Bern

Christoph Lerch wird Statthalter

Von Daniel Vonlanthen. Aktualisiert am 18.05.2009 2 Kommentare

Überraschend deutlicher Sieg des SP-Kandidaten Christoph Lerch in der Region Bern-Mittelland: Er wird mit 59 Prozent der Stimmen zum Regierungsstatthalter und Nachfolger von Regula Mader gewählt. Damit bleibt das Amt in SP-Hand.

Der 52-jährige Statthalter Christoph Lerch sucht die Vermittlerrolle und den Ausgleich zwischen Stadt und Land. (Franziska Scheidegger)

Der 52-jährige Statthalter Christoph Lerch sucht die Vermittlerrolle und den Ausgleich zwischen Stadt und Land. (Franziska Scheidegger)

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Es war eine Ausmarchung unter zwei gleichwertigen Kandidaten gewesen: hier Fürsprecher und Sozialdemokrat Christoph Lerch aus der Stadt Bern, dort Fürsprecher und SVP-Mitglied Jean-Pierre Vicari aus Münchenbuchsee. Beide gaben sich betont bürgernah und strichen ihre Vermittlerfähigkeiten hervor. Vicari, dem langjährigen Gerichtspräsidenten am Kreisgericht Bern-Laupen, standen in dieser Kampfwahl deutlich mehr Mittel zur Verfügung als seinem Konkurrenten Lerch, was sich auf den Werbeflächen niederschlug. Während Lerch von SP, Grünen und Gewerkschaften getragen wurde, stand hinter Vicari ein Komitee mit SVP, FDP, CVP, EDU und SD; auch Gewerbe und Hauseigentümer unterstützten ihn. Die BDP indes blieb dem Komitee fern.

Der Sieg Lerchs wird als Überraschung gewertet, zumal sich durch die Verwaltungsreform ein neuer grosser Kreis mit 276759 Stimmberechtigten ergab. Lerch erzielte im knapp hundert Gemeinden umfassenden Wahlkreis Bern-Mittelland 52451 Stimmen, Vicari deren 36525. Einen überwältigenden Sieg mit 70 Prozent der Stimmenden erzielte Lerch in der Stadt Bern, während Vicari in seiner Wohngemeinde Münchenbuchsee mit 56 Prozent punktete.

Kopf an Kopf in Muri

Doch selbst in der Agglomeration und in ländlichen Gemeinden erzielte Vicari nicht jene Stimmen, die ihm zum Sieg gereicht hätten. Deutliche Mehrheiten für Vicari ergaben sich etwa in Allmendingen (58%), Belpberg (67%), Ferenbalm (59%), Guggisberg (56%), Kirchdorf (56%), Neuenegg (52%), Oberbalm (56%), Riggisberg (58%), Rüeggisberg (55%), Stettlen (53%), Wald (56%) und Zuzwil (53%). In Muri schwang Vicari mit 50,5 Prozent lediglich knapp obenaus. Die Stimmbeteiligung betrug 33,7 Prozent.

Es sei ihm nicht gelungen, auf dem Land die nötigen Stimmen zu erzielen, um den Rückstand in der Stadt Bern aufzuholen, sagte Vicari gestern nach spontaner Analyse. Eine schlüssige Erklärung für seine Niederlage konnte Vicari nicht abgeben. Eine persönliche Belastung erfuhr er kürzlich durch den Tod seiner Mutter. Vicari bleibt Gerichtspräsident und Gemeindeparlamentarier in Münchenbuchsee.

Das ländliche Bern überzeugt

«Es ist mir gelungen, meine Glaubwürdigkeit darzulegen», kommentierte Lerch seinen Sieg. Die Deutlichkeit des Resultats habe ihn selber überrascht. Der Sieg sei letztlich auch eine Bestätigung der Arbeit der Vorgängerin und Parteikollegin Regula Mader. Hocherfreut zeigten sich Béatrice Stucki, Kopräsidentin der SP-Stadtpartei, und Matthias Burkhalter, Präsident der SP Region Bern-Mittelland: Lerchs Kandidatur habe auch das ländliche Bern überzeugt.

Der Ermessensspielraum des Regierungsstatthalters bei Bauentscheiden und in Beschwerdeverfahren wird als relativ gering bezeichnet. (Der Bund)

Erstellt: 18.05.2009, 08:28 Uhr

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2 Kommentare

Peter Beutler

18.05.2009, 09:20 Uhr
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Der Sieg des SP-Kandidaten Lerch ist eigentlich keine Überraschung, das Ausmass allerdings schon.Da dürfte auch das Donnergrollen der herannahenden Krise eine Rolle gespielt haben.Wie bei der Zürcher Stadtpräsidendinnenwahl, anderen Exekutivwahlen in Städten und Kantonen konnten sich die Kandidierenden der Linken, vor allem der SP, überraschend gut durchsetzen.Dieser Trend könnte sich verstärken. Antworten


Urs Wüthrich

18.05.2009, 23:05 Uhr
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Christoph Lerch wird nicht "nur" Nachfolger von Regula Mader, sondern von insgesamt 6 Statthaltenden auch in den Amtsbezirken Konolfingen, Laupen, Schwarzenburg und teilweise in Seftigen und Fraubrunnen. Bitte die zu stark "stadtlastige Brille" reinigen und präzisieren. Analoges spielte sich schon in den Kandidatenpräsentationen ab. Im heutigen Artikel ist es der "Leadtext" - schade! Antworten



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