Biel setzt neue Massstäbe mit seinem Veloverleihsystem
Von Reto Wissmann. Aktualisiert am 01.10.2010
Man kennt sie bereits aus europäischen Metropolen und neuerdings auch aus Westschweizer Städten: automatische Veloverleihsysteme. Mit einer Chipkarte oder einem Geldstück leiht man sich an einer Station ein meist auffällig bemaltes und mit Werbung dekoriertes Velo aus, erkundet die Stadt oder macht Besorgungen und stellt das Velo dann an einer anderen Station wieder ab. So praktisch solche Systeme für die Benutzer sind, so aufwendig sind sie zu realisieren. Die speziell dafür installierten Veloständer nehmen im eh schon knappen öffentlichen Raum viel Platz ein und kosten eine ganze Stange Geld.
Mit «Velospot» präsentierte die Stadt Biel gestern nach eigenen Angaben eine «Weltneuheit» und schafft damit die grossen Probleme aus dem Weg. Ob neue Probleme auftauchen, wird sich in der zweijährigen Pilotphase zeigen, die nächste Woche startet. «Unser System ist bestechend einfach», sagt der Bieler Baudirektor Hubert Klopfenstein (FDP). Statt aus fix installierten Veloständern, an denen die Velos angedockt sind, besteht eine Ausleihstation lediglich noch aus einem roten Würfel auf einer Stange. Die Leihvelos stehen in der Nähe dieses Würfels auf ganz normalen, bereits existierenden Veloparkplätzen. Der Würfel «kommuniziert» über Funk mit den Velos und hält via Handynetz Verbindung zum zentralen Server. Die Betreiber wissen somit stets, wer welches Velo ausgeliehen hat. Zudem können die Nutzer über Internet jederzeit abklären, an welcher Station noch Velos verfügbar sind.
Die Elektronik im Würfel wird von einer Batterie betrieben, auch ein Stromanschluss ist somit nicht nötig. «Der Aufbau einer solchen Station dauert nur eine halbe Stunde», schwärmt Jonas Schmid, Projektleiter bei der Bieler Baudirektion. Es seien weder Bauarbeiten noch Baubewilligungen nötig. Stationen könnten somit auch nach Bedarf verschoben werden. Im Sommer werde es zum Beispiel am See mehr Ausleihstationen brauchen als im Winter.
Eine Chipkarte als Schlüssel
Die Nutzer von «Velospot» erhalten eine Chipkarte, mit der sie die Leihvelos aufschliessen können. Wer über Mobility Autos ausleiht, kennt das System bereits. Brauchen die Kunden das Fahrrad nicht mehr, stellen sie es einfach bei einer beliebigen Station ab und schliessen das elektronische Schloss. Somit steht es für den nächsten Kunden zur Verfügung. Ein Jahresabonnement für «Velospot» wird zwischen 50 und 100 Franken kosten. Wie eine Tageskarte gelöst werden kann und was eine solche kostet, ist derzeit noch unklar.
Von Oktober bis März läuft eine Testphase mit 50 Velos an sechs Stationen. Neben vier Firmen können sich auch Privatpersonen daran beteiligen. Danach wird «Velospot» mit 300 Velos an 40 Stationen flächendeckend eingeführt. Nach zwei Jahren wertet die Stadt das System dann aus und entscheidet über die definitive Einführung. Bereits heute zeigen andere Städte Interesse an der Bieler Eigenentwicklung.
Anschaffung, Betrieb und Unterhalt kosten während der ersten zwei Jahre 900 000 Franken und sind damit nach Angaben der Stadt Biel nur halb so teuer wie beim Westschweizer System «Velopass». Die Uhrenfirma Rolex beteiligt sich mit 240 000 Franken und erhält dafür eine Verleihstation auf ihrem Firmengelände. 90 000 Franken zahlt die Warenhauskette Manor für Werbung auf den Velos. Weitere Gelder stammen vom Bund und vom kantonalen Lotteriefonds. Den Unterhalt der Velos besorgen Langzeitarbeitslose im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms. (Der Bund)
Erstellt: 01.10.2010, 08:48 Uhr
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