Wenn der Notfall dann doch eintreffe, seien die Anweisungen vergessen. «In der Nacht und mit verschiedenen Nationalitäten auf einem Schiff, wird die Evakuation zusätzlich erschwert – und rasch zum Chaos.» (Der Bund)

Erstellt: 17.01.2012, 06:59 Uhr

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