Bündner Aktionskünstler entdeckt die Aare
Von Fiona Ziegler. Aktualisiert am 15.07.2010
«Was für ein Erlebnis – das werde ich nie vergessen», sagt Ernst Bromeis, als er im Marzili beim letzten Stägli aus der Aare klettert. Nach dem Durchqueren des Lago Maggiore, des Genfersees und des Neuenburgersees wurde gestern die Aare Teil seines Wasserprojekts: Der WWF-Wasserbotschafter schwamm am Nachmittag vom Eichholz bis zum Marzili.
Für einen guten Zweck
«Das Blaue Wunder» – so heisst das Projekt des Aktionskünstlers. Finanziert und unterstützt wird es durch Sponsoring und den WWF Schweiz. Während 30 Tagen durchquert Bromeis die grössten Seen in jedem Kanton. Dabei legt der Sportler gut 310 Kilometer durch die Schweizer Wasserlandschaft zurück. Sein Ziel: die Bevölkerung für den unermesslichen Wert des Wassers zu sensibilisieren.
Die Idee zum Projekt kam Bromeis beim Kaffeetrinken. Auf dem zum Kaffee gehörenden Zückerli war die Schweiz mit all ihren Seen abgebildet. Die weiss eingezeichnete Seenlandschaft lenkte die Aufmerksamkeit des Bündners auf den Kanton Graubünden, der wegen der vielen Seen fast gänzlich weiss war.
Vor zwei Jahren schwamm Bromeis dann durch 200 Bündner Seen. Was als lokales Projekt begann, weitete sich zu einem schweizweiten Projekt aus.
Der Schwumm in der Aare, als nicht ruhiges Seegewässer, hebt sich als Besonderheit vom Gesamtprojekt ab: «Ich bin über 100 Kilometer durch Schweizer Seen geschwommen und war stundenlang im Wasser. Während die Seen eher monoton sind, hörte ich in der Aare plötzlich ein Rieseln und wusste nicht, was es ist. Erst nach einer Weile wurde mir bewusst, dass es die Steine am Grund des Flusses sind, die dieses Geräusch verursachen.» Das sei fast wie ein Intro zu einem U2-Song, lacht Bromeis.
«Wasser ist endlich»
Mit dem Durchqueren des Lac Léman etwa möchte der Wasserbotschafter zeigen, dass selbst das grösste Süsswasserreservoir Westeuropas endlich ist, denn: «Irgendwann stösst man wieder an die Grenze, ans Ufer, auch wenn der See noch so lang ist», meint Bromeis. Mit «dem Schwimmen als künstlerischem Akt» möchte er beweisen, dass Wasser nicht in unendlichen Mengen vorhanden ist und damit als Ressource seine Grenzen hat.
Es sei ein «schönes Projekt», aber es brauche Zeit, um damit wirklich etwas bewegen zu können, sagt Bromeis. Sein Projekt soll deshalb weiter und über die Schweizer Landesgrenze hinaus gehen: In einem neuen Anlauf möchte der Bündner von der Quelle des Rheins bis nach Rotterdam schwimmen. Der europäische «Überfluss» würde das Projekt sinnvoll abrunden, so Bromeis. (Der Bund)
Erstellt: 15.07.2010, 08:14 Uhr
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