Bruno im Wunderland

Regierungsratskandidat Bruno Moser ist ein Mann mit einer Mission.

Bruno Moser aus Prés-d'Orvin. (zvg)

Bruno Moser aus Prés-d'Orvin. (zvg)

Wer in Prés-dOrvin durch den Schnee zu Bruno Mosers Haus stapft, kommt an einem Schild vorbei. «Neuland» steht darauf geschrieben.

Seit Jahren versucht Bruno Moser, die Menschheit Richtung Neuland zu bewegen. Bislang vergebens. Er will die Bodenrente einführen: Nicht auf Arbeit und Kapital sollen Steuern erhoben werden, sondern auf den Boden. Die Bodenrente sei der einzige Weg, wie die Menschheit noch zu retten sei, ist Moser überzeugt. Sein Problem ist, dass dies die Menschheit bisher noch nicht gemerkt hat.

Von den 14 Regierungsratskandidaten ist Moser bestimmt der Auffälligste. Nicht nur, weil er auf dem Bild in den Wahlunterlagen Sonnenbrille und Ziegenbärtchen trägt: Als Berufsbezeichnung hat Moser «Revolutionär» angegeben. Ein romantischer, in die Jahre gekommener Sozialist ist er aber nicht. Weder die Rechten noch die Linken hätten ihn gewollt, sagt er, bei beiden Seiten habe er angeklopft. Revolution, das heisst für ihn die Bodenrente einführen. Dafür kämpft er, den ganzen Tag. Einer Anstellung gehe er nicht nach, sagt Moser. Er sei Revolutionär, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Seine Frau habe nicht immer Freude deswegen, räumt er ein. Wie er seinen Lebensunterhalt bestreitet, mag Moser nicht beantworten, das sei Privatsache. Aber er lebe spartanisch. Kopfsteuer bezahle er keine mehr, keine Krankenkassenprämien, keine Fernsehgebühren. Nur die Rechnungen der Swisscom müsse er noch begleichen, damit er einen Internet-Anschluss habe.

Denn im Internet recherchiert Moser oft. Etwa zu Rive-Reine, einer geheimen Konferenz am Genfersee zwischen Toppolitikern und Topmanagern. Moser ist überzeugt, dass die Geschicke des Landes dort verhandelt werden: Dort sei etwa die Schweinegrippe inszeniert worden. Dann schwenkt Moser zu einem neuen Thema, zu 9/11: Das Attentat habe die US-Regierung selbst geplant. Ein Gespräch mit Moser ist wie eine Hasenjagd: Ständig wirft er neue Stichworte in die Diskussion, und der Zuhörer hechelt hinterher.

Wird er gewählt, dann «tätschts» Vor zwölf Jahren hat der «Bund» Moser schon einmal porträtiert. Damals war er mit seinem Haflinger in den Strassen Berns unterwegs – das «Neuland»-Schild hing am grünen Militärauto –, und schon damals war er unterwegs mit dem Ziel, die Menschheit für seine Idee zu gewinnen. Auch für die Regierungsratswahl meldete sich Moser damals an.

Die Kantonswahlen nimmt Moser aber nicht wirklich ernst. Er nennt sie eine Volkstäuschung, eine Farce. Sollte er aber ans Ruder kommen, verspricht er, dann «tätschts». Als Erstes bei der Steuerverwaltung. Dort versucht Moser länger schon, den Gesamtbodenwert im Kanton Bern in Erfahrung zu bringen, um auszurechnen, wie hoch die Einnahmen wären, wenn der Boden besteuert würde. Er wurde vertröstet, die Zahlen könne man nicht herausgeben. Schon oft hat Moser Beamte und Politiker angeschrieben, kaum je erhält er Antwort.

Auf die Bodenrente ist Moser während seiner Lizenziatsarbeit gestossen, die Entdeckung veränderte seine Sicht auf das, was er im Volkswirtschaftsstudium gelernt hatte. Die Idee der Bodenrente geht zurück in die Anfänge der Volkswirtschaftslehre. Der einflussreichste Befürworter einer Einheitssteuer auf Land war der Buchdrucker Henry George (1839–1897). Sein Werk verkaufte sich millionenfach. Von so viel Zuspruch kann Moser nur träumen: An der Uni habe man ihn aus dem Tempel geworfen, als er mit seinen Ideen gekommen sei. Wenn Moser von dem Staat erzählt, in dem die Bodenrente eingeführt worden ist, dann klingt es nach einem Wunderland. Es gebe keine Steuerhinterziehung mehr, da Boden nicht in einem Steuerparadies versteckt werden könne. Auch die Bodenspekulation verschwinde, das Land würde besser und ökologischer genutzt. Jeder erhalte eine Bürgerdividende, müsse weniger arbeiten. Auf jeden Einwand hat Moser eine Antwort parat.

Wem niemand glaubt, der kann selber nicht auch noch Zweifel an seinen Ideen zulassen. Nachdem sich Moser für einmal eine kurze Redepause gegönnt hat, meint er: «Ich wäre froh, wenn ich falsch läge.» (Der Bund)

Erstellt: 15.03.2010, 08:53 Uhr

Bern

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