Bieler Konvertiten gefährden Integration
Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 20.04.2010 6 Kommentare
Zentralrat will nach Bern
Der formell erst im Oktober 2009 als Verein gegründete Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) will sich als «islamische Basisorganisation mit nationaler Ausrichtung» zunehmend als Vertretung der Muslime in der Schweiz etablieren. Derzeit zählt er nach eigenen Aussagen rund 1000 Mitglieder – Tendenz steigend – und operiert vorwiegend von Biel aus. Nun will er ausbauen und sucht einen repräsentativen Geschäftssitz in der Stadt Bern. Laut Sprecher Qaasim Illi braucht der Zentralrat fünf bis sechs Zimmer für Büros und Archiv – ein Gebetsraum sei zudem «wünschenswert». Illi rechnet mit der Eröffnung in der Bundesstadt im Herbst.
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Nicolas Blancho und Qaasim Illi auf allen Kanälen: Der 26-jährige Präsident des Islamischen Zentralrats und sein Sprecher prägen derzeit die Islamdebatte in der Schweiz. Dies, obschon beide in nicht muslimischen Familien aufgewachsen und erst als Jugendliche zum Islam konvertiert sind. Je nach Einschätzung sind sie unterdessen zu gefährlichen Fundamentalisten oder einfach zu konservativen Muslimen geworden. So fordern sie etwa «islamische Primar- und Oberstufenschulen» in der Schweiz. Dass die beiden aus dem weltoffenen, linken Biel stammen, konnte bisher als Zufall abgetan werden. Nun hat aber die Muslimische Gemeinde Biel den Beitritt zu Blanchos Islamischem Zentralrat beschlossen. Ist das nun ein Zeichen, dass sich die Stadt unbeachtet in einen Hort islamischer Fundamentalisten gewandelt hat?
In Biel hat sich die Zahl der Muslime von 1990 bis 2000 fast verdreifacht und dürfte seither von 3160 auf 4000 bis 5000 gestiegen sein, was fast 10 Prozent der Bevölkerung entspräche. Die Muslimische Gemeinde Biel (MGB) vertritt als Dachverband sieben der acht islamischen Zentren. Fünf hätten dem Beitritt zum Islamischen Zentralrat zugestimmt, sagt Sekretär Daniel Morgenegg. Die anderen seien abwesend gewesen oder hätten sich enthalten. Mit dem Entscheid der MGB bekommt der Zentralrat aber keineswegs Tausende neuer Mitglieder, sondern nur gerade eines. Lediglich der Dachverband als juristische Person ist neu Mitglied im Zentralrat. «Wir hoffen, dass der Zentralrat die Interessen der Muslime auf nationaler Ebene vertreten kann», begründet Morgenegg den Entscheid der MGB.
«Krachmacher helfen nicht»
Auf lokaler Ebene dürfte der Schritt aber eher das Gegenteil bewirken. «Die Krachmacher vom Zentralrat helfen den Muslimen nicht weiter», sagt eine Bieler Muslimin, die nicht mit Namen genannt werden will. Auch Politiker erwarten nichts Gutes: «Die radikalen Äusserungen der Zentralratsvertreter sind kontraproduktiv für die Integration», sagt Thomas Minger, Präsident des Bieler Begegnungszentrums Multimondo, dadurch nehme die «Aufnahmebereitschaft» der hiesigen Bevölkerung ab. Stadtpräsident Hans Stöckli (SP) befürchtet gar konkrete Rückschläge bei den Integrationsbemühungen. Seit sieben Jahren wird nach Möglichkeiten gesucht, auf Bieler Friedhöfen muslimische Grabfelder einzurichten – bisher erfolglos. «Ich hoffe», so Stöckli, «dass wegen radikaler Aussagen einzelner Muslime der Widerstand gegen das Projekt nicht noch grösser wird.»
Zwar wird allgemein betont, Blancho und Illi seien nicht repräsentativ für die Bieler Muslime. Der Bieler Schuldirektor Pierre-Yves Moeschler (SP) macht sich nach dem Beitritt der Muslimischen Gemeinde Biel zum Zentralrat aber doch so seine Gedanken: «Haben wir etwas verpasst? Sind die vernünftigen, integrationswilligen Menschen, mit denen wir es stets zu tun haben, nur ein Teil der Realität?», fragt er sich. Doch wie soll man konservativen Konvertiten mit einem Gesellschaftsbild, das auf Abgrenzung basiert, begegnen? Integrationsbemühungen greifen hier zu kurz. FDP-Stadtrat Stefan Kaufmann formuliert es so: «Es gibt genügend Institutionen, die sich mit Integration beschäftigen. Diesem Phänomen stehen wir jedoch hilflos gegenüber.» (Der Bund)
Erstellt: 20.04.2010, 11:44 Uhr
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6 Kommentare
Da muss man sich nicht verwundern, werden Minarettverbote angenommen, nach Burkaverbot geschreit, usw. Aber ok. Sie wollen es nicht anders, dann kann wenigstens dieser scheinintellektuelle Club Helvetique nichts mehr sagen und die Rassismuskomission sollte dann in Zukunft schweigsamer werden. Antworten
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