Bernische Classe politique hinter Gittern

Wer das Glas erhebt – und wer den Treppenlift nach oben braucht: Stimmungen vom Wahlabend in Bern.

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Eine Touristengruppe staunt über die Polizeipräsenz in der sonst ruhigen Berner Altstadt. «Was ist da los?», fragt die Fremdenführerin. Aha, Wahlen. Vor dem Rathaus steht ein Zaun. Es darf jeder hinein, er oder sie wird nur polizeilich beäugt. «Mich stört das etwas», sagt die Bolliger SP-National­rätin Margret Kiener Nellen, «das war früher nicht so.»

So wie immer ist die Funktion des Rathauses: eine Bühne, auf der Blumensträusse überreicht und Tränen abgewischt werden, eine Wanne für das Bad in der Menge, ein Hotspot der TV- Scheinwerfer, denn alle Kandidierenden sind für die Medien auf dem Präsentierteller. Medien gibt es viele, man staunt, was da auf den Mikrofonkrausen der Privatradios alles draufsteht. Die «Regionaljournal»-Redaktorin muss Adrian Am­stutz (SVP) energisch ins Gebühren­studio lotsen, damit er nicht von den Privatradios «stibitzt» wird.

Was ist mit der FDP los? Nicht einmal FDP-Chef Fulvio Pelli weiss, ob er gewählt ist, als er zur Elefantenrunde der Parteipräsidenten im Studio Leutschenbach antritt. Die Berner FDP sitzt im Rathaus in Gestalt von Corinne Schmidhauser in einer dunklen Ecke zwischen WC, Stellwänden und Treppengeländer, will das aber nicht als Verkriechen verstanden wissen, wie sie dem «Bund» lächelnd erklärt.

Ruhe im Rathauskeller

Im Restaurant Rathauskeller ist es zu ruhig, findet die bayrische Beizerin, die seit 20 Jahren in der Schweiz lebt. Der Polizei-Mannschaftswagen vor dem Eingang halte wohl Familien von einem Besuch ab, vermutet sie. Die Wirtin ist neutral und beherbergt zwei Parteien. Die SVP-Mannen sitzen im Keller, ruhig und gesittet wie an einer Lobag-Versammlung. Am Stammtisch im Parterre, den die CVP reserviert hat, sitzen erst zwei Mann und erörtern, ob es dank der Listenverbindungen doch noch für einen Sitz reicht. Später stossen Grossrat Daniel Kast und Kantonalpräsident Valentin Lagger dazu. Dank Facebook und iPhone ist man informiert, sobald es irgendwo in der Schweiz für die CVP gut läuft. In Bern tut es das nicht. Norbert Hochreutener, der Bannerträger, erlebt vermutlich das Ende seiner Politkarriere – und wirkt nicht besonders enttäuscht.

James Bond, in SP-Kreisen als Parteipräsident Roland Näf bekannt, kniet vor dem umlagerten Fernsehgerät in der Rathaushalle. Gern vernimmt er aus dem Mund von Toni Brunner, dass die SVP zwar für sich auf zwei Sitze im Bundesrat pocht, aber der SP ebenfalls zwei zugesteht. Später wird man den Agenten am Fusse der Treppe sitzen sehen. Ob er auf den Treppenlift nach oben wartet? Näfs Wahl-Videoclip mit der Bond-Parodie kommt innerparteilich nicht nur gut an: «Die Mitmachenden hatten es offenbar sehr lustig miteinander», sagt eine Ex-National­rätin sibyllinisch.

In der Krone feiert die BDP ihren Erfolg. Mitten unter den Leuten sitzt unauffällig Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf. «Ist das gute Resultat der BDP eine Rückenstärkung?» Darum gehe es nicht, sagt die Bundesrätin. «Wesentlich ist, dass die Mitte gestärkt worden ist», sagt Widmer-Schlumpf. Somit könnten Projekte realisiert werden. «Die Bundesratswahl ist noch völlig offen.» (Der Bund)

Erstellt: 24.10.2011, 07:19 Uhr

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