Bunter Reigen der Berner Religionsgemeinschaften

An der 4. Nacht der Religionen ging es um Gemeinsamkeiten und Gegensätze.

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Das Feuer lodert vor der prall gefüllten gläsernen Aula des Gibb-Campus in der Lorraine. Hier findet die Eröffnungsveranstaltung der Nacht der Religionen statt. Das «heilige Feuer», das die engagierten Menschen unabhängig ihrer Religion vereine, ist das Motto der diesjährigen Ausgabe.

Bereits zum vierten Mal lädt die Nacht der Religionen Menschen aller Weltanschauungen dazu ein, die acht «Berner Weltreligionen» zu besuchen – in ihren jeweiligen Gotteshäusern: Synagogen, Moscheen, Tempel und Kirchen. Ein gewaltiges, aber reizvolles Unterfangen für einen einzigen Samstagabend.

Alevitische, liberale Werte

Nach der Eröffnungsrede durch Regierungsrat Bernhard Pulver lud die Gemeinschaft der Aleviten die Anwesenden zum «Cem» ein. Die traditionelle Zeremonie zu Klängen der Langhalslaute Saz vermittelt die Werte der alevitischen Glaubenslehre, wie Sprecherin Nesilhan Kiliç den Anwesenden erklärt.

Auffallend ist das stark liberale und säkulare Gedankengut, das den Menschen ins Zentrum stellt und damit die Eigenverantwortung des Einzelnen betont sowie die Gleichheit aller Menschen – auch die von Mann und Frau. «Die Aleviten betonen, dass ihre Religion in der vorislamischen Zeit wurzelt und erst später Einflüsse vom Islam übernommen habe», erklärt Hartmut Haas, Koordinator für die nicht-christlichen Religionen, am Rande der Feier. Bei den Konflikten mit der türkischen Mehrheitsreligion vermischten sich religiöse aber auch mit politischen Anliegen: Bei den Aleviten, zu denen auch Türken gehören, ist es der Unabhängigkeitskampf um Kurdistan.

Religiöse Konflikte sind politisch

«Alle Bezüge zu politischen Konflikten sind heikel», so Haas. Ohne diese sei die Begegnung verschiedener Religionen meist von Offenheit geprägt. So sei zwar das Verhältnis von alevitischen Kurden und muslimischen Türken gespannt, wohingegen muslimische Bosnier mit Kurden keine Probleme hätten.

Die Nacht der Religionen unterstreicht jedoch mehr die Gemeinsamkeiten der Religionen: Für Haas ist es der Ausdruck der Bejahung des Lebens. Haas ist Geschäftsführer des Hauses der Religionen, das die Nacht der Religionen initiiert hat. Durch den interreligiösen Treffpunkt kennen sich die Vertreter der Glaubensrichtungen heute, und das Haus sei nunmehr Partnerin der Veranstaltung und Plattform für den Austausch zwischen den Vertretern der verschiedenen Gemeinschaften.

Vorträge und feurige Diskussionen

Trotz spannenden Diskussionen gilt es weiterzuziehen durch die neblige Nacht. Die Wahl aus zwanzig Schauplätzen der rund fünfzehn vertretenen Glaubensgemeinschaften, die das «Feuer» in Vorträgen, Zeremonien und Musik aufgreifen, fällt schwer. Das Haus der Religionen wagt sich an die «heissen Eisen» grundlegender, glaubensübergreifender Fragen.

Erfrischend ist die Diskussionsrunde mit Jugendlichen verschiedener Konfessionen, die ihre Meinungen unverhohlen kundtun: «Ich glaube an die Evolution, und ich glaube auch an meinen Gott, und den kann mir niemand wegnehmen», so eine Gymnasiastin. «Wozu brauchen wir eine Religion, wenn wir ethisch-moralische Grundsätze haben?», fragt ein anderer, während für eine dritte, etwas jüngere Besucherin der Buddhismus «einfach die beste Religion» ist. Den feierlichen Schluss bildet ein Konzert der Sikh-Gemeinschaft in der Heiliggeistkirche. Als sich die Kirche leert, spielen zwei Freundinnen auf dem Kirchenpiano. Eine ältere Frau gesellt sich dazu, später die Sikh-Musiker. Abwechslungsweise spielen sie sich etwas vor. (Der Bund)

Erstellt: 14.11.2011, 08:35 Uhr

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