Bern
Brabeck-Referat an der PH Bern sorgt für Wirbel
Von Joël Baumann. Aktualisiert am 12.10.2012 2 Kommentare
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Der ehemalige CEO der Nestlé Peter Brabeck soll in Bern ein Referat halten. Am 22. Oktober spricht der Chef des weltweit grössten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé Peter Brabeck-Letmathe an der Pädagogischen Hochschule Bern am Montagsforum des Instituts für Weiterbildung eine Stunde lang zum Thema «Innovation umsetzen».
Ein Angebot für Schulleiter
Auf Facebook formiert sich bereits Widerstand gegen die Veranstaltung: Eine Facebook-Gruppe mit dem Namen «Brabeck in die Wüste schicken» ruft zu einer Demonstration mit Start am Berner Ostring auf. Im Text wird kritisiert, dass die PH Bern Brabeck ein Podium für seine «menschenfeindlichen Innovationen» biete. Auf der Seite steht zudem, Nestlé wolle Wasserquellen privatisieren, um so den Gewinn maximieren zu können. «Er will mit Nestle auf Kosten der Ausgebeuteten Milliarden scheffeln», heisst es weiter. Etwas weniger als 3400 Personen wurden eingeladen, beigetreten sind bis am Freitagabend knapp deren achtzig.
Cla Martin Caflisch, Leiter des Fachbereichs Kommunikation und Marketing der PH Bern, hat Kenntnis vom Demonstrationsaufruf, geht aber davon aus, «dass das Forum im vorgesehenen Rahmen stattfinden kann», wie er dem Onlinemagazin «Journal B» sagt. Gegenüber derbund.ch/newsnet erwähnt Caflisch aber auch, dass das Forum auch schon Vertreter der SP, Pro Helvetia oder Max Havelaar eingeladen habe, also von links bis rechts offen sei. Das Montagsforum findet seit fünf Jahren im selben Rahmen statt: Begrüssung und Referat der eingeladenen Person, wie auch eine Frage- und Diskussionsrunde, an der es auch immer Raum für kritische Fragen gebe. Studenten seien zwar herzlich eingeladen, das Forum richte sich aber in erster Linie an Schulleiter.
Ethik-Professor fordert Gegenreferat
Die Kritik an Nestlé ist Caflisch bekannt. Die Politik steht bei der Veranstaltung aber nicht im Zentrum: «Montagsforen widmen sich aktuellen Führungsthemen», ist dem Programm zu entnehmen. Im Zentrum stehe ein Referat einer Expertin oder eines Experten aus Bildung, Wirtschaft, Politik oder Kultur. Unter Anderen hat auch der ehemalige SBB-CEO Benedikt Weibel ein Referat zum Thema «Führung» gehalten. Der Astronaut Claude Nicollier sprach am Forum zum Thema «Visionen entwickeln, Visionen leben».
Die Kritik richtet sich nicht in erster Linie an die Veranstaltung an sich, sondern an den Referenten Brabeck. PH-Dozent und Ethik-Professor Thomas Kesselring wirft die Frage auf, was Schulen grundsätzlich von Grosskonzernen lernen können. Weiter gibt er «Journal B» zu Protokoll: «Abgesehen davon ist Brabeck eine sehr kontroverse Figur» und «ein Gegenreferat absolut notwenig». In Zürich wurde Brabecks Auftritt 2009 mit einem Gegenreferat von Peter Niggli von Alliance Sud ergänzt, in Bern ist ein soches nicht geplant. Bei der Veranstaltung in Zürich stand die Politik im Zentrum, der Titel der Veranstaltung war «Wasser ist kein Menschenrecht». Brabecks Standpunkte lockten über 500 Personen an das «Wassergespräch» in Zürich. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.10.2012, 16:47 Uhr
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2 Kommentare
Schade - ich hätte eine Auseinandersetzung bevorzugt. Wie soll man sich in einer pluralistischen Gesellschaft eine eigene Meinung bilden, wenn einige den anderen das Reden verbieten oder verunmöglichen? Toleranz, meine Lieben, Toleranz, etwas mehr Vertrauen in die Menschen und ihre Urteilsfähigkeit und Meinungs- und Redefreiheit nicht nur für empörte Protestler, sondern für alle. Antworten
Das Ganze ist einfach nur peinlich. Weiterbildungsangebote an der PH werden ca. 6 Monate vor dem eigentlichnen Termin ausgeschrieben.
Einen Referenten so kurz vor dem Termin ausladen ist ein absolutes no- go. Und durch ihr Verhalten haben es die N-Gegner verpasst, Herrn Brabeck Fragen zu stellen.
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